Zum Inhalt
  • Claudia Liebram
    zuletzt aktualisiert:
    Claudia Liebram

    Sauna und Schuppenflechte – warum der Nutzen jeden blöden Blick überwiegt

    Darf man mit Psoriasis in die Sauna? Auf jeden Fall! Regelmäßiges Saunieren wirkt sich in den meisten Fällen sogar positiv auf Psoriasis aus.

    Grundsätzliche Wirkung der Sauna auf die Haut

    Der regelmäßige Saunabesuch löst in unserem Körper und speziell in der Haut eine Reihe physiologischer Prozesse aus. Wenn wir uns der Hitze in der Sauna aussetzen, reagiert unser größtes Organ – die Haut – zunächst mit einer deutlichen Erweiterung der Blutgefäße. Diese Vasodilatation führt zu einer stark verbesserten Durchblutung der Haut und des darunter liegenden Gewebes.

    Während eines typischen Saunagangs steigt die Hauttemperatur auf etwa 40 bis 42 Grad Celsius an. Um eine Überhitzung zu verhindern, arbeiten die Schweißdrüsen auf Hochtouren. Dies regt den Hautstoffwechsel an und fördert die Durchblutung. Pro Saunagang können zwischen 0,5 und 1,5 Liter Schweiß ausgeschieden werden.

    Die Wärme regt die Produktion von Hitzeschockproteinen an, die zelluläre Reparaturmechanismen unterstützen. Dies kann sich positiv auf die Kollagenbildung auswirken und so die Hautstruktur stärken.

    Ein weiterer wichtiger Effekt betrifft den pH-Wert der Haut. Der saure Schutzmantel wird durch das Schwitzen vorübergehend verändert, regeneriert sich aber in den Stunden nach dem Saunagang wieder und kann dann sogar stabiler sein als zuvor. Dies ist besonders relevant für die Abwehrfunktion der Haut gegen schädliche Umwelteinflüsse und Krankheitserreger.

    Die erhöhte Temperatur führt zudem zu einer verstärkten Durchfeuchtung der Hornschicht, wodurch sich abgestorbene Hautzellen leichter lösen. Dieser natürliche Peeling-Effekt kann zu einem feineren Hautbild beitragen. Allerdings sollten Psoriasis-Patienten jetzt nicht mit dem Handtuch oder gar einer Bürste losrubbeln: Die mechanische Reizung kann dann doch zu stark sein. Besser ist, die Schuppen lösen sich von selbst.

    Nicht zu unterschätzen ist auch die Wirkung auf das hautnahe Immunsystem. Die Wärmeeinwirkung kann immunmodulierende Effekte haben und die Aktivität bestimmter Immunzellen beeinflussen. Dies könnte besonders bei Autoimmunerkrankungen wie der Psoriasis von Bedeutung sein, wobei die genauen Zusammenhänge noch Gegenstand der Forschung sind.

    Positive Effekte der Sauna bei Psoriasis

    Die Sauna kann für Menschen mit Psoriasis eine Reihe positiver Effekte haben, die sowohl direkt als auch indirekt auf den Krankheitsverlauf einwirken können.

    Einer der wichtigsten Aspekte ist die Stressreduktion und Entspannung, die durch regelmäßige Saunabesuche erreicht werden kann. Stress gilt als bekannter Triggerfaktor für Psoriasis-Schübe, sodass eine Verringerung des Stresslevels sich positiv auf den Krankheitsverlauf auswirken kann.

    Die verbesserte Durchblutung der Haut während des Saunagangs kann ebenfalls vorteilhaft sein. Sie fördert den Stoffwechsel in den Hautzellen und unterstützt somit die Hautregeneration. Dies kann dazu beitragen, dass sich die für Psoriasis typischen Plaques schneller zurückbilden.

    Für eine Studie waren 213 Psoriasis-Patienten nach ihren Erfahrungen mit Sauna-Besuchen gefragt worden. 10,7 Prozent der Patienten bemerkten eine Verbesserung der Hautläsionen nach dem Saunabesuch. Für die große Mehrheit (87,9%) hatte die Sauna weder einen positiven noch negativen Einfluss auf die Hauterscheinungen. Nur bei 1,4% der Patienten wurde eine Verschlechterung beobachtet. Diese Ergebnisse deuten darauf hin, dass Saunagänge für die meisten Psoriasis-Betroffenen zumindest unbedenklich und für einige sogar vorteilhaft sein können.

    Ein weiterer positiver Effekt der Sauna bei Psoriasis ist die Unterstützung bei der Entfernung von hyperkeratotischen Schuppen. Die Wärme und Feuchtigkeit in der Sauna erleichtern das Ablösen der Schuppen, was zu einem verbesserten Hautbild führen kann. In diesem Zusammenhang erwähnt eine Studie, dass die Anwendung von Vaseline, Feuchtigkeitscremes oder äußerlichen Psoriasis-Medikamenten nach dem Saunagang für viele Patienten als vorteilhaft empfunden wurde.

    Darüber hinaus kann die Sauna positive Auswirkungen auf das Immunsystem haben. Obwohl die genauen Mechanismen noch nicht vollständig geklärt sind, deutet die Forschung darauf hin, dass regelmäßige Saunabesuche immunmodulierend wirken können. Dies könnte besonders relevant für Psoriasis sein, da es sich um eine Autoimmunerkrankung handelt.

    Die verschiedenen Sauna-Arten

    Sauna-Art Temperatur Luftfeuchtigkeit Besonderheiten
    Finnische Sauna 80-100°C 10-20% Klassische trockene Hitze, stärkste Wärmebelastung
    Russisches Bad 50-90°C 20-65% Starke Temperatur- und Feuchtigkeitsschwankungen durch Aufgüsse
    Türkisches Bad (Hamam) 39-45°C (max. 60°C) 80-100% Sehr hohe Luftfeuchtigkeit, mildeste Temperatur
    Bio-Sauna 45-60°C moderat Sanftere Alternative zur finnischen Sauna
    Infrarotsauna 37-47°C (max. 60°C) niedrig Wärmeerzeugung durch Infrarotstrahlung, besonders schonend
    Dampfsauna unter 50°C bis 100% Sehr hohe Luftfeuchtigkeit, keine Aufgüsse
    Salzsauna ca. 60°C 15% Zusätzliche Wirkung durch Salzgehalt in der Luft
    Erdsauna 90-110°C 9-20% Sehr hohe Temperaturen, meist keine oder milde Aufgüsse

    Mögliche Risiken und Nebenwirkungen

    Obwohl die Sauna für viele Psoriasis-Patienten unbedenklich ist, gibt es einige wichtige Risiken und Nebenwirkungen, die beachtet werden sollten. Die erwähnte Studie zeigt, dass bei etwa 1,4% der Psoriasis-Patienten eine Verschlechterung der Psoriasis nach dem Saunagang beobachtet wurde. Dies verdeutlicht, dass individuelle Reaktionen sehr unterschiedlich ausfallen können.

    Eine besondere Herausforderung stellt die mögliche Hautreizung dar. Während die Sauna selbst nach wissenschaftlichen Erkenntnissen keine austrocknende Wirkung auf die Haut hat, können falsche Reinigungsgewohnheiten zu Problemen führen. So wird in Studien ausdrücklich davon abgeraten, Waschbürsten oder Schwämme zu verwenden, da diese die ohnehin schon sensible Haut zusätzlich reizen können.

    Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die verminderte Schweißproduktion bei Psoriasis. Messungen haben gezeigt, dass die Verdunstung in den betroffenen Hautarealen um 50 Prozent reduziert ist, solange die Schuppen noch vorhanden sind. Dies kann die körpereigene Temperaturregulation während des Saunagangs beeinträchtigen.

    Kontraindikationen für Saunagänge

    • Instabile Angina pectoris
    • Kürzlich erlittener Herzinfarkt
    • Schwere Aortenstenose
    • Akute Psoriasis-Schübe mit stark entzündeten Hautarealen
    • Alkoholkonsum vor oder während des Saunagangs (erhöht das Risiko von Herzrhythmusstörungen und plötzlichem Herztod)

    Besonders hervorzuheben ist, dass während des Sauna-Besuchs kein Alkohol getrunken werden sollte, weil das das Risiko für Blutdruckabfall, Herzrhythmusstörungen und sogar plötzlichen Tod erhöht. Für Menschen mit stabiler koronarer Herzkrankheit oder einem länger zurückliegenden Herzinfarkt ist die Sauna hingegen in der Regel sicher nutzbar.

    Praktische Tipps für Psoriasis-Patienten

    Für einen optimalen und sicheren Saunabesuch bei Psoriasis sind einige wichtige praktische Aspekte zu beachten. Die Studienlage zeigt, dass die meisten Psoriasis-Patienten gut von der Sauna profitieren können, wenn sie einige grundlegende Regeln befolgen.

    Bei der Vorbereitung auf den Saunagang ist besonders auf eine schonende Hautreinigung zu achten. Die Forschung empfiehlt ausdrücklich, auf Waschbürsten und Schwämme zu verzichten, da diese die empfindliche Haut unnötig reizen können. Seife sollte nur gezielt in den Achseln und im Intimbereich verwendet werden.

    Nach dem Saunagang ist die richtige Hautpflege von entscheidender Bedeutung. Die Studien belegen, dass die Anwendung von Vaseline oder speziellen Feuchtigkeitscremes nach dem Saunagang für viele Patienten vorteilhaft ist. Diese Produkte können dabei helfen, die gelösten Psoriasis-Schuppen sanft zu entfernen und gleichzeitig die Haut mit ausreichend Feuchtigkeit zu versorgen.

    Ein wichtiger Aspekt ist auch die richtige Dosierung der Saunabesuche. Da bei Psoriasis-Patienten die Schweißproduktion in den betroffenen Hautarealen um bis zu 50 Prozent reduziert sein kann, sollten die Saunagänge zunächst kürzer gehalten werden. Es empfiehlt sich, mit einer Dauer von 5 bis 8 Minuten zu beginnen und diese Zeit nach und nach zu steigern, sofern die Haut positiv reagiert.

    Die Beobachtung der eigenen Hautreaktion ist dabei von großer Bedeutung. Da die Studienergebnisse zeigen, dass etwa 10,7% der Patienten eine Verbesserung und nur 1,4% eine Verschlechterung erfahren, sollten Betroffene ein Hauttagebuch führen, um positive oder negative Veränderungen zu dokumentieren.

    Fazit und Expertenempfehlungen

    Die wissenschaftliche Evidenz zeigt ein überwiegend positives oder neutrales Bild der Saunanutzung bei Psoriasis. Die Studienergebnisse belegen, dass für die große Mehrheit der Psoriasis-Patienten (87,9%) die Sauna keine negativen Auswirkungen hat. Bei etwa jedem zehnten Patienten (10,7%) wurde sogar eine Verbesserung der Hautläsionen beobachtet, während nur ein sehr kleiner Teil (1,4%) eine Verschlechterung erfuhr.

    Diese Erkenntnisse legen nahe, dass die Sauna für die meisten Psoriasis-Patienten eine sichere und potenziell vorteilhafte Ergänzung zu bestehenden Therapien sein kann. Besonders hervorzuheben ist dabei die unterstützende Wirkung bei der Entfernung von Psoriasis-Schuppen sowie die positiven Effekte auf das allgemeine Wohlbefinden und die Stressreduktion.

    Ein Arztbesuch ist dringend anzuraten bei:

    • Verschlechterung der Hautläsionen nach Saunagängen
    • Auftreten von starkem Juckreiz oder anderen Hautreaktionen
    • bestehenden Herz-Kreislauf-Erkrankungen
    • akuten Psoriasis-Schüben

    Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass die Sauna für viele Psoriasis-Patienten eine wertvolle und sichere Ergänzung zur bestehenden Therapie darstellen kann, vorausgesetzt, die individuellen Kontraindikationen werden beachtet und die praktischen Empfehlungen zur Durchführung werden eingehalten.

     


    Wissen und Tipps für Dein Leben mit Schuppenflechte oder Psoriasis arthritis

    Meld dich für unseren Newsletter an.

    Bildquellen

    Gennadiy Poznyakov - Fotolia

    Erstmals erschienen:

    Kommentare

    Empfohlene Kommentare

    Keine Kommentare vorhanden



    Erstelle ein Benutzerkonto oder melde dich an, um zu kommentieren

    Du musst ein Benutzerkonto haben, um einen Kommentar verfassen zu können

    Benutzerkonto erstellen

    Neues Benutzerkonto für unsere Community erstellen. Es ist einfach!

    Neues Benutzerkonto erstellen

    Anmelden

    Du hast bereits ein Benutzerkonto? Melde dich hier an.

    Jetzt anmelden

  • Auch interessant

    Hallo zusammen, Nachdem ich jahrelang wie viele andere Schuppis ein finanzieller Grundpfeiler der Pharmaindustrie...
    Warum eine neurologische Reha?
    Mein Reha-Aufenthalt im Quellenhof in Bad Wildbad (neurologische Klinik)
    Neben der Psoriasis, die durch Cosentyx weitestgehend symptomlos ist, ist auch eine moderate MS mein ständiger Beglei...
    Hallo Ihr, bald startet die Studie mit einem Lichttherapie-Set für zuhause. Als ich so darüber nachdachte, hab ic...
    Schuppenflechte oder ???
    Schuppenflechte-Forum
    Psoriasis habe ich schon fast mein ganzes Leben.  Bekomme als Therapie Stelara, was gut hilft. Aber diese Stelle ...
×
×
  • Neu erstellen...

Wichtig:

Diese Seite verwendet einige wenige Cookies, die zur Verwendung und zum Betrieb notwendig sind. Auf Werbetracker verzichten wir bewusst.