Eine neue Studie zeigt, dass Menschen mit Psoriasis arthritis (PsA) regelmäßig viele Medikamente nehmen. „Viele“ meint: fünf oder mehr Medikamente. Der Fachausdruck dafür, wenn jemand regelmäßig so viele Medikamente einnimmt, heißt Polypharmazie.
Für eilige Leser
Die Fakten: Fast die Hälfte aller Frauen und Männer mit PsA nimmt regelmäßig fünf oder mehr Medikamente. Das ist mehr als bei Personen ohne entzündliche Arthritis.
Warum ist das wichtig? Die große Zahl an Medikamenten kann zu Wechselwirkungen zwischen den Medikamenten und zu zusätzlichen Gesundheitsproblemen führen. Ein besseres Verständnis und Medikamenten-Management könnte die Lebensqualität von PsA-Patienten erheblich verbessern.
Das Fazit: Die Forscher meinen: Die Polypharmazie bei PsA muss angegangen werden, um Folgeerkrankungen zu vermeiden. Es sollte untersucht werden, ob der Einsatz von Schmerzmitteln, innerlichen Kortison-Medikamenten und weiteren Arzneimitteln durch eine häufigere Biologika-Therapie reduziert werden könnte.
Von Polypharmazie sind auffällig mehr PsA-Patienten betroffen als gleichaltrige Menschen, die keine Psoriasis arthritis haben. Fast die Hälfte (49 Prozent) der PsA-Patienten waren von Polypharmazie betroffen, im Vergleich zu nur 17 Prozent der Kontrollgruppe ohne entzündliche Arthritis.
Die Forscher analysierten Daten der Krankenkasse Barmer aus dem Jahr 2021. Sie suchten in der Datenbank alle Personen über 18 Jahre heraus, die im Jahr 2021 durchgehend versichert waren und entweder eine ambulante Diagnose in mindestens zwei Quartalen des Jahres oder eine stationäre Diagnose von Psoriasis und PsA hatten. Die Menschen mussten außerdem mindestens einmal eine DMARD-Therapie verschrieben bekommen haben. Am Ende waren es 11.984 Personen, auf die die Kriterien passten. Zum Vergleich sammelten die Forscher die Daten von Versicherten, die eben keine entzündliche Arthritis hatten. Außerdem unterteilten die Forscher die Studienteilnehmer in Altersgruppen. Sie schauten, welche Art Medikamente beide Gruppen bekommen hatten.
Weitere Ergebnisse der Studie
- Frauen mit PsA waren etwas häufiger von Polypharmazie betroffen als Männer.
- Je älter jemand ist und je mehr Begleiterkrankungen er hat, desto höher ist das Risiko, dass jemand fünf und mehr Medikamente nehmen muss.
- PsA-Patienten bekamen deutlich mehr Medikamente für Beschwerden des Bewegungsapparats, das Immunsystem, das Herz-Kreislauf-System, den Verdauungstrakt und das Nervensystem verschrieben als die Kontrollgruppe. Das liegt daran, dass PsA-Patienten oft zusätzlich zu ihren PsA-Medikamenten auch Medikamente für Begleiterkrankungen wie das metabolische Syndrom, Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Depressionen benötigen.
- Frauen mit PsA nahmen im Durchschnitt 2,4-mal mehr von ihren Medikamenten ein als Frauen ohne PsA. Männer nahmen im Durchschnitt 2,3-mal mehr von ihren Medikamenten ein als Männer ohne PsA. Dieser Unterschied war unabhängig vom Alter der Patienten.
Was ist Polypharmazie?
Polypharmazie bezeichnet die gleichzeitige Einnahme von fünf oder mehr Medikamenten. Dies kann besonders bei chronischen Erkrankungen wie PsA ein Problem darstellen, da die Behandlung der Krankheit selbst sowie die Behandlung von Begleiterkrankungen oft den Einsatz mehrerer Medikamente erfordert.
Ein Fazit der Forscher: Wer die PsA besser im Griff hat, könnte weniger Medikamente benötigen. Dabei haben die Forscher vor allem innerliche Kortison-Medikamente und Schmerzmittel im Blick. Die sollen nur dann eingesetzt werden, wenn die PsA nicht gut kontrolliert ist. Würden bei älteren Patienten öfter Biologika in Betracht gezogen werden, könnte ihrer Meinung nach der Einsatz von Schmerzmitteln, Opioiden und anderen Medikamenten reduziert werden, die wegen der PsA verschrieben werden.
Schwächen der Studie
Die Forscher nennen selbst einige Schwachpunkte ihrer Studie. Ein wesentliches Problem ist, dass sich die Diagnosen von PsA und rheumatoider Arthritis (RA) ohne Rheumafaktor oft überschneiden. Da beide Erkrankungen oft mit denselben Medikamenten behandelt werden, ist eine klare Unterscheidung auf Basis der vorliegenden Daten schwierig. Insbesondere der Abrechnungscode für vermutete Arthritis kann zu Verwirrung führen, denn er bleibt oft auch nach einer spezifischen Diagnosestellung in den Daten. Die Forscher räumen ein, dass also möglicherweise einige Fälle mit rheumatoider Arthritis in die Studie eingeschlossen wurden. Sie meinen, dass das die Ergebnisse jedoch nicht wesentlich beeinflusst.
Ein weiteres Problem ist, dass die Komorbiditäten nur anhand von Abrechnungscodes erfasst wurden und nicht durch eine nochmalige Untersuchung eines Arztes. Das könnte dazu führen, dass die Zahl der Komorbiditäten wie Übergewicht eher unterschätzt wird, denn nicht jeder Arzt schreibt Adipositas als Diagnose für die Abrechnung in seiner Unterlagen.
In der Studie taucht nicht auf, wie oft PsA-Patienten rezeptfreie Medikamente (OTC) nehmen. Dabei hatten doch frühere Untersuchungen gezeigt, dass ein erheblicher Anteil der Patienten die Arzneimittel zusätzlich einnimmt. Am Ende wird damit die tatsächliche Verbreitung von Polypharmazie in der Studie wahrscheinlich eher noch unterschätzt.
Fakten: Erkrankungen neben der Psoriasis arthritis
In der Studie gibt es auch interessante Zahlen, welche Erkrankungen Menschen mit Psoriasis arthritis außerdem so haben und wie sie im Vergleich mit Gleichaltrigen ohne PsA dastehen. Wer sich also mit Gleichaltrigen vergleichen will, findet hier von uns aufwändig aufbereitete Vergleichs-Grafiken:
Frauen: zwischen 18 und 30 | zwischen 31 und 40 | zwischen 41 und 50 | zwischen 51 und 60 | zwischen 61 und 70 | zwischen 71 und 80 | über 80
Männer: zwischen 18 und 30 | zwischen 31 und 40 | zwischen 41 und 50 | zwischen 51 und 60 | zwischen 61 und 70 | zwischen 71 und 80 | über 80
➜ Artikel: Die wichtigsten Fakten über Psoriasis arthritis
➜ Forum: Erfahrungsaustausch über Psoriasis arthritis
➜ Artikel: Ergotherapie wird für Menschen mit Psoriasis arthritis einfacher
Quelle: High burden of polypharmacy and comorbidity in persons with psoriatic arthritis: an analysis of claims data, stratified by age and sex; in: RMD Open 2023;9:e002960
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