In einem Wettbewerb werden jedes Jahr Deutschlands beste Internetseiten von Kliniken ermittelt. Dahinter steckt die Initiative Medizin Online (imedON). Professor Frank Elste von der Dualen Hochschule Baden-Württemberg verfeinert Jahr für Jahr mit einem Team die Kriterien. Dazu gehören: Was macht eine medizinische Internetseite patientenfreundlich? Wie steht es um die Qualität der Informationen?
Kliniken können sich im Frühjahr für den Wettbewerb anmelden. Ihre Internetseiten werden dann von Elstes Team besucht und begutachtet. Heraus kommt eine Top 10. Die wird einer unabhängigen Jury vorgestellt, die jede dieser Internetseiten ansieht und am Ende über die Reihenfolge der Gewinner bestimmt.
In der Jury sitzen Vertreter von Patientenorganisationen, Krankenhäusern oder aus der Industrie, Kommunikations-Profis und IT-Experten – eine bunte Mischung mit sehr unterschiedlichen Interessen in Sachen Gesundheit.
Sonderpreis für Hautkliniken
Im Jahr 2015 hatten sich 223 Kliniken beworben. Und: Es gab einen Sonderpreis zum Thema Psoriasis / Urtikaria – sicher nicht ganz zufällig, denn der Wettbewerb "Deutschlands Beste Klinik-Website" wird von der Firma Novartis unterstützt.Wegen des Themas des Sonderpreises waren denn auch Patientenvertreter aus dem Bereich Schuppenflechte eingeladen: Manfred Greis vertrat den Deutschen Psoriasis-Bund e.V., Rolf Blaga und ich waren für die Psoriasis Selbsthilfe Arbeitsgemeinschaft e.V. dabei.
Für den Sonderpreis bewerteten wir drei Internetseiten von Hautkliniken:
- vom Psoriasis Zentrum am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein in Kiel
- vom Fachkrankenhaus Schloss Friedensburg
- von der Universitäts-Hautklinik Düsseldorf
Bei dieser Auswahl jedenfalls war schnell klar, wer wohl der Gewinner des Sonderpreises werden würde – nämlich das Psoriasis-Zentrum in Kiel. Um es deutlich zu sagen: Der Preis ist verdient und die Seite würde ganz sicher noch viel mehr Kandidaten aus dem Rennen schlagen. Doch die hier gewählte Konkurrenz ist uns einfach schleierhaft.
Fast nie Informationen über Krankheiten
Im Laufe der Jurysitzung, beim "Abklappern" der 13 Klinik-Seiten, fiel es uns deutlich auf: Es fehlen fast überall rein sachliche Informationen über die dort behandelten Erkrankungen – bei geschätzt 95 Prozent der Anbieter.Dabei wären gerade Kliniken und ihre Mediziner diejenigen, die so sachkundig wie kaum ein anderer über Krankheiten informieren könnten. Wer so viel darüber jammert, dass Patienten mit falschen oder unvollständigen Informationen in die Sprechstunde kommen, könnte hier selbst gegen die Informationsflut antreten und bei der Gelegenheit auch evidenzbasiertes Wissen vermitteln.
Auch in diesem Punkt hat das Psoriasis-Zentrum in Kiel auf seiner Internetseite alles richtig gemacht: Es gibt Informationen über die Schuppenflechte. Aber: Die Seite ist auch von Grund auf neu erstellt worden, bei Null angefangen. Da fehlt jeglicher Ballast, den eine Uni-Klinik wie die Düsseldorfer wegen des riesigen Überbaus mit sich im Netz herumschleppt. Der Mut, einer Klinik eine völlig eigenständige Internetseite zu geben, muss sicher erst einmal reifen. Und: Die Kieler Hautklinik, in der das Psoriasis-Zentrum angesiedelt ist, ist Teil eines Exzellenzclusters – eines besonders geförderten Forschungszentrums zum Thema Entzündungen, das denn auch mehr Geld zur Verfügung hat.
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