Wir können davon ausgehen, dass die Sommer bei uns immer heißer werden. Temperaturen zwischen 30 und 40 Grad Celsius gehören dann genauso dazu, wie weitere Extrem-Wetterlagen. Menschengemachter Klimawandel eben! Ist das für Menschen mit Schuppenflechte eher gut oder eher schlecht?
Wenn sehr heiße Tage zu erwarten sind, gibt es zum Glück viele Tipps, wie man sich vor Hitzeschäden schützen kann. Allgemein gilt: Viel trinken, leicht essen, sich moderat anstrengen und luftig bekleiden – das gilt für alle, auch für Menschen mit Schuppenflechte.
Das größte Problem: das Schwitzen
Schwitzen ist ein Mittel des Körpers, sich abzukühlen: Die Schweißtropfen verdunsten auf der Haut und geben dadurch Wärme ab. Wer viel schwitzt, verliert Flüssigkeit und Salz und sollte entsprechend viel trinken. Wenn man sich dann noch zusätzlich im Wasser erfrischt oder mehrmals duscht, werden selbst hartnäckige Schuppen weich und lassen sich leichter ablösen. Das sollte man nutzen: Nach dem Bad sanft abtrocknen und die Psoriasis-Stellen äußerlich behandeln oder die Haut insgesamt eincremen.
Hat man tagsüber keine Gelegenheit, die verschwitzte Haut zu reinigen, sollte man möglichst luftige, atmungsaktive Kleidung tragen. Dann schwitzt man weniger, es juckt nicht so stark und reizt die Haut nicht. Textilfasern, die die Feuchtigkeit ableiten, sind Baumwolle und Leinen. Bambus würde auch dazu gehören, wird aber meist als Chemiefaser aus Bambuszellulose angeboten. Am besten wirkt Seide: Die lässt nicht nur weniger Wärme durch. „Seidenfäden haben winzige Löcher, die Feuchtigkeit (also Schweiß) von der Haut weg ‘saugen‘ können“, so Holy Capelo für das Max-Planck-Institut. Auch die Unterwäsche sollte angepasst sein: Baumwolle statt Synthetik, bequemer oder gar kein BH, Boxershorts. Bei den Schuhen verstärken alle Materialien das Schwitzen. Nur Leder als Obermaterial und Sohle ist atmungsaktiv.
Wer sich mit einem Deodorant gegen das Schwitzen schützen will, sollte vorher den Test vom Juni 2019 lesen. Die enthaltenen Aluminumsalze sind gesundheitlich umstritten. In einigen Deos wurde ein kritischer Duftstoff gefunden. Auf Psoriasis-Stellen, selbst unter dem Arm, sollte man eher kein Deo auftragen! Das könnte brennen.
Schweiß kann nicht verdunsten, wenn man dort schwitzt, wo Haut auf Haut liegt: Achselhöhlen, Brüste und Intimbereich. Dort wird die Haut beim Schwitzen eher gereizt und kann jucken. Wer an den Hautfalten betroffen ist (Psoriasis inversa) sollte die Bereiche bei Hitze öfters mit klarem Wasser waschen und hinterher sorgfältig abtrocknen. Ob man dann noch eine Creme oder eher ein Puder aufträgt, muss man ausprobieren.
Bremst Hitze sogar die Entzündungsbotenstoffe?
Es könnte sein, dass Hitze, sofern man sie erträgt, positiv auf das Immunsystem wirkt. Erhöhte Körpertemperatur (als Fieber) ist eine Methode des Immunsystems, sich gegen Krankheitserreger zu wehren. Es wird angenommen, dass Hitze die Anzahl der Leukozyten und Interleukine verringert und damit die Schuppenflechte verringert. In naturheilkundlichen Kliniken wird deshalb Psoriasis auch mit einer „Therapeutische Hyperthermie“ behandelt. Aus gleichem Grund wird Psoriatikern empfohlen, in die Sauna zu gehen. Uns ist keine Studie bekannt, die das belegt. Vermutlich muss jeder für sich selbst ausprobieren, wie Hitze auf seine Schuppenflechte wirkt. Wer sich dabei entspannen kann, ob im Garten, am Strand oder in der Sauna, tut damit auf jeden Fall etwas gegen Stress! Wer sich unsicher ist, fragt den Arzt.
Hinzu kommt, dass Sonnenbäder durch die UV-Strahlung auf die Schuppenflechte immer entzündungshemmend wirken. Experten sind sich uneinig darüber, ob therapeutische UV-Bestrahlungen das Hautkrebs-Risiko erhöhen. Trotzdem sollte man sich an empfindlichen Stellen wie das Gesicht schützen und jährlich insgesamt nicht mehr als 50 x mit UV-Licht bestrahlen.
Hitze und Medikamente
Lagerung
Hitze ist vor für Cremes, Salben und Gels nicht gut. Deshalb wird empfohlen, sie in den Kühlschrank zu legen. Dabei ist es egal, in welches Fach – nur nicht ins Tiefkühlfach!
Biologika müssen immer im Kühlschrank gelagert werden. Was viele aber nicht wissen: Beim Transport in der Kühltasche von der Apotheke nach Hause darf die Packung nicht direkt auf dem Kühl-Pad liegen. Dadurch könnten die empfindlichen Moleküle des Biologikums gefrieren. Wenn in der klaren Flüssigkeit winzig kleine Körner zu sehen ist, sollte das Medikament nicht benutzt werden. Einige Hersteller bieten Kühltaschen an, die einen direkten Kontakt verhindern.
Von den innerlichen Medikamenten vertragen Otezla und Methotrexat-Tabletten keine Hitze. Fumaderm, Skilarence und Xeljanz sind dagegen unempfindlich gegen Temperaturschwankungen.
Dosierung ändern?
Psoriasis-Medikamente werden bei jeder Temperatur gleich dosiert. Anders bei Medikamenten, die z.B. gegen zu hohen Blutdruck gegeben werden – eine typische Begleiterkrankung bei Schuppenflechte. Bei Hitze ist der Blutdruck niedriger, weil die Blutgefäße erweitert sind. Durch ein Medikament könnte der Blutdruck zu stark sinken. Auf keinen Fall darfst Du ein Blutdruck senkendes Mittel von selbst absetzen! Wie mit dem Medikament umzugehen ist, musst Du unbedingt mit dem Arzt klären. Denn oft erhältst Du weitere herzstabilisierende Medikamente.
Entwässernde Medikamente (Diuretika) werden bei Herzschwäche (Insuffizienz) gegeben. Bei Hitze kann das nicht von selbst ausgeglichen werden. Es gilt: Wie Du Deinen Flüssigkeitshaushalt regelst, musst Du unbedingt mit dem Arzt absprechen.
Abkühl-Tipps von Betroffenen
Im Laufe der Jahre haben sich in unserer Community verschiedene Ratschläge angesammelt:
- Fuß- oder Arm-Bäder eiskaltem Wasser, z.B. mit Kühlaggregaten, Eiswürfel oder Gel-Kompressen
- Umschläge mit kaltem schwarzem Tee
- Salbe, Cremes, Gels aus dem Kühlschrank verwenden
- Meersalz-Lösung aus dem Kühlschrank aufsprühen: 10 Einheiten abgekochtes Wasser, 2 Einheiten Meersalz. Du kannst ausprobieren, ob Du den Salzanteil erhöhen willst
- lauwarme oder kalte Dusche vor dem Schlafengehen
- Schlafanzug / Nachthemd aus dem Tiefkühlfach anziehen
- Bettwäsche aus kühlenden Textilien wie Seide benutzen
- Hilfreich, aber extrem umweltschädlich: Angeblich fahren manche stundenlang in ihrem Auto wegen der Klimaanlage. Da wird es doch wohl öffentliche Räume geben, die sowieso klimatisiert sind – zum Beispiel eine Bibliothek.
Mehr Tipps aus unserer Community findest du in der Diskussion "Was macht Ihr bei der Hitze mit der Haut?"
Trinken
- viel trinken, um Flüssigkeitsverluste auszugleichen (2-3 l, bei körperlicher Anstrengung auch 4 l)
- keinen Alkohol trinken, weil der die hitzebedingt weit geöffnete Blutgefäße zusätzlich öffnet. Dadurch sinkt der Blutdruck. Alkohol, vor allem Bier, entzieht dem Körper zusätzlich Flüssigkeit. Besser sind selbst gemischte Saft-Schorlen oder abgekühlter schwarzer Tee mit Zitrone.
- laufwarme Getränke sind besser als eiskalte, sagen die meisten, wenn auch nicht alle Experten. Kalte Getränke werden auf Körpertemperatur erwärmt und erhöhen damit die Magendurchblutung. Dadurch ist weniger Blut für die Wärmeabfuhr vorhanden. Dass sie sofort "erfrischend" wirken ist eher ein Plazebo-Effekt, den uns die Werbung einredet. Wie der Kaffee, der angeblich schon nach dem ersten Schluck munter macht.
Essen
Um den Körper abzukühlen wird bei Hitze mehr Blut in die Haut gepumpt. Das führt dazu, dass die anderen Organe weniger durchblutet werden; auch der Magen. Mit kleineren Mahlzeiten und leicht Verdaulichem (Gemüse, Obst, nichts Scharfgewürztes) erreicht man, dass der Magen mit einer geringeren Blutmenge auskommt.
Tipps zum Weiterlesen
- „Tipps für die heißen Tage“, AOK Nordost
- „Gluthitze: So essen und trinken Sie richtig“, Kaufmännische Krankenkasse
- „Das geheime Leben des Körpers in der Hitzewelle“, Tagesspiegel
- „Gesundheitsgefahr durch hohe Temperaturen: Die Kranken werden kränker“ , Tagesspiegel
- „Hitzewelle in Deutschland: Arzneimittel richtig lagern“, Bundesverband der Arzneimittelhersteller
Erfahrungen von Menschen mit Schuppenflechte
In unserem Forum haben Betroffene ihre Tipps für die Hitze-Tage unter anderem hier aufgeschrieben:
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