Hier erfährst du, was Schuppenflechte (Psoriasis) ist. Außerdem findest du Informationen über ihre Formen, über Auslöser, die Therapie und mehr.
Was ist Schuppenflechte?
Die Schuppenflechte ist eine gutartige Krankheit der Haut. Sie ist niemals ansteckend. Der medizinische Fachbegriff heißt Psoriasis. Manche sagen nur kurz Pso dazu. Patienten werden auch Psoriatiker genannt.
Niemand kann vorhersagen, wie eine Psoriasis verläuft. Viele Betroffene haben Schübe. Das heißt, dass die Hautstellen am Körper mal eine Zeit lang schlimmer und dann auch wieder (fast) weg sind. Bei anderen bleibt die Hauterkrankung aber auch einfach immer da. Deshalb gilt die Schuppenflechte als chronisch.
Die Hautkrankheit ist nicht heilbar. Gemeint ist damit, dass die Krankheit erfolgreich ein für allemal bekämpft wird, und das ist nicht möglich: Die Erkrankung bleibt in den Genen angelegt. Natürlich kann es passieren, dass jemand nur einmal in seinem Leben eine Schuppenflechte hat und die wieder verschwindet. Glück gehabt! Alle anderen müssen da mehr machen. Für sie lautet die gute Nachricht: Die Psoriasis ist behandelbar.
Über die Häufigkeit der Schuppenflechte wird kaum debattiert: In Deutschland sollen zwei bis drei Prozent der Bevölkerung mit einer Psoriasis leben.
Unter den Hautkrankheiten nimmt die Schuppenflechte einen sehr wichtigen Platz ein, denn wie bei einer Autoimmunerkrankung richten sich einzelne Funktionen des Körpers gegen sich selbst, gegen körpereigenes Geschehen. Diese Aktion nennt sich Autoimmunreaktion.
Das Fachgebiet, das sich am meisten mit der Schuppenflechte beschäftigt, ist die Dermatologie. Der beste Facharzt ist also der Dermatologe – der Hautarzt. Er kann die Diagnose am sichersten stellen.
Tipp: Wer einen Arzt sucht, der sich mehr mit der Schuppenflechte beschäftigt, kann beim PsoNet nachsehen. Das ist ein Zusammenschluss von dermatologischen Fachleuten zum Thema Psoriasis. Manche Hautärzte haben außerdem eine spezielle Weiterbildung in Sachen Schuppenflechte bei der Deutschen Dermatologischen Akademie gemacht. Auf deren Internetseite findet sich eine Liste.
Diagnose
Eine Selbstdiagnose liegt nahe, wenn auch andere in der Familie eine Schuppenflechte haben. Trotzdem sollte immer ein Arzt die Diagnose stellen. Selbst, wenn man dann nicht sofort eine Behandlung beginnen möchte, hat man für später die Gewissheit.
Für die Diagnostik hat ein Arzt vor allem eins: Erfahrung. Eine Schuppenflechte ist ihm spätestens in der Ausbildung zum Facharzt erstmals über den Weg gelaufen.
Ist er sich nicht sicher, muss er dem Patienten dann doch ein ganz kleines bisschen wehtun.
Den Anfang macht er dann, indem er an der obersten Schuppe kratzt. Die wird dann silbrig-weiß, was aussieht, als würde man an einem Fleck mit Kerzenwachs herumkratzen. Okay, bis hierhin tut noch nichts wirklich weh.
Die nächste Stufe ist das erste Phänomen – nämlich das Phänomen vom letzten Häutchen. Unter der eben weggekratzten Schuppe kommt ein sehr dünnes Häutchen zum Vorschein. Was folgt, ist das zweite Phänomen, das so genannte Auspitzphänomen oder Phänomen vom blutigen Tau. Wird das dünne Häutchen von eben angeritzt, kommt Blut. Aber keine Angst: nur als winziger Topfen.
Symptome
Eine typische Schuppenflechte-Stelle ist eine scharf begrenzte, gerötete Stelle. Das meint: Wenn man mit dem Finger über den Rand so einer Stelle fährt, merkt man den Rand schon – im Gegensatz zu anderem Hautausschlag, der fließend in gesunde Haut übergeht. Wenn der Hautarzt etwa von einem „Psoriasis-Plaque“ oder über Herde spricht, meint er nichts anderes als eine Stelle.
Die schuppende Haut kann im Prinzip überall am Körper auftreten. Aber es gibt Stellen, an denen die Erkrankung gehäuft zu finden ist.
Bei vielen Betroffenen beginnen die Beschwerden an der Kopfhaut oder hinter den Ohren. Dort sind die Stellen oft sehr dick. Sie haften auch besonders fest. Weitere typische Stellen sind die Streckseiten der großen Gliedmaßen, also die Außenseiten der Ellbogen und Knie.
Ansonsten können sich Symptome der Psoriasis an jeder erdenklichen Stelle des Körpers zeigen: am Rücken, an den Oberschenkeln, am Bauch, am Po… Es gibt eigentlich keine Stelle, die von der Psoriasis ausgelassen wird.
Die Hautveränderungen sind oft rot. Diese Rötung zeigt sich die Entzündung, die sich in den tieferen Schichten der Haut abspielt – konkret: in der Epidermis.
Zur Symptomatik gehören auch silbrig weiße Schuppen, die an der Haut haften. Die Schuppung lässt sich bei vielen Betroffenen nur mit guter und häufiger Hautpflege in den Griff bekommen, bei manchen kaum noch.
Sehr verbreitet ist auch der Juckreiz. Das Symptom ist für den Betroffenen unangenehm – und andere deuten das häufige Kratzen falsch als Folge mangelnder Hygiene oder als Unbeherrschtheit.
Fragt man Patienten mit Schuppenflechte nach den Krankheitssymptomen, die sie am meisten stören, werden meist eben das Jucken oder das Erscheinungsbild in der Öffentlichkeit genannt.
Die Schuppenflechte-Stellen sind unterschiedlich groß: Bei der Psoriasis guttata sind die Stellen eher kleine Punkte und tropfenförmig. Bei einer Psoriasis vulgaris können die Stellen schon mal so groß wie eine Handfläche oder größer sein.
Ursache
Viele Forscher gehen davon aus, dass die Schuppenflechte zu den Autoimmunerkrankungen zählt. Sicher ist: Es handelt sich um einen Fehler im Immunsystem.
Das Problem bei Psoriasis ist, dass Zellen hyperaktiv sind, genauer: Immunzellen. Sie wandern in die Haut ein und setzen Faktoren frei, die für Entzündung und Wachstum sorgen. In den letzten Jahren wurden aber Tatbeteiligte gefunden: Ein Kandidat ist der Tumornekrosefaktor (TNF) Alpha. Die Botenstoffe Interleukin 12 und 23 sind bei Psoriasis-Patienten in auffällig großer Menge zu finden. Da liegt es nahe, sie „herunterzuregeln“. Ähnlich ergeht es dem Interleukin 17. Den drei Tatbeteiligten geht es mit so genannten Biologics an den Kragen (siehe Abschnitt „Medikamente“).
Auch das Wachstumsproblem hat etwas mit Hyperaktivität zu tun: Wo Keratinozyten sonst 28 Tage von der Basalschicht bis zur Hornschicht der Haut brauchen, sausen die Zellen bei Schuppenflechte in vier Tagen an die Hautoberfläche. Bei dem Tempo können die Hautzellen nicht normal reifen und auch nicht verhornen. Auf der Oberfläche der Haut landen Hornzellen mit Kern. Bei Gesunden sind diese Zellen aber tote Hornzellen ohne Kern. Das Ergebnis ist eine Verhornungsstörung der Oberhaut – der Epidermis. Es kommt zu einer Hyperkeratose – die Hornschicht wird dicker. Schlussendlich ist die Epidermis bei einem Menschen mit Psoriasis drei- bis fünfmal dicker als normal. Das Zellwachstum ist aber nur der eine Teil der Hautkrankheit.
Am Ende mündet alles in einer Entzündung der Haut, zu sehen als Rötung.
Die Psoriasis ist auch eine Frage der Erbanlage. Dabei wird nicht direkt die Erkrankung vererbt, sondern „nur“ die Veranlagung dazu. Dann braucht es quasi einen Funken, der die Zündung auslöst – einen Auslöser.
Auslöser
Am Anfang sind wie bei jeder Krankheit die Auslöser. Wenn Du nicht so recht weißt, womit genau das Schlamassel bei Ihnen begann, ist das kein Wunder: Es gibt so viele Möglichkeiten. Bestimmte Medikamente gegen ganz andere Erkrankungen sind unter den möglichen „Schuldigen“ – beispielsweise Betablocker, Lithium oder das Antimalariamittel Chloroquin. Auch hormonelle Veränderungen können eine Schuppenflechte auslösen – sprich: eine Schwangerschaft, eine Geburt oder die Wechseljahre. Extremsituationen des Körpers wie ein heftiger Sonnenbrand sind ebenso Teil der langen Liste der Auslösefaktoren.
Um alles nicht gar zu einfach werden zu lassen, kommt in einem Leben doch aber ohnehin oft vieles zusammen: Ein Mensch kann in den Wechseljahren schon mal eine Streptokokken-Infektion haben, während er einen Sonnenbrand auskuriert.
Das Unterscheiden muss ein Mensch mit Schuppenflechte besonders gut können – Sie werden hier noch viele Unterschiede kennenlernen. Was die Auslöser der Hautkrankheit angeht, muss man sie jedenfalls von Triggerfaktoren unterscheiden. Der Auslöser ist das „Ding“, das eine Psoriasis überhaupt zum ersten Mal ausbrechen lässt. Ein Triggerfaktor dagegen ist das „Ding“, das eine Schuppenflechte später immer wieder schlimmer werden lässt. Sie mögen es kompliziert? Bitteschön: Die Triggerfaktoren sind oft die gleichen wie die Auslöser.
Einer Psoriasis generell kann man sicherlich nicht wirklich vorbeugen. Grundsätzlich sollte man gesund leben, was sowieso nie schadet. Dann sind einige Auslösefaktoren vielleicht minimiert. Doch Infektionen zum Beispiel überraschen einen selbst dann, wenn man sich akkurat immer die Hände wäscht.
Unterscheidung
Typ 1 oder Typ 2
Die Unterscheidung der Schuppenflechte nach Typ 1 und Typ 2 ist erst ein den letzten Jahren in Mode gekommen. Wer da an die Typen vom Diabetes denkt, liegt nicht ganz falsch: Auch bei der Schuppenflechte ist Typ 1 der „frühe“ und Typ 2 der „späte“ Typ. Grob gesagt, erkranken Patienten mit Psoriasis vom Typ 1 schon in Kindheit, Jugend oder als junger Erwachsener. Typ 2 tritt ab dem Rentenalter auf – also etwa um das 60. Lebensjahr,
Formen
Die häufigste Form der Hautkrankheit ist die Psoriasis vulgaris. Korrekt übersetzt heißt das nichts anderes als „gewöhnliche Schuppenflechte“.
Seltener ist die Psoriasis pustulosa. Dabei sind Pusteln das typische Merkmal. Sticht man sie auf, kommt eine Flüssigkeit heraus, die aber kein Eiter ist. Und hey: Natürlich weiß man als Patient, dass man sie nicht aufstechen sollte. Aber Neugier und manchmal Erleichterung überwiegen eben doch öfter.
Die Bezeichnung der Psoriasis palmoplantaris ist mehr eine „Ortsbeschreibung“ – es ist eine Psoriasis vulgaris mit Befall speziell an den Handflächen und Fußsohlen. Steht bei der Bezeichnung noch ein „pustulosa“ dazwischen – also Psoriasis pustulosa palmoplantaris –, handelt es sich um eine Schuppenflechte mit Pusteln, wiederum ganz konkret an Handflächen und Fußsohlen. Diese Pusteln sind mit einer Flüssigkeit gefüllt, die aber kein Eiter ist.
Kennzeichen einer Psoriasis guttata sind viele kleine Schuppenflechte-Stellen über den Körper verteilt. Eine Psoriasis punctata ist das gleiche, die Bezeichnung klingt aber irgendwie logischer: eine punktförmige Schuppenflechte eben.
Die Psoriasis inversa ist ziemlich knifflig: Dabei handelt es sich auch um eine Schuppenflechte, sie sitzt aber in Hautfalten – im so genannten intertriginösen Bereich. Weil dort Haut auf Haut schubbert, ist die Schuppung oft nicht (mehr) zu finden, denn die Schuppen sind schon aufgeweicht und abgelöst. Typische Orte sind Bauchfalten, der Bereich unter der Brust oder die Analfalte.
Bei einer Psoriasis generalisata hat der Betroffene eine Schuppenflechte von Kopf bist Fuß. Wenn die Krankheit so schwer ist, gehört der Patient für gewöhnlich so bald als möglich zu einem Arzt oder in eine Klinik, denn die Entzündung ist dann so stark, dass sie den ganzen Körper heftig belastet. Mit „Erythrodermie“ meint ein Arzt im Zusammenhang mit der Psoriasis übrigens meist diese Form, es ist eine Entzündung und Rötung der ganzen Haut.
Die Nagelpsoriasis ist eine Schuppenflechte mit einem Befall der Nägel. Vielleicht haben Sie dort schon einmal Flecken bemerkt, die aussehen, als wäre Öl ins Nagelbett gelaufen? Bingo – das sind Ölflecken oder Ölnägel, typische Anzeichen einer Nagelpsoriasis. Außerdem gibt es die so genannten Tüpfelnägel – Fingernägel oder Zehennägel mit klitzekleinen Kratern. Die Krümelnägel sind bei der Nagelpsoriasis sicherlich schon optisch das unschönste Merkmal, weil sie schnell gelblich und bröselnd werden. Das sieht schlecht aus und führt beim Anstoßen zu Schmerzen. Die meisten innerlichen Psoriasis-Therapien wirken sich positiv auf die Nagelveränderungen auf, nur brauchen sie ungleich viel länger, bis sie einen Erfolg zeigen. So ein Nagel wächst eben sehr viel langsamer als alles andere an der Haut.
Mit Psoriasis capitis ist eine Schuppenflechte auf dem Kopf, an der Kopfhaut gemeint. Manche Betroffene beklagen einen Haarausfall. Der tritt nach Meinung von Medizinern jedoch nur zeitweise auf. Bei oder nach Behandlung der Kopfpsoriasis geht er zurück.
» Mehr über die unterschiedlichen Formen der Psoriasis
Unterschied zu anderen Hautkrankheiten
Nicht immer ist gleich klar, ob jemand eine Schuppenflechte hat oder eine andere Hauterkrankung. Der Arzt muss dann fahnden und die so genannten Differentialdiagnosen im Kopf haben – also die Diagnosen, bei denen die Symptome der Schuppenflechte ähneln. Eine Akne mag der Psoriasis nicht sehr ähnlich sein, doch schon ein Ekzem ist nicht immer von der Schuppenflechte zu unterscheiden. Die Neurodermitis sitzt eher an den Innenseiten vom Ellenbogen oder der Knie, doch es gibt auch Mischformen – dann hat der Betroffene beide Hauterkrankungen. Das ist auch bei Pilzinfektionen der Fall: Zuweilen (selten) setzt sich ein Pilz auf eine Psoriasis-Stelle, was dem Arzt die Diagnose und der Haut die Abheilung schwer macht. Andere Kandidaten, die einem Hautarzt noch einfallen könnten, sind ein Kontaktekzem, eine Knötchenflechte (Lichen ruber planus) oder die Stachelflechte (Pityriasis rubra pilaris).
Therapie der Schuppenflechte
Neben der Behandlung mit Medikamenten gibt es einige Therapien, die anders ansetzen. Viele Patienten mit Psoriasis müssen mehrere Therapieoptionen ausprobieren, bevor sie die Psoriasis-Therapie finden, die ihnen am meisten hilft.
Grundlage jeder Therapie
Eine Psoriasis-Therapie kann nur wirken, wenn die Haut auch sonst Aufmerksamkeit bekommen, und zwar in Form einer „Basistherapie“. Das heißt: Die Hautpflege ist extrem wichtig. Sie sorgt im besten Falle dafür, dass schon mal Schuppen entfernt werden oder dass die Haut geschmeidig bleibt und nicht reißt. Viele Betroffene greifen dafür zu Cremes oder Lotionen mit Harnstoff (Urea), weil der für länger anhaltende Feuchtigkeit sorgt.
Physikalische Therapie
Seit vielen Jahren gibt es die Lichttherapie, auch Bestrahlung oder Phototherapie genannt. Sie hat aber nichts mit der Bestrahlung bei Krebs zu tun. Bei der Psoriasis werden verschiedene Formen der Lichttherapie verwendet. Für physikalisch Interessiertere: Die Rede ist meist von künstlichem Licht bestimmter Wellenlängen, das bei Schuppenflechte besser wirkt als das aus anderen Lichtspektren.
Lichttherapie (Bestrahlung)
- PUVA – Das ist die Kombination aus Psoralen oder Methoxsalen und UV-A-Licht, abgekürzt eben PUVA. Psoralen ist ein Wirkstoff, der zuerst auf die Haut aufgetragen oder als Tablette gegeben wird. Üblicher ist Ersteres. Sinn des Ganzen ist, die Haut lichtempfindlicher zu machen – damit das UV-A-Licht gut wirken kann.
- UV-B – Hier werden die Hauterscheinungen mit UV-B-Licht bestrahlt. Dabei kommt meist ein ganz bestimmtes UV-B-Licht zum Einsatz: Die Wellenlänge um die 311 Nanometern hat sich als am wirksamsten herausgestellt.
- Lasertherapie – Die Lasertherapie ist eigentlich nichts anderes als eine Therapie mit UV-B-Strahlen. Das Gerät dazu ist aber ein anderes: Eine Art „Laserpistole“, die das UVB-Licht eben nur auf eine kleine Psoriasis-Stelle „schießt“. Der Vorteil ist klar: Es werden nur kleine Stellen bestrahlt und nicht gleich der ganze Körper oder größere Stellen des Körpers. Das ist aber gleichzeitig der Nachteil: Die Behandlung von größeren Flächen würde ewig dauern, wenn man Punkt für Punkt mit der Ultraviolettstrahlung lasert.
- Balneophototherapie – Das „balneo“ deutet es an: Es geht um eine Badetherapie, das „photo“ zeigt den zweiten Teil: Hier wird gebadet und bestrahlt, mal gleichzeitig, mal nacheinander.
- Bestrahlung ohne UV – Das ist eine noch junge Behandlungsmöglichkeit. Hier geht es um „Blaulicht“.
Klimatherapie
Eine solche Therapie wird meist in Reha-Kliniken angewendet. Diese liegen dann oft an der Nord- oder Ostsee oder im Hochgebirge. Auch die Behandlung am Toten Meer ist eine Klimatherapie.
Medikamente
Die Schuppenflechte kann mit verschiedenen Medikamenten behandelt werden. Die Präparate werden vom Arzt verordnet, sind also rezeptpflichtig. Dabei werden äußerliche und innerliche Medikamente unterschieden. Ihre Wirksamkeit kann man leider nicht in eine Top-10-Liste fassen, weil sie bei Psoriatikern sehr unterschiedlich wirken und die Vorteile und Nachteile bei jedem einzelnen Betroffenen abgewogen werden müssen.
Äußerlich sind alle, die von außen auf die Haut aufgetragen werden – also Salben, Cremes, Gels, Shampoos usw. Ärzte reden an dieser Stelle dann über topische Therapien.
Innerlich sind alle Arzneimittel, die eingenommen oder gespritzt werden – also Tabletten, Injektionen oder Infusionen. Es sind systemische Therapien. Tabletten oder Kapseln werden auch als orale Arzneimittel bezeichnet, weil die Einnahme über den Mund geschieht. Diese systemische Behandlung kommt erst ab einem mittleren Schweregrad in Frage.
Wir nennen hier meist die Namen der Wirkstoffe. Die Namen der Präparate und Wissenswertes über ihre möglichen Nebenwirkungen finden sich in den weiteren, verlinkten Informationen.
Äußerliche Wirkstoffe
- Dithranol – wird auch Cignolin und seltener Anthralin genannt. Alle drei Bezeichnungen bedeuten das Gleiche. Diese Therapie gibt es in verschiedenen Formen. Eine davon ist die Minutentherapie, bei der das Dithranol nur wenige Minuten auf der Haut bleibt. Die Nebenwirkung, die am meisten stört, ist eine Braunfärbung von allem, was mit Dithranol in Berührung kommt. Dithranol hemmt das übertriebene Wachstum von Hautzellen.
- Calcipotriol, Tacalcitol und Calcitriol – Abkömmlinge von Vitamin D3. Unterdrückt die Produktion der Botenstoffe, die die Entzündung fördern. Regulieren die Funktion von Abwehrzellen.
- Kortikoide – auch Glukokortikoide, Kortison oder Cortison genannt. Dieser Wirkstoff wird bei der Psoriasis oft in einer Salbe, einer Creme oder in Schaum verwendet. Ziel von Kortison ist es, die Entzündung in den Griff zu bekommen.
- Teer – Salben, Cremes oder Shampoo mit Steinkohlenteer waren früher viel verbreiteter als heute. Dann kam die Angst vor Krebs. Manche Psoriatiker mögen sie dennoch bis heute.
- Tazaroten – ist ein Abkömmling von Vitamin A.
Innerliche Wirkstoffe
- Ciclosporin – unterdrückt das hyperaktive Immunsystem, schwächt Abwehr- und Entzündungsreaktionen ab
- Acitretin – aus der Gruppe der Retinoide. Ein Abkömmling von Vitamin A. Hemmt das übertriebene Zellwachstum, wirktentzündungshemmend.
- Deucravacitinib – heißt im Handel Sotyktu und ist eine Tabletten-Therapie.
- Fumaderm – Hier wirken vor allem Fumarsäureester, am meisten Dimethylfumarat. Sie nehmen sich Botenstoffe vor. In Skilarence ist nur noch besagtes Dimethylfumarat enthalten.
- Methotrexat oder kurz MTX – hemmt die Zellteilung.
- Kortikoide – mancher schreibt es auch Cortison oder Kortison, Ärzte nennen sie Glukokortikoide. Das ist innerlich – also als Tablette oder Kapsel – nicht mehr zeitgemäß, wird aber schon noch von einigen Ärzten praktiziert. Sie wollen damit vor allem die Entzündung im Körper bekämpfen.
- Apremilast – hindert Enzyme (konkret: Phosphodiesterasen 4) am Wirken. Dadurch steigt die Konzentration eines Enzyms, was dazu führt, dass weniger TNF-α freigesetzt wird, das wiederum als Antreiber von Entzündungen gilt.
- Adalimumab – ein Vertreter der so genannten Biologika. Bindet TNF-alpha, neutralisiert es.
- Etanercept – hindert TNF-alpha an der Arbeit. Das kann nicht mehr für Entzündungen sorgen.
- Infliximab – das einzige Psoriasis-Medikament, das es nur als Infusion gibt. Auch das schreitet bei TNF-alpha ein.
- Secukinumab – Der Handelsname lautet Cosentyx. Der Wirkstoff Secukinumab setzt sich ans Interleukin-17A an. Das kann dann nicht mehr mit dem „Empfänger“ für dieses Interleukin-17 „reden“. So wird verhindert, dass entzündungsfördernde Eiweiße, Botenstoffe und Proteine (andere Eiweiße) freigesetzt werden.
- Ustekinumab – ist gegen die Zytokine Interleukin-12 (IL-12) und Interleukin-23 (IL-23) gerichtet. Handelsname: Stelara
- Ixekizumab – heißt im Handel Taltz. Kümmert sich auch um Interleukin-17 und Unterarten davon.
- Brodalumab – in der Apotheke als Kyntheum. Auch ein Interleukin-17-Gegenspieler.
- Guselkumab – zugelassen als Tremfya. Nimmt sich auch des IL-17 an.
- Tildrakizumab – zugelassen als Ilumetri. Widmet sich IL-23.
Biologika
Vielleicht haben Sie ja vom Arzt schon den Begriff von Biologika oder Biologics gehört. So werden Medikamente genannt, die biotechnologisch hergestellt werden, also aus Zellen von Lebewesen. Gemeinsam ist den Substanzen: Sie alle werden gespritzt und sie alle haben mit Botenstoffen zu tun. In diese Gruppe gehören die oben genannten Wirkstoffe Adalimumab, Etanercept, Infliximab, Secukinumab, Ixekizumab, Brodalumab, Guselkumab und Ustekinumab.
Das Dumme ist: Der menschliche Körper ist nicht einfach gestrickt – er kann auch Antikörper gegen ein Medikament entwickeln, so dass er für den Wirkstoff nicht mehr so empfänglich ist.
„Alternative“ Verfahren
Therapieansätze aus Fernost werden auch im Bereich der Psoriasis immer beliebter. Die Traditionelle chinesische Medizin und ayurvedische Anwendungen sind nur zwei davon.
Die Homöopathie macht auch um die Schuppenflechte keinen Bogen. Ob man sie ausprobieren möchte, ist wohl eher eine Glaubensfrage. Wer damit eine Linderung hinbekommt, kann sich glücklich schätzen. Wenn die Entzündung allerdings zu stark ist, zu hartnäckig, sollte sicherlich Hilfe bei Therapieformen der so genannten Schulmedizin gesucht werden, denn die Entzündung nimmt den Körper dann schon ganz schön in Anspruch. Begleitend oder später kann jeder immer noch mit der Homöopathie weitere Versuche unternehmen.
Psyche
Der Satz „Das kommt alles von der Psyche“ ist genauso zu kurz gedacht wie die Verneinung. Manche Betroffene merken, dass ihre Schuppenflechte besser wird, wenn sie psychische Belastungen vermeiden oder bearbeiten. Andere wieder können Stress bis zum Anschlag haben – ihre Schuppenflechte ist davon nicht beeindruckt. Depressionen oder Alkoholmissbrauch sind ein bisschen ein Henne-Ei-Problem: Die Schuppenflechte lässt einige Psoriatiker so verzweifelt sein, dass ihr Alkoholkonsum die Grenze zum Schädlichen übersteigt. Andersherum kann der Alkohol die Schuppenflechte immer wieder verschlechtern.
Seit einigen Jahren wird der Lebensqualität von kranken Menschen immer mehr Aufmerksamkeit geschenkt. Dass bei Psoriasis die Psyche leidet, leuchtet sicherlich jedem ein: den Juckreiz und das Aussehen haben wir ja schon weiter oben angesprochen.
Ernährung bei Schuppenflechte
Die Bedeutung der Ernährung und ein Zusammenhang mit der Schuppenflechte wurde lange eindeutig verneint. Seitdem sich Forscher öfter um das Mikrobiom und den Darm kümmern, wird das klare „Nein“ langsam zu einem „Das muss man differenzierter sehen“.
Zum einen werden Lebensmittel genannt, die Entzündungen weniger fördern als andere. So können Psoriasis-Patienten darauf achten, dass Lebensmittel wenig Arachidonsäure enthalten, denn diese Säure regt die Produktion von entzündungsfördernden Faktoren an. Auch scharfe Gewürze, Zitrusfrüchte oder Schnäpse können die Hauterkrankung verschlechtern oder den Juckreiz verstärken. Hier muss jeder seine eigene „Hitliste der bösen Lebensmittel“ zusammenstellen, weil es keine alpgemeingültige Regel gibt.
Zum anderen wird klarer, dass Übergewicht bei Autoimmunerkrankungen im Allgemeinen und auch bei Psoriasis im Besonderen schädlich ist. Wer abnimmt, steigert damit die Chance, dass Behandlung besser wirken. Und: Eine Psoriasis arthritis dankt es jedem, wenn die Gelenke von weniger Pfunden belastet werden.
Psoriasis arthritis
Hinter Gelenkschmerzen kann eine Psoriasis arthritis stecken. Diese Erkrankung wird manchmal auch als Arthropathica psoriasis oder Psoriasis arthropathica bezeichnet. Die Abkürzung dazu lautet PsA. Sind jüngere Menschen von der Psoriasis Arthritis betroffen, spricht man von juveniler Psoriasis Arthritis.
Auf jeden Fall ist es eine Gelenkentzündung. Ihre Symptome ähneln dem Rheuma – also der rheumatoiden Arthritis.
Wer seine Gelenkbeschwerden abklären lassen will, geht am besten zum Rheumatologen. Dort sollte jeder Psoriatiker unbedingt seine Hauterkrankung erwähnen, denn der Zusammenhang ist dann klarer. Der Rheumatologe kann mit Untersuchungen wie mit einem MRT andere Erkrankungen der Gelenke ausschließen. Eine ultimative Methode zum Feststellen der Diagnose Psoriasis Arthritis gibt es jedoch leider nicht. Auch der Faktor HLA B27 im Blut taugt nicht als „Beweis“: Er zeigt eher eine Rheumatoide Arthritis an.
Klar ist: Sind die Gelenke betroffen, ist ein Arztbesuch noch dringender als bei der Schuppenflechte an der Haut. Der Grund: Bei Psoriasis Arthritis drohen die Gelenke zerstört zu werden. Je eher behandelt wird, um so besser lässt sich das aufhalten.
Begleiterkrankungen
Vor allem diejenigen, die ihre Schuppenflechte unbehandelt lassen, gehen damit ein Risiko ein: Begleiterkrankungen können die Folge der ständigen und nicht behandelten Entzündung sein. Aber auch andere Autoimmunerkrankungen treten bei Psoriasis häufiger auf als bei anderen Leuten auf. Beispiele sind Morbus Crohn, Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Depressionen oder Süchte.
Expertenrat außerhalb eines Arzt-Sprechzimmers können sich Betroffene ab und an bei Telefonaktionen von Zeitung, Funk und Fernsehen holen. Wir bieten im Psoriasis-Netz drei- bis viermal im Jahr ein Expertenforum an, in dem meist ein Mediziner viele Fragen beantwortet. Wir weisen zudem auf allerlei Termine hin, bei denen der Psoriatiker einiges Wissen tanken kann.
Selbsthilfe
Wer schauen will, was er über all das hinaus für sich tun kann, sollte unbedingt den Besuch einer Selbsthilfegruppe in Betracht ziehen. Selbsthilfe hat längst nichts mehr mit dem jammernden Stuhlkreis zu tun. Regionalgruppen oder Ansprechpartner sind beim Deutschen Psoriasis-Bund e.V., der Selbsthilfegemeinschaft Haut oder der Psoriasis Selbsthilfe Arbeitsgemeinschaft e.V. zu finden. Manche Gruppen favorisieren eine Mitgliedschaft, anderen ist das nicht so wichtig. Der Deutsche Psoriasis-Bund hat einen Beirat, in dem Mediziner ihre Meinung sagen. Wir verstehen unser Forum übrigens auch als Selbsthilfe.
Wenn du jetzt noch weiterlesen willst
Unser hier aufgeschriebenes Wissen halten wir aktuell, indem wir viele Veranstaltungen besuchen – Kongresse, Vorträge und andere Gelegenheiten.
Außerdem gibt es Internetseiten und Bücher in denen jeder ab und an seine Informationen auffrischen sollte.
Das wären zum Beispiel:
- Informationen auf gesundheitsinformation.de
- Informationen beim Ärztliches Zentrum für Qualität in der Medizin
- ein Buch: Schuppenflechte: Was Sie schon immer über Psoriasis wissen wollten von U. Mrowietz und G. Schmid-Ott
- Psoriasis – Diagnostisches und therapeutisches Management (Herausgeber: Peter Elsner und Johannes Norgauer)
- Beratungspraxis Psoriasis von Ines Winterhagen
- Psoriasis von Enno Christophers, Ulrich Mrowietz, Wolfram Sterry (Hrsg.)
- In unserer Fotogalerie siehst du Bilder von Schuppenflechte.
- Ursachen findest du in unserer Liste der Auslöser von Schuppenflechte.
- Wir haben auch aufgeschrieben, was hilft und wie du die Schuppenflechte behandeln kannst.
- Es gibt gegen die Schuppenflechte auch einige Hausmittel.
- Für Fortgeschrittene geeignet ist die medizinische Leitlinie – eine Art grober Fahrplan, womit die Schuppenflechte wann behandelt werden kann oder sollte.
Von der Klinik für Dermatologie am UniversitätsSpital Zürich gibt es eine Broschüre als schnörkellose, kurze Einführung in das Krankheitsbild und die Therapien. Sie ist gut geeignet als erste Übersichts-Information für neu Betroffene.
ICD-10 für Psoriasis
Der ICD-10-Code für die Schuppenflechte lautet L40. Die Spezifizierungen sind:
ICD-Code | Diagnose |
L40.0 | Psoriasis vulgaris |
L40.1 | Generalisierte Psoriasis pustulosa |
L40.2 | Akrodermatitis continua suppurativa (Morbus Hallopeau) |
L40.3 | Psoriasis pustulosa palmoplantaris |
L40.4 | Psoriasis guttata |
L40.8 | Sonstige Psoriasis, zum Beispiel Psoriasis inversa |
L40.9 | Psoriasis, nicht näher bezeichnet |
L40.70! steht zusätzlich für eine mittelschwere bis schwere Form der Psoriasis.
Quellen:
- „Psoriasis auf einen Blick“ von Enno Christophers, Ulrich Mrowietz, Wolfram Sterry u.a.
- „Beratungspraxis Psoriasis“ von Ines Winterhagen
- „Psoriasis – Diagnostisches und therapeutisches Management„, herausgegeben von Peter Elsner und Johannes Norgauer
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