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Lieblingsgedichte!


Gast kaschek

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Geschrieben (bearbeitet)

Kleines Liebeslied - Mascha Kaleko-

Weil deine Augen so voll Trauer sind,

Und deine Stirn so schwer ist von Gedanken,

Laß mich dich trösten, so wie man ein Kind

In Schlaf einsingt, wenn letzte Sterne sanken.

Die Sonne ruf ich an, das Meer, den Wind,

Dir ihren hellsten Sommertag zu schenken,

Den schönsten Traum auf dich herabzusenken,

Weil deine Nächte so voll Wolken sind.

Und wenn dein Mund ein neues Lied beginnt,

Dann will ichs Meer und Wind und Sonne danken,

Weil deine Augen so voll Trauer sind,

Und deine Stirn so schwer ist von Gedanken...

bearbeitet von Matjes
Schreibfehler

Erfahrungen austauschen über das Leben mit Schuppenflechte und Psoriasis arthritis

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Geschrieben

Irgendwann hatte ich es schon einmal geschrieben, finde es nur einfach so schön, daher stelle ich es nochmal hier ein. Es hat mich sehr berührt zu einer Zeit, als meine große Tochter ausgezogen ist und ich sie so schweren Herzens gehen lassen musste.

Vorübergehend

Zu Beginn schien es mir

als würden wir mindestens

ein halbes Leben lang

gemeinsam durch den Tag gehen.

Heute scheint es mir

es sei gestern gewesen,

als in mir dieser Gedanke wuchs,

das doch so des Menschen Leben ist!

Heute schaue ich hoch auf zu dir

und bin erfreut,

dich vorübergehend - für eine Weile

in meiner Nähe zu genießen.

Zu schnell ging diese Zeit vorüber.

Mit forschem Schritt strebst du nun

deinem eigenen Weg entgegen - unaufhaltsam

Dein Tempo zeigt mir deutlich auf:

Dies ist nicht mehr mein Pulschlag

Ich muß vorübergehend ruhiger treten,

um deinen Schritten folgen zu können,

sie zu verstehen - Verständnis zu zeigen.

Gradlinig und mit starkem Willen

bestimmst du selbst dein Lebensziel.

Es fällt mir schwer, ich kann nicht glauben:

Soll diese kurze Zeit

ein halbes Leben schon gewesen sein?

Es gleicht fast einer Episode,

einem Bruchteil in der langen Kette

von Ereignissen dieser Zeit deiner Kindheit,

die nun vorübergeht.

Geschrieben

Noch'n Gedicht

ottos mops trotzt

otto: fort mops fort

ottos mops hopst fort

otto: soso

otto holt koks

otto holt obst

otto horcht

otto: mops mops

otto hofft

ottos mops klopft

otto: komm mops komm

ottos mops kommt

ottos mops kotzt

otto: ogottogott

Ernst Jandl. Östereich

Geschrieben
Sachliche Romanze - Erich Kästner

Als sie einander acht Jahre kannten

(und man darf sagen: sie kannten sich gut),

kam ihre Liebe plötzlich abhanden.

Wie andern Leuten ein Stock oder Hut.

Sie waren traurig, betrugen sich heiter,

versuchten Küsse, als ob nichts sei,

und sahen sich an und wußten nicht weiter.

Da weinte sie schließlich. Und er stand dabei.

Vom Fenster aus konnte man Schiffen winken.

Er sagte, es wäre schon Viertel nach Vier

und Zeit, irgendwo Kaffee zu trinken.

Nebenan übte ein Mensch Klavier.

Sie gingen ins kleinste Cafe am Ort

und rührten in ihren Tassen.

Am Abend saßen sie immer noch dort.

Sie saßen allein, und sie sprachen kein Wort

und konnten es einfach nicht fassen.

Hallo allerseits, tolle Idee mit den Gedichten!!

Die "sachliche Romanze" ist übrigens von Hermann van Veen auf eine wunderschöne Weise vertont worden! Wer das Gedicht mag, sollte mal reinhören...

Gruß tamma

Geschrieben

Hab' natürlich auch ein Lieblingsgedicht!

Die "Stufen" von Hermann Hesse begleiten mich seit Jahren.

Stufen

Wie jede Blüte welkt und jede Jugend

Dem Alter weicht, blüht jede Lebensstufe,

Blüht jede Weisheit auch und jede Tugend

Zu ihrer Zeit und darf nicht ewig dauern.

Es muß das Herz bei jedem Lebensrufe

Bereit zum Abschied sein und Neubeginne,

Um sich in Tapferkeit und ohne Trauer

In andre, neue Bindungen zu geben.

Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne,

Der uns beschützt und der uns hilft, zu leben.

Wir sollen heiter Raum um Raum durchschreiten,

An keinem wie an einer Heimat hängen,

Der Weltgeist will nicht fesseln uns und engen,

Er will uns Stuf' um Stufe heben, weiten.

Kaum sind wir heimisch einem Lebenskreise

und traulich eingewohnt, so droht Erschlaffen,

Nur wer bereit zu Aufbruch ist und Reise,

Mag lähmender Gewöhnung sich entraffen.

Es wird vielleicht auch noch die Todesstunde

Uns neuen Räumen jung entgegensenden,

Des Lebens Ruf an uns wird niemals enden...

Wohl an denn, Herz, nimm Abschied und gesunde!

Hermann Hesse 4.5.1941

Liebe Grüße

Tamma

Geschrieben

Hab' auch noch eins...

Der Berg

Hätte man sämtliche Berge der ganzen Welt

zusammengetragen und übereinandergestellt,

und wäre zu Füßen dieses Massivs

ein riesiges Meer, ein breites und tief's,

und stürzte dann unter Donnern und Blitzen

der Berg in dieses Meer -

- na, das würd' spritzen

(Heinz Erhard)

und weil's so schön war...

An einen Pessimisten

Jede Sorge, Freund, vermeide,

jedes Weh sollst du verachten.

Sieh die Lämmer auf der Weide:

sie sind fröhlich vor dem Schlachten.

Ahnst du nicht, wie dumm es wär,

wären sie's erst hinterher?

(Heinz Erhard)

lg Tamma

Geschrieben

Und noch eins von Mascha Kaleko

" Kein Neutöner"

Ich singe, wie der Vogel singt

Beziehungsweise sänge,

Lebt er , wie ich, vom Lärm umringt,

Ein Fremder in der Menge.

Gehöre keiner Schule an

Und keiner neuen Richtung,

Bin nur ein armer Großstadtspatz

Im Wald der deutschen Dichtung.

Weiß Gott, ich bin ganz unmodern.

Ich schäme mich zuschanden:

Zwar liest man meine Verse gern

Doch werden sie - verstanden.

Geschrieben

Lyrisches Intermezzo -Heinrich Heine-

Im wunderschönen Monat Mai,

als alle Knospen sprangen,

Da ist in meinem Herzen

Die Liebe aufgegangen.

Im wunderschönen Monat Mai,

Als alle Vögel sangen,

Da hab ich ihr gestanden

mein Sehnen und Verlangen.

Geschrieben

Lob des Frühlings - Ludwig Uhland-

Saatengrün, Veilchenduft,

Lerchenwirbel, Amselschlag,

Sonnenregen, linde Luft!

Wenn ich solche Worte singe,

braucht es dann noch große Dinge,

Dich zu preisen, Frühlingstag!

Geschrieben

Der verarmte Feinschmecker

2. Trauriges Loos

Die Trüffel reift in Frankreichs Gauen

Verborgen in der Erde Schooss,

Allein für mich, auf märk'schen Auen

Wächst die Kartoffelknolle bloss.

Es glänzt verlockend in der Sonne

Böhmens Fasan mit hellem Schein...

Für mich blinkt in des Krämers Tonne

Ein Hering mager nur und klein.

H. Seidel

Geschrieben

Das mache ich gerne mit meinen Vorschulkindern:

Boah, was sind die stolz wie Bolle, wenn se das können und was bin ich stolz, wenn se das auch richtig anwenden :)

Ich bin ich

und du bist du

wenn ich rede hörst du zu

wenn du redest bin ich still,

weil ich dich verstehen will :D

Die schönen Dinge fangen meist ganz klein an :)

Geschrieben

Hier eins von Hermann Hesse.

Alle Bücher dieser Welt,

Bringen dir kein Glück,

Doch sie weisen dich geheim

In dich selbst zurück.

Dort ist alles, was du brauchst,

Sonne, Stern und Mond,

Denn das Licht, wonach du frugst,

In dir selber wohnt.

Weisheit, die du lang gesucht

In den Bücherein,

Leuchtet jetzt aus jedem Blatt -

Denn nun ist sie dein.

Geschrieben

Freunde, die wir nie erlebten

Ihr, die nie ich sah,

Nimmer menschlich sehe,

Seid mir nun so nah,

Wenn ich einsam gehe.

Was ich weiß, nicht wußte

Über euch, hab ich's versäumt?

Ich's verfehlt? -

Oder mußte

Fern vergehn, was ich erträumt? -

Schenkte Gott die Kunst, das Wort

Ferner, Toter nachzulesen.

Ach wie heiß mich das beschlich:

Dann und dann und da und dort

Ist ein Herz wie meins gewesen,

Still für sich.

Tröstliches Gefühl: Es dächte

Später wer so über mich. -

Keine aller Erdenmächte,

Wär sie noch so übermütig,

Kann uns trennen,

Die wir Gleiche sind zu nennen.

Denn wir waren nie gesellt,

Weil der Gott uns weise, gütig

Fern vonander aufgestellt,

Wissend um die Welt.

Ringelnatz

Geschrieben

Paul Celan

Die Todesfuge

Schwarze Milch der Frühe wir trinken sie abends

wir trinken sie mittags und morgens wir trinken sie nachts

wir trinken und trinken

wir schaufeln ein Grab in den Lüften da liegt man nicht eng

Ein Mann wohnt im Haus der spielt mit den Schlangen der schreibt

der schreibt wenn es dunkelt nach Deutschland dein goldenes Haar Margarete

er schreibt es und tritt vor das Haus und es blitzen die Sterne er pfeift seine Rüden herbei

er pfeift seine Juden hervor lässt schaufeln ein Grab in der Erde

er befiehlt uns spielt auf nun zum Tanz

Schwarze Milch der Frühe wir trinken dich nachts

wir trinken dich morgens und mittags wir trinken dich abends

wir trinken und trinken

Ein Mann wohnt im Haus der spielt mit den Schlangen der schreibt

der schreibt wenn es dunkelt nach Deutschland dein goldenes Haar Margarete

Dein aschenes Haar Sulamith wir schaufeln ein Grab in den Lüften da liegt man nicht eng

Er ruft stecht tiefer ins Erdreich ihr einen ihr andern singet und spielt

er greift nach dem Eisen im Gurt er schwingts seine Augen sind blau

stecht tiefer die Spaten ihr einen ihr andern spielt weiter zum Tanz auf

Schwarze Milch der Frühe wir trinken dich nachts

wir trinken dich mittags und morgens wir trinken dich abends

wir trinken und trinken

ein Mann wohnt im Haus dein goldenes Haar Margarete

dein aschenes Haar Sulamith er spielt mit den Schlangen

Er ruft spielt süßer den Tod der Tod ist ein Meister aus Deutschland

er ruft streicht dunkler die Geigen dann steigt ihr als Rauch in die Luft

dann habt ihr ein Grab in den Wolken da liegt man nicht eng

Schwarze Milch der Frühe wir trinken dich nachts

wir trinken dich mittags der Tod ist ein Meister aus Deutschland

wir trinken dich abends und morgens wir trinken und trinken

der Tod ist ein Meister aus Deutschland sein Auge ist blau

er trifft dich mit bleierner Kugel er trifft dich genau

ein Mann wohnt im Haus dein goldenes Haar Margarete

er hetzt seine Rüden auf uns er schenkt uns ein Grab in der Luft

er spielt mit den Schlangen und träumet der Tod ist ein Meister aus Deutschland

dein goldenes Haar Margarete

dein aschenes Haar Sulamith

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