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Gast kaschek

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Geschrieben

Der Rabe Ralf

Der Rabe Ralf

will will hu hu

dem niemand half

still still du du

half sich allein

am Rabenstein

Will will still still

hu hu

Die Nebelfrau

will will hu hu

nimmt's nicht genau

still still du du

sie sagt nimm nimm

's ist nicht so schlimm

will will still still

hu hu

[ATTACH]6726[/ATTACH]

Doch als ein Jahr

will will hu hu

vergangen war

still still du du

da lag im Rot

der Rabe tot

will will still still

du du

Christian Morgenstern

Erfahrungen austauschen über das Leben mit Schuppenflechte und Psoriasis arthritis

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Geschrieben

Das folgende Gedicht ist aus den Galgenliedern. Lt. einem Nachwort von Chr. Morgenstern eine "phonetische Rhapsodie".

Das grosse LALULÀ

Kroklokwafzi? Semememi!

Seiokrontro - prafriplo:

Bifzi, bafzi; hulalemi:

quasti basti bo...

Lalu, lalu lalu lalu la!

Hontraruru miromente

zasku zes rü rü?

Entepente, leiolente

klekwapufzi lü?

Lalu lalu lalu lalu la!

Simarar kos malzipempu

silzuzankunkrei (;)!

Marjomar dos: Quempu Lempu

Siri Suri Sei []!

Lalu lalu lalu lalu la!

Christian Morgenstern

Wer einen Tippfehler findet, darf ihn behalten;).

Geschrieben

Johann Wolfang von Goethe

Aus: Faust I

Der Osterspaziergang

Vom Eise befreit sind Strom und Bäche,

Durch des Frühlings holden, belebenden Blick;

Im Tale grünet Hoffnungs-Glück;

Der alte Winter, in seiner Schwäche,

Zog sich in raue Berge zurück.

Von dort her sendet er, fliehend, nur

Ohnmächtige Schauer körnigen Eises

In Streifen über die grünende Flur,

Aber die Sonne duldet kein Weißes,

Überall regt sich Bildung und Streben

Alles will sie mit Farben beleben;

Doch an Blumen fehlt`s im Revier,

Sie nimmt geputzte Menschen dafür.

Kehre dich um von diesen Höhen

Nach der Stadt zurück zu sehen.

Aus dem hohlen finstren Tor

Dringt ein buntes Gewimmel hervor.

Jeder sonnt sich heute so gern.

Sie feiern die Auferstehung des Herrn,

Denn sie sind selber auferstanden,

Aus Handwerks- und Gewerbes-Banden

Aus niedriger Häuser dumpfen Gemächern,

Aus dem Druck von Giebeln und Dächern,

Aus der Straßen quetschender Enge,

Aus der Kirchen ehrwürdiger Nacht

Sind sie alle ans Licht gebracht.

Sieh nur sieh! wie behend sich die Menge

Durch die Gärten und Felder zerschlägt,

Wie der Fluss, in Breit` und Länge,

So manchen lustigen Nachen bewegt,

Und, bis zum Sinken überladen,

Entfernt sich dieser letzte Kahn.

Selbst von des Berges fernen Pfaden,

Blinken uns farbige Kleider an.

Ich höre schon des Dorfes Getümmel,

Hier ist des Volkes wahrer Himmel,

Zufrieden jauchzet Groß und Klein:

Hier bin ich Mensch, hier darf ich´s sein.

Geschrieben

Verena Richter

Eine kleine Schuppenflechte

Eine kleine Schuppenflechte,

einst bis in die Puppen zechte.

Voll geladen sie da wankte,

sich in ihrem Kleid verhangte.

Sie stürzte plump der Länge hin,

`ne Schuppe sich am Tisch verfing,

der Tisch fiel um mitsamt Gedeck,

der Stuhl dazu, vor lauter Schreck.

Am Boden lag sodann verteilt,

kleiner Flechtens Schuppenkleid.

Im Abendessen schwammen munter

Borken, kopfüber und kopfunter.

Die Flechte, nunmehr pudelnackt,

schamesrot zusammensackt,

und fleht, die Hände an ihr Herz gedrückt:

»Liebe Schuppen kommt zurück.«

Da Schuppen ohne Hörorgan,

jene Worte fruchtlos warn‘.

Bereit zum Tod ob all der Gram,

ein Fisch herbeigegrundelt kam.

Forelle blau, doch nicht betrunken

war er mit vom Tisch gesunken.

Mit Grünzeug statt den Eingeweiden

mußte er vom Leben scheiden.

Die Flechte jedoch Hoffnung schöpfte,

den Fisch um seine Schuppen schröpfte,

das Horn sich an den Körper klebteund fortan glücklich weiterlebte.

Geschrieben

Christian Morgenstern:

[ATTACH]6744[/ATTACH]

(Zitat: Fische sind "stumm", man kann also auch ihren "Gesang" nicht anders als durch stumme Zeichen ausdrücken.)

[ATTACH]6745[/ATTACH]

Geschrieben

Aber es bleibt auf dem alten Fleck

"Wie konnt' ich das tun, wie konnt' ich das sagen"-

So hört man nicht auf, sich anzuklagen,

Bei jeder Dummheit, bei jedem Verlieren

Heißt es: "Das soll dir nicht wieder passieren."

Irrtum! Heut traf es bloß Kunzen und Hinzen,

Morgen trifft es schon ganze Provinzen,

Am dritten Tag ganze Konfessionen,

Oder die "Rassen, die zwischen uns wohnen",

Immer kriegt man einen Schreck,

Aber es bleibt auf dem alten Fleck.

Theodor Fontane

Geschrieben

Einfach scheußlich dieses Gedicht! ;)

Anette von Droste-Hülshoff:

Der Knabe im Moor

Oh schaurig ists übers Moor zu gehn,

Wenn es wimmelt vom Heiderauche,

Sich wie Phantome die Dünste drehn

Und die Ranke häkelt am Strauche,

Unter jedem Tritte ein Quellchen springt,

Wenn aus der Spalte es zischt und singt,

O schaurig ists übers Moor zu gehn,

Wenn das Röhricht knistert im Hauche!

Fest hält die Fibel das zitternde Kind

Und rennt, als ob mann es jage;

Hohl über die Fläche sauset der Wind -

Was raschelt drüben am Hage?

Das ist der gespenstische Gräberknecht,

Der dem Meister die besten Torfe verzecht;

Hu, hu, es bricht wie ein irres Rind!

Hinducket das Knäblein zage.

Vom Ufer starret Gestumpf hervor,

Unheimlich nicket die Föhre,

Der Knabe rennt, gespannt das Ohr,

Durch Riesenhalme wie Speere;

Und wie es rieselt und knittert darin!

Das ist die unselige Spinnerin,

Das ist die gebannte Spinnlenor´,

Die den Haspel dreht im Geröhre!

Voran, voran! nur immer im Lauf,

Voran, als woll es ihn holen!

Vor seinem Fuße brodelt es auf,

Es pfeift ihm unter den Sohlen

Wie eine gespenstische Melodei;

Das ist der Geigemann ungetreu,

Das ist der diebische Fiedler Kanuf,

Der den Hochzeitheller gestohlen!

Da birst das Moor, ein Seufzer geht

Hervor aus der klaffenden Höhle;

Weh, weh, da ruft die verdammte Margret:

"Ho, ho, meine arme Seele!"

Der Knabe springt wie ein wundes Reh;

Wär nicht Schutzengel in seiner Näh,

Seine bleichenden Knöchelchen fände spät

Ein Gräber im Moorgeschwele.

Da mählich gründet der Boden sich,

Und drüben, neben der Weide,

Die Lampe flimmert so heimatlich,

Der Knabe steht an der Scheide.

Tief atmet er auf, zum Moor zurück

Noch immer wirft er den scheuen Blick:

Ja, im Geröhre wars fürchterlich,

O schaurig wars in der Heide!

Geschrieben (bearbeitet)

Hallo Manuela!

"Der Knabe im Moor", wer von uns kennt dieses Gedicht nicht. Es erinnert mich immer an einen Roman von Frank Thiess - "Johanne und Esther" (auch später als "Gäa" erschienen). Die Geschichte spielt am Steinhuder Meer, auch da passiert etwas im Moor. Habe den Roman schon 3x gelesen, nicht schlecht.

bearbeitet von Amadis
Geschrieben
Hallo Manuela!

"Der Knabe im Moor", wer von uns kennt dieses Gedicht nicht. Es erinnert mich immer an einen Roman von Frank Thiess - "Johanne und Esther" (auch später als "Gäa" erschienen). Die Geschichte spielt am Steinhuder Meer, auch da passiert etwas im Moor. Habe es schon 3x gelesen, nicht schlecht.

Schlecht nicht, lieber Reinhard, nur so gruselig. Morgen, wenn ich mit dem Hund im Moor spazieren gehen, denke ich bestímmt daran! ;)

Geschrieben

Dann nehmen wir doch noch etwas aus den "Galgenliedern" von Christian Morgenstern:

Das Mondschaf

Das Mondschaf steht auf weiter Flur.

Es harrt und harrt der großen Schur.

Das Mondschaf.

Das Mondschaf rupft sich einen Halm

und geht dann heim auf seine Alm.

Das Mondschaf.

Das Mondschaf spricht zu sich im Traum:

"Ich bin des Weltalls dunkler Raum."

Das Mondschaf.

Das Mondschaf liegt am Morgen tot.

Sein Leib ist weiß, die Sonn' ist rot.

Das Mondschaf.

Geschrieben

Der Mond ist aufgegangen,

Die goldnen Sternlein prangen

Am Himmel hell und klar;

Der Wald steht schwarz und schweiget,

Und aus den Wiesen steiget

Der weiße Nebel wunderbar.

Wie ist die Welt so stille,

Und in der Dämmrung Hülle

So traulich und so hold!

Als eine stille Kammer,

Wo ihr des Tages Jammer

Verschlafen und vergessen sollt.

Seht ihr den Mond dort stehen?

Er ist nur halb zu sehen,

Und ist doch rund und schön!

So sind wohl manche Sachen,

Die wir getrost belachen,

Weil unsre Augen sie nicht sehn.

Wir stolze Menschenkinder

Sind eitel arme Sünder

Und wissen gar nicht viel;

Wir spinnen Luftgespinste

Und suchen viele Künste

Und kommen weiter von dem Ziel.

Gott, laß uns dein Heil schauen,

Auf nichts Vergänglichs trauen,

Nicht Eitelkeit uns freun!

Laß uns einfältig werden

Und vor dir hier auf Erden

Wie Kinder fromm und fröhlich sein!

Wollst endlich sonder Grämen

Aus dieser Welt uns nehmen

Durch einen sanften Tod!

Und, wenn du uns genommen,

Laß uns in Himmel kommen,

Du unser Herr und unser Gott!

So legt euch denn, ihr Brüder,

In Gottes Namen nieder;

Kalt ist der Abendhauch.

Verschon uns, Gott! mit Strafen,

Und laß uns ruhig schlafen!

Und unsern kranken Nachbar auch!

Geschrieben

Eine Ode von Horaz

Frage nicht (denn Wissen ist ein Frevel), welches Ende die Götter mir, welches sie dir, Leukonoe, zugedacht haben, und laß die Finger von babylonischer Astrologie! Wie viel besser doch, was immer sein mag, zu ertragen! Ob Jupiter noch viele Winter uns zugeteilt hat oder den letzten, der jetzt an entgegenstehenden Klippen des Tyrrhenische Meer bricht - lebe mit Verstand, kläre den Wein und beschränke ferne Hoffnung auf kurze Dauer! Noch während wir reden, ist die missgünstige Zeit schon entflohen:

Nutze den Tag, und glaube so wenig wie möglich an den nächsten!

(Carpe diem, quam minimum credula postero.)

Geschrieben

Kuss

Auf die Hände küsst die Achtung,

Freundschaft auf die offne Stirne,

Auf die Wange Wohlgefallen,

Selge Liebe auf den Mund;

Aufs geschlossne Aug die Sehnsucht,

In die hohle Hand Verlangen,

Arm und Nacken die Begierde,

Überall sonst hin Raserei.

(Franz Grillparzer, 1791-1872)

Geschrieben

Galgenbruders Frühlingslied

Es lenzet auch auf unserm Spahn,

o selige Epoche!

Ein Hälmlein will zum Lichte nahn

aus einem Astwurmloche.

Es schaukelt bald im Winde hin

und schaukelt bald drin her.

Mir ist beinah, ich wäre wer,

der ich doch nicht mehr bin...

Christian Morgenstern

Geschrieben

Bin gerade alle Gedicht durchgegangen - welch ein Vergnügen!

Habe jetzt ein kleines Reclam-Buch mit Gedichten von Heinrich Heine vor mir liegen. Dieses Büchlein hat mir einmal einen verregneten Urlaub auf Kreta versüßt. Daraus die folgende Fabel:

Aus der Zopfzeit

Zu Kassel waren zwei Ratten,

Die nichts zu essen hatten.

Sie sahen sich lange hungrig an;

Die eine Ratte zu wispern begann:

Ich weiß einen Topf mit Hirsebrei

Doch leider steht eine Schildwach dabei;

Sie trägt kurfürstliche Uniform,

Und hat einen Zopf der ist enorm;

Die Flint ist geladen mit Schrot,

Und wer sich naht, den schießt sie tot.

Die andere Ratte knistert

Mit ihren Zähnen und wispert;

Des Kurfürsten Durchlaucht sind gescheit,

Er liebt die gute alte Zeit;

Die Zeit der alten Chatten,

Die lange Zöpfe hatten.

Durch ihre Zöpfe die Chatten

Wetteiferten mit den Ratten.

Der Zopf ist aber das Sinnbild nur

Des Schwanzes, den uns verlieh die Natur;

Wir auserwählten Geschöpfe,

Wir haben natürliche Zöpfe.

O Kurfürst, liebst du die Chatten,

So liebst du auch die Ratten;

Gewiß für uns dein Herze klopft,

Da wir schon von der Natur bezopft.

O gib, du edler Philozopf,

O gib uns frei den Hirsetopf,

O gib uns frei den Topf mit Brei,

Und löse ab die Schildwach dabei.

Für solche Huld, für solchen Brei,

Wir wollen dir dienen mit Lieb und Treu.

Und stirbst du einst, auf deinem Grab

Wir schneiden uns traurig die Schwänze ab,

Und flechten sie um dein Haupt als Kranz;

Dein Lorbeer sei ein Rattenschwanz!

[ATTACH]6763[/ATTACH]

Geschrieben

Die Verdammte

Blutlose Hände berühren den Flügel

Langsam - kein Schwung, keine Glut.

Klage erklingt, doch dein Mund bleibt versiegelt.

Wer nur brach so deinen Mut?

Wer nur, du armes Geschöpf hier am Flügel?

Der ist's! Sein Blick klebt an dir,

- so starrt ein Hai auf ein zierliches Fischlein -

Lächelnd dezent, seine Gier

Malt ihm sein Glück aus, es wird dein Geschick sein!

Er ist's! Er steht hinter dir.

Froh sind und festlich gestimmt die Verwandten:

"Gut ist sie untergebracht!

Waren die Träume des Mädchens auch andre -

Träume verwehn in die Nacht!"

Froh sind und festlich gestimmt die Verwandten.

Lichterglanz, Kirche, der Reif,

Glückwünsche, Kind mit Ikone, den Schleier

Hat sie vors Antlitz gestreift.

Doch an dem blutlosen Finger in Feuer

Blitzt durch den Schleier der Reif.

(Marina Zwetajewa)

Geschrieben

Irgendein Vorfahr von mir war Geiger,

Zirkusreiter und Dieb dazu.

Stammt daher meine Vagantenart!

Riecht daher mein Haar nach Wind!

Klaut nicht er, der Braunhäutige, vom Karren

Mit meiner Hand Aprikosen,

Der Schuldige an meinem Leidenschaftsschicksal,

Er mit gelockten Haar und Hakennase!

Staunend sah er einem Ackermann hinterm Pflug zu

Mit einer wilden Rose zwischen den Lippen.

Ein schlechter Kamerad war er, - ein verwegener

Und zärtlicher Liebhaber.

Freund von Pfeife, Mond, Halskette,

Und aller jungen Nachbarinnen...

Und mir scheint noch, dass mein Vorfahr

Mit seinen gelben Augen ein Feigling war.

Dass er dem Teufel seine Seele für einen Groschen verkauft hat

Und deshalb mitternachts nicht übern Friedhof ging!

Und mir scheint noch, dass er ein Messer

Im Stiefelschaft mit sich führte.

Und dass er schon öfter aus einem Hinterhalt

Hervorgesprungen kam - wie eine Katze - geschmeidig...

Und aus irgendeinem Grund ist mir klar geworden,

Dass er - nicht auf einer Geige spielte!

Und das alles focht ihn nicht an, -

Wie Schnee vom Vorjahr im Sommer!

Geiger solcher Art war mein Vorfahr.

Dichter solcher Art bin ich geworden.

(Marina Zwetajewa 1915)

Geschrieben

Du weißt, daß hinter den Wäldern blau

die großen Berge sind .

Und heute nur ist der Himmel grau

Und die Erde blind.

Du weißt, daß über den Wolken schwer

Die schönen Sterne stehn,

Nur heute ist aus dem goldenen Heer

Kein einziger zu sehn.

Und warum glaubst du dann nicht auch,

Daß uns die Wolke Welt

Nur heute als ein flüchtiger Hauch

Die Ewigkeit verstellt ?

Eugen Roth

Geschrieben

Eva Strittmatter

Ginster

Frühlingswald. Lichtes Lärchengrün.

Sandweg. Bald wird der Ginster blühn.

Ginstergelb fängt der Juni an.

Brennt der Frühling aus,

Der grad begann.

Immer die Sehnsucht zu weit voraus.

Immer nur halb daheim und zu Haus.

Geschrieben

Theodor Storm " April"

Das ist die Drossel, die da schlägt,

der frühling, der mein Herz bewegt;

Ich fühle, die sich hold bezeigen,

die Geister aus der Erde steigen.

Das Leben fließet wie ein Traum -

mir ist wie Blume, Blatt und Baum.

Geschrieben

Butterblumengelbe Wiesen,

sauerampferrot getönt,-

o du überreiches Sprießen,

wie das Aug`dich nie gewöhnt!

Wohlgesangdurchschwellte Bäume,

wunderblütenschneebereift-

ja, fürwahr, ihr zeigt uns Träume,

wie die Brust sie kaum begreift.

Christian Morgenstern " Butterblumengelbe Wiesen"

Geschrieben

Röschen biß den Apfel an

Röschen biß den Apfel an,

Und zu ihrem Schrecken

Brach und blieb ein Perlenzahn

In dem Butzen stecken.

Und das gute Kind vergaß

Seine Morgenlieder;

Tränen ohne Unterlaß

Perlten nun hernieder.

Gottfried Keller

Geschrieben

Morgen

So oft die Sonne aufersteht,

Erneuert sich mein Hoffen

Und bleibet, bis sie untergeht,

Wie eine Blume offen;

Dann schlummert es ermattet

Im dunklen Schatten ein,

Doch eilig wacht es wieder auf

Mit ihrem ersten Schein.

Das ist die Kraft, die nimmer stirbt

Und immer weiter streitet,

Das gute Blut, das nie verdirbt,

Geheimnisvoll verbreitet!

So lang' noch Morgenwinde

Voran der Sonne weh'n,

Wird nie der Freiheit Fechterschar

In Nacht und Schlaf vergeh'n!

Gottfried Keller

Geschrieben

Wikingerjunge - Eine nordische Ballade!

Nordischer Frühe kühnes Kind!

Ein hartes Herz wünscht Wotan dir in deine Brust.

Ich, Gott des Windes, führ es aus.

Um deine Mutter freiten zwei Brüder.

Der eine reich und weich,

der andre arm und Krieger.

Sie fuhren zusammen zur See. Ich ließ es stürmen

und verschlug sie

fast bis nach Grönland.

Kälte, Durst und Hunger litten sie.

Dann trieb ich sie zurück.

Der Weiche starb,

der Krieger zeugte dich. Du bist mein Kind, schon acht, noch zart.

Ich will dich voller Mut erleben

und tose um dein Haus

und hole Schwung und stoß die Tür auf

und fege frisch hinein,

ha, so erreg ich dich

zu einem Abenteuer!

Da, in den Klippen überm Meer,

da wächst die seltne Felsenblume.

Pflück sie und schenk sie deiner künftgen Braut!

Da kletterst du,

dein kühn-verliebter Blick, Eroberer,

dringt in die sonnenhelle Weite übers Meer,

sieht meinen Wolkenschiffen nach.

Ach, deine Hände!

Die Haut noch zart,

der Griff schon fest.

Ach, deine Knie!

Die Haut noch glatt.

Du schrammst dir eins.

Das Blut läuft rot die helle Haut

zum Schuh hinunter -

es ficht dich nicht, das ist das beste Zeichen!

Wer nicht sein Blut vergießen will, der wird kein Mann.

Wie lieb ich den Geschmack von Salz und Heldenblut!

Ich will dich voller Mut erleben.

Bitte, Kind, enttäusch mich nicht!

Ich wühl das Meer auf unter dir.

Es tost und brüllt, ich spritz dich nass mit Gicht.

Es ficht dich nicht. Ich lieb dich so, mein Kind,

will dich noch mutiger erleben.

Dazu brauch ich ein Boot - der Fischer da!

ich kipp es um. Verschling ihn, Schwester Flut!

Ich treib das Boot zum Kliff,

lass es zerschellen unter dir,

feg dir sein Krachen in die Ohren

- es ficht dich nicht,

du lachst und kletterst weiter.

Jetzt eine letzte Probe, Kind.

Ich fege Wolken her und peitsch dir ihren Regen

eiskalt auf Hände und Gesicht, es ficht dich nicht.

Ich spür dein warmes Blut

dir in die Wangen schießen.

Da, pflück die Felsenblume!

Du bist mein wahres Kind.

Du liebst die Wogen, wenn sie tosen.

Du liebst den Regen, wenn er peitscht.

Du liebst mich, wenn ich stürme,

und fühlst dich, Kind, in deinem Element.

Bald führ ich dich

aufs Meer hinaus.

Mit Beute treibt es dich

zurück zu deiner Braut.

Mach sie zur Frau!

Doch vorher mach ich dich

zum Mann, in Sturm und Tod dich tauchend.

Dann zeuge mir ein Kind!

Wer nicht dem Tod ins Auge sah,

zeugt keine starken Kinder.

Jetzt bist du zwölf und nicht mehr lange zart.

Jetzt mach ich dich zum Mann!

Ich kenne ja dein Herz und weiß, was dich verführt.

Als Frühlingssturm vermisch ich Sonnenschein

mit dunkelblauen Wolken und ich peitsch mit frischem Nass

das junge Grün.

So kitzl ich deinen Mut, der sich schon lange wieder

erproben will. Du fährst mit deinem besten Freund

aufs Meer auf eigne Faust. Dein Vater hat's verboten.

Ha, jetzt mach ich dich zum Mann!

Ich werd zum Sturm und tob um dich herum

und balge mich mit dir, du blonder Racker.

Jetzt feg ich dich vom Boot!

Ha, so reiß ich gern,

ich Frühlingssturm,

ein grünes Blatt vom Baum - Da ist er, Schwester Flut!

Schlag über ihm zusammen!

Schlürf ihn in deine Tiefe!

Und spuck ihn wieder aus, erwachsen!

So, jetzt ist's genug!

Hörst du? Es ist genug!

Lass mich nicht so bange auf dir kreisen!

Gib ihn wieder her! Erstick ihn nicht!

Schnür mich nicht länger

von ihm ab in deiner Eifersucht!

Ich bin sein Element, mich atmet er!

Bist ihm doch durch die Kleider

auf die Haut gedrungen.

Saug du dem Kind die Zartheit aus,

gib mir den Mann zurück!

Ich warne dich!

Ich wühl dich nie mehr auf!

Ich lass dich platt und windstill, jeder Schiffer

wird deiner fluchen, dem die Fracht verdirbt.

Aah, sie gibt ihn frei! Ich treibe ihn zum Boot.

Sein Freund zieht ihn hinein.

Bitte, Lungen, regt euch, saugt mich ein!

Lasst mich sein Blut beleben, bitte!

Rudre, Freund, leg dich ins Zeug!

Ich schieb die Wolken weg.

Komm, Sonne, wärme ihn und trockne seine Kleider.

Ich heule um sein Haus.

Der Mann, den ich zu seinem Vater machte,

tritt vor die Tür, erschrocken, ahnt und läuft zum Ufer,

trägt seinen Sohn zum Haus mit starken Armen

(die habe ich so stark gemacht auf See. ich ließ sie

mit mir kämpfen!)

Ah, in deiner Brust

regt sich das Leben wieder!

Wir haben ihn gerettet!

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