Zum Inhalt

Lieblingsgedichte!


Gast kaschek

Empfohlene Beiträge

Geschrieben

Achim von Arnim

Ritt im Mondschein

Herz zum Herzen ist nicht weit

Unter lichten Sternen,

Und das Aug´, von Tau geweiht,

Blickt zu lieben Fernen;

Unterm Hufschlag klingt die Welt,

Und die Himmel schweigen,

Zwischen beiden mir gesellt

Will der Mond sich zeigen.

Zeigt sich heut in roter Glut

An dem Erdenrande,

Gleich als ob mit heißem Blut

Er auf Erden lande,

Doch nun flieht er scheu empor,

Glänzt in reinem Lichte,

Und ich scheue mich auch vor

Seinem Angesichte.

Erfahrungen austauschen über das Leben mit Schuppenflechte und Psoriasis arthritis

Anmelden oder Registrieren


  • Antworten 515
  • Erstellt
  • Letzte Antwort

Top-Nutzer in diesem Beitrag

  • Matjes

    40

  • Sylvie.H

    12

  • grafikerin

    11

  • irmi

    8

Top-Nutzer in diesem Beitrag

Bilder in dieser Diskussion

Geschrieben

Weihnachtsabend 1852

Die fremde Stadt durchschritt ich sorgenvoll,

Der Kinder denkend, die ich ließ zu Haus.

Weihnachten war's; durch alle Gassen scholl

Der Kinderjubel und des Marktes Gebraus.

Und wie der Menschenstrom mich fortgespült,

Drang mir ein heiser Stimmlein in das Ohr:

"Kauft, lieber Herr!" Ein magres Händchen hielt

Feilbietend mir ein ärmlich Spielzeug vor.

Ich erschrak empor, und beim Laternenschein

Sah ich ein bleiches Kindergesicht;

Wes Alters und Geschlechts es mochte sein,

Erkannt ich im Vorübertreiben nicht.

Nur von dem Treppenstein, darauf es saß,

Noch immer hört ich, mühsam, wie es schien:

"Kauft, lieber Herr!" den Ruf ohn Unterlaß;

Doch hat wohl keiner ihm Gehör verliehn.

Und ich? - War's Ungeschick, war es die Scham,

Am Weg zu handeln mit dem Bettelkind?

Eh meine Hand zu meiner Börse kam,

Verscholl das Stimmlein hinter mir im Wind.

Doch als ich endlich war mit mir allein,

Erfaßte mich die Angst im Herzen so,

Als säß mein eigen Kind auf jenem Stein

Und schrie' nach Brot, indessen ich entfloh.

Theodor Storm

Geschrieben

Die Gedanken sind frei,

wer kann sie erraten?

Sie fliegen vorbei

wie nächtliche Schatten.

Kein Mensch kann sie wissen,

kein Jäger erschießen

mit Pulver und Blei.

Die Gedanken sind frei!

Ich denke, was ich will

und was mich beglücket,

doch alles in der Still',

und wie es sich schicket.

Mein Wunsch und Begehren

kann niemand verwehren,

es bleibet dabei:

Die Gedanken sind frei!

Und sperrt man mich ein

im finsteren Kerker,

ich spotte der Pein

und menschlicher Werke;

denn meine Gedanken

zerreißen die Schranken

und Mauern entzwei:

Die Gedanken sind frei!

Drum will ich auf immer

den Sorgen entsagen,

und will mich auch nimmer

mit Grillen mehr plagen.

Man kann ja im Herzen

stets lachen und scherzen

und denken dabei:

Die Gedanken sind frei!

Volkslied, ca. 1790,

bearbeitet von

Hoffmann von Fallersleben, 1842

Geschrieben

Hab noch ein wunderschönes in meinem neuen Weihnachtsbüchlein gefunden:

Von Osten strahlt ein Stern herein

mit wunderbarem hellen Schein,

es naht, es naht ein himmlisch Licht,

das sich in tausend Strahlen bricht.

Verbergt euch, Sonnenlicht und Mond,

die ihr so stolz am Himmel thront!

Er naht, er naht sich von fern-

von Osten her - der Weihnachtsstern!

-Franz von Pocci-

Geschrieben

Erscheint Dir etwas unerhört,

bist tiefsten Herzen Du empört;

Bäum' dich nicht auf, versuch's nicht im Streit,

berühr' es nicht, überlass es der Zeit.

Am ersten Tage wirst du feige dich schelten;

am zweiten lässt Du Dein Schweigen schon gelten;

am dritten hast Du's überwunden;

Alles ist wichtig nur auf Stunden.

Ärger ist Zehrer und Lebensvergifter,

Zeit ist Balsam und Freidensstifter.

Theodor Fontane

Geschrieben

Hallo leute

Mein gedicht ist ziemlich kurz,aber ich finde ihn schön.

Wenn ich einmal an Dich denke

spring ich über Tisch und Bänke,

solltest du mich mal vergessen,

so soll Dich gleich der wau wau fressen.

ich hoffe es gefällt euch

lg reg

Geschrieben

Christian Friedrich Hebbel

Winter - Landschaft

Unendlich dehnt sie sich, die weiße Fläche,

bis auf den letzten Hauch von Leben leer;

die muntern Pulse stocken längst, die Bäche,

es regt sich selbst der kalte Wind nicht mehr.

Der Rabe dort, im Berg von Schnee und Eise,

erstarrt und hungrig, gräbt sich tief hinab,

und gräbt er nicht heraus den Bissen Speise,

so gräbt er, glaub' ich, sich hinein ins Grab.

Die Sonne, einmal noch durch Wolken blitzend,

wirft einen letzten Blick auf's öde Land,

doch, gähnend auf dem Thron des Lebens sitzend,

trotzt ihr der Tod im weißen Festgewand.

Geschrieben

Es interessiert mich nicht, wie Du Deinen Lebensuntehalt verdienst,

ich will wissen, wonach Du Dich so sehr sehnst, daß es Dir wehtut

und ob Du davon zu träumen wagst, dem zu begegnen, wonach sich Dein Herz verzehrt.

Es interessiert mich nicht, wie alt Du bist.

Ich will wissen, ob Du es riskierst, für Deine Liebe als Narr dazustehen,

für Deine Träume und das Abenteuer zu leben.

Es interessiert mich nicht, wie Deine Sterne stehen,

Ich will wissen, ob Du zu Deinem wirklichen Leid vorgedrungen bist,

und ob Dich der Verrat des Lebens geöffnet hat oder ob Du Dich

zusammengeschlossen und verschlossen hast vor Furcht oder weiterem Kummer.

Ich will wissen, ob Du Schmerzen aushalten kannst, meinen und Deinen eigenen,

ohne zu versuchen, ihn zu verstecken, verblassen zu lassen oder zu manipulieren.

Ich will wissen, ob Du Freude empfinden kannst, meine oder Deine eigene,

ob Du voller Wildheit tanzen kannst und Dich von den Finger- bis zu den Zehenspitzen

in einen Rausch versenken kannst, ohne zu mahnen, vorsichtig zu sein,

oder realistisch, oder an die Grenzen des Menschseins zu erinnern.

Es interessiert mich nicht, ob die Geschichte, die Du mir erzählst, wahr ist.

Ich will wissen, ob Du einen anderen enttäuschen kannst,

indem Du Dir selbst treu bleibst.

Ob Du die Anschuldigung, betrogen zu haben, ertragen kannst,

und ob Du nicht Deine eigene Seele betrügst.

Ich will wissen, ob Du treu sein kannst und damit vertrauenswürdig.

Ich will wissen, ob Du Schönheit sehen kannst, auch wenn sie nicht

jeden Tag sichtbar ist.

Und ob Du Dein Leben aus Gottes Gegenwart speist.

Ich will wissen, ob Du mit Versagen leben kannst, Deinem und meinem

und trotzdem noch am Ufer des Sees stehen kannst

und dem Silber des Vollmonds "ja" zurufen kannst.

Es interessiert mich nicht, wo Du wohnst und wieviel Geld Du hast.

Ich will wissen, ob Du nach einer Nacht voll Trauer und Verzweiflung aufstehen kannst

ausgelaugt und zermartert, und tun kannst, was für die Kinder getan werden muss.

Es interessiert mich nicht, wer Du bist oder wie Du hierher gekommen bist.

Ich will wissen, was Dich in Deinem Inneren hält, wenn alles andere wegbricht.

Ich will wissen, ob Du mit Dir alleine sein kannst

und ob Du die Gesellschaft, die Du in diesen einsamen Momenten hast, wahrhaft magst.

Anonym

Geschrieben

Johann Wolfgang von Goethe

Trilogie der Leidenschaft (I.)

An Werther

Noch einmal wagst du, vielbeweinter Schatten,

Hervor dich an das Tageslicht,

Begegnest mir auf neubeblümten Matten,

Und meinen Anblick scheust du nicht.

Es ist, als ob du lebtest in der Frühe,

Wo uns der Tau auf einem Feld erquickt

Und nach des Tages unwillkommner Mühe

Der Scheidesonne letzter Strahl entzückt;

Zum Bleiben ich, zum Scheiden du erkoren,

Gingst du voran - und hast nicht viel verloren.

Des Menschen Leben scheint ein herrlich Los:

Der Tag wie lieblich, so die Nacht wie groß!

Und wir, gepflanzt in Paradieses Wonne,

Genießen kaum der hocherlauchten Sonne,

Da kämpft sogleich verworrene Bestrebung

Bald mit uns selbst und bald mit der Umgebung;

Keins wird vom andern wünschenswert ergänzt,

Von außen düstert's, wenn es innen glänzt,

Ein glänzend Äußres deckt mein trüber Blick,

Da steht es nah - und man verkennt das Glück.

Nun glauben wir's zu kennen! Mit Gewalt

Ergreift uns Liebreiz weiblicher Gestalt:

Der Jüngling, froh wie in der Kindheit Flor,

Im Frühling tritt als Frühling selbst hervor,

Entzückt, erstaunt, wer dies ihm angetan?

Er schaut umher, die Welt gehört ihm an.

Ins Weite zieht ihn unbefangne Hast,

Nichts engt ihn ein, nicht Mauer, nicht Palast;

Wie Vögelschar an Wäldergipfeln streift,

So schwebt auch er, der um die Liebste schweift,

Er sucht vom Äther, den er gern verlässt,

Den treuen Blick, und dieser hält ihn fest.

Doch erst zu früh und dann zu spät gewarnt,

Fühlt er den Flug gehemmt, fühlt sich umgarnt,

Das Wiedersehn ist froh, das Scheiden schwer,

Das Wieder-Wiedersehn beglückt noch mehr,

Und Jahre sind im Augenblick ersetzt;

Doch tückisch harrt das Lebewohl zuletzt.

Du lächelst, Freund, gefühlvoll, wie sich ziemt:

Ein grässlich Scheiden machte dich berühmt;

Wir feierten dein kläglich Missgeschick,

Du ließest uns zu Wohl und Weh zurück;

Dann zog uns wieder ungewisse Bahn

Der Leidenschaften labyrinthisch an;

Und wir, verschlungen wiederholter Not,

Dem Scheiden endlich - Scheiden ist der Tod!

Wie klingt es rührend, wenn der Dichter singt,

Den Tod zu meiden, den das Scheiden bringt!

Verstrickt in solche Qualen, halbverschuldet,

Geb ihm ein Gott zu sagen, was er duldet.

Geschrieben

Am Frühstückstisch im Jahre 2009/10

Wenn der Morgennebel zögernd sich hebt.

Wenn das Steingebirge und das Häusergestrüpp

höhnisch bleckend Zähne enthüllen.

Wenn hinter atembeschlagenen Fenstern

Frauenhände zärtlich berühren

warme, weiche Kinderwangen.

Wenn Männerfäuste unverfroren

Berge, Wälder, Flüsse verändern.

Wenn Mörderkrallen Kehlen würgen,

schießen, metzeln, Leben vernichten.

Wenn Sterbende röcheln und Mütter gebären.

Wenn Satte rülpsen und Hungernde fallen.

Wenn Araber Juden und Juden Araber.

Wenn Bosnier Serben und Serben Bosnier einander.

Wenn schwarze und weiße wahllos schlachten

Männer und Frauen, Kinder und Greise

Und das alles zur gleiche Zeit

In ein und derselben Erdenstunde

In ein und derselben Sternensekunde.

Jetzt – während ich diese Lied euch singe

Jetzt – während ich die Fackel schwinge

Jetzt – während Frauen Kinder gebären

Jetzt – während Männer Eide schwören

Zum Beispiel JETZT....gerade JETZT!

Da schreist Du verzweifelt: was tun......was tun?

Na was schon?

Auch Einstein kann’s nicht ändern.

Ach Schätzchen sei so lieb

und reich mir doch noch mal

die Zuckerdose rüber.

(unbekannter Verfasser)

Geschrieben

Johann Wolfgang von Goethe

Trilogie der Leidenschaft (II)

Marienbader Elegie

Und wenn der Mensch in seiner Qual verstummt.

Gab mir ein Gott zu sagen, was ich leide.

Was soll ich nun vom Wiedersehen hoffen,

Von dieses Tages noch geschlossner Blüte?

Das Paradies, die Hölle steht dir offen;

Wie wankelsinnig regt sich's im Gemüte! -

Kein Zweifeln mehr! Sie tritt ans Himmelstor,

Zu ihren Armen hebt sie dich empor.

So warst du denn im Paradies empfangen,

Als wärst du wert des ewig schönen Lebens;

Dir blieb kein Wunsch, kein Hoffen, kein Verlangen,

Hier war das Ziel des innigsten Bestrebens,

Und in dem Anschaun dieses einzig Schönen

Versiegte gleich der Quell sehnsüchtiger Tränen.

Wie regte nicht der Tag die raschen Flügel,

Schien die Minuten vor sich her zu treiben!

Der Abendkuss, ein treu verbindlich Siegel:

So wird es auch der nächsten Sonne bleiben.

Die Stunden glichen sich in zartem Wandern

Wie Schwestern zwar, doch keine ganz den andern.

Der Kuss, der letzte, grausam süß, zerschneidend

Ein herrliches Geflecht verschlungner Minnen.

Nun eilt, nun stockt der Fuß, die Schwelle meidend,

Als trieb' ein Cherub flammend ihn von hinnen;

Das Auge starrt auf düstrem Pfad verdrossen,

Es blickt zurück, die Pforte steht verschlossen.

Und nun verschlossen in sich selbst, als hätte

Dies Herz sich nie geöffnet, selige Stunden

Mit jedem Stern des Himmels um die Wette

An ihrer Seite leuchtend nicht empfunden;

Und Missmut, Reue, Vorwurf, Sorgenschwere

Belasten's nun in schwüler Atmosphäre.

Ist denn die Welt nicht übrig? Felsenwände,

Sind sie nicht mehr gekrönt von heiligen Schatten?

Die Ernte, reift sie nicht? Ein grün Gelände,

Zieht sich's nicht hin am Fluss durch Busch und

Matten?

Und wölbt sich nicht das überweltlich Große,

Gestaltenreiche, bald Gestaltenlose?

Wie leicht und zierlich, klar und zart gewoben

Schwebt, seraphgleich, aus ernster Wolken Chor,

Als glich' es ihr, am blauen Äther droben

Ein schlank Gebild aus lichtem Duft empor;

So sahst du sie in frohem Tanze walten,

Die lieblichste der lieblichsten Gestalten.

Doch nur Momente darfst dich unterwinden,

Ein Luftgebild statt ihrer festzuhalten;

Ins Herz zurück! dort wirst du's besser finden,

Dort regt sie sich in wechselnden Gestalten;

Zu vielen bildet eine sich hinüber,

So tausendfach, und immer immer lieber.

Wie zum Empfang sie an den Pforten weilte

Und mich von dannauf stufenweis beglückte;

Selbst nach dem letzten Kuss mich noch ereilte,

Den letztesten mir auf die Lippen drückte:

So klar beweglich bleibt das Bild der Lieben

Mit Flammenschrift ins treue Herz geschrieben.

Ins Herz, das fest wie zinnenhohe Mauer

Sich ihr bewahrt und sie in sich bewahret,

Für sie sich freut an seiner eignen Dauer,

Nur weiß von sich, wenn sie sich offenbaret,

Sich freier fühlt in so geliebten Schranken

Und nur noch schlägt, für alles ihr zu danken.

War Fähigkeit zu lieben, war Bedürfen

Von Gegenliebe weggelöscht, verschwunden,

Ist Hoffnungslust zu freudigen Entwürfen,

Entschlüssen, rascher Tat sogleich gefunden!

Wenn Liebe je den Liebenden begeistet,

Ward es an mir aufs lieblichste geleistet;

Und zwar durch sie - Wie lag ein innres Bangen

Auf Geist und Körper, unwillkommner Schwere:

Von Schauerbildern rings der Blick umfangen

Im wüsten Raum beklommner Herzensleere;

Nun dämmert Hoffnung von bekannter Schwelle,

Sie selbst erscheint in milder Sonnenhelle.

Den Frieden Gottes, welcher euch hienieden

Mehr als Vernunft beseliget - wir lesen's -,

Vergleich ich wohl der Liebe heitern Frieden

In Gegenwart des allgeliebten Wesens;

Da ruht das Herz, und nichts vermag zu stören

Den tiefsten Sinn, den Sinn, ihr zu gehören.

In unsers Busens Reine wogt ein Streben,

Sich einem Höhern, Reinern, Unbekannten

Aus Dankbarkeit freiwillig hinzugeben,

Enträtselnd sich den ewig Ungenannten;

Wir heißen's: fromm sein! - Solcher seligen Höhe

Fühl ich mich teilhaft, wenn ich vor ihr stehe.

Vor ihrem Blick, wie vor der Sonne Walten,

Vor ihrem Atem, wie vor Frühlingslüften,

Zerschmilzt, so längst sich eisig starr gehalten,

Der Selbstsinn tief in winterlichen Grüften;

Kein Eigennutz, kein Eigenwille dauert,

Vor ihrem Kommen sind sie weggeschauert.

Es ist, als wenn sie sagte: Stund um Stunde

Wird uns das Leben freundlich dargeboten,

Das Gestrige ließ uns geringe Kunde,

Das Morgende, zu wissen ist's verboten;

Und wenn ich je mich vor dem Abend scheute,

Die Sonne sank und sah noch, was mich freute.

Drum tu wie ich und schaue, froh verständig,

Dem Augenblick ins Auge! Kein Verschieben!

Begegn' ihm schnell, wohlwollend wie lebendig,

Im Handeln sei's, zur Freude, sei's dem Lieben;

Nur wo du bist, sei alles, immer kindlich,

So bist du alles, bist unüberwindlich.

Du hast gut reden, dacht ich, zum Geleite

Gab dir ein Gott die Gunst des Augenblickes,

Und jeder fühlt an deiner holden Seite

Sich augenblicks den Günstling des Geschickes;

Mich schreckt der Wink, von dir mich zu entfernen -

Was hilft es mir, so hohe Weisheit lernen!

Nun bin ich fern! Der jetzigen Minute,

Was ziemt denn der? Ich wüsst es nicht zu sagen;

Sie bietet mir zum Schönen manches Gute,

Das lastet nur, ich muss mich ihm entschlagen;

Mich treibt umher ein unbezwinglich Sehnen,

Da bleibt kein Rat als grenzenlose Tränen.

So quellt denn fort! und fließet unaufhaltsam;

Doch nie geläng's, die innre Glut zu dämpfen!

Schon rast's und reißt in meiner Brust gewaltsam,

Wo Tod und Leben grausend sich bekämpfen.

Wohl Kräuter gäb's, des Körpers Qual zu stillen;

Allein dem Geist fehlt's am Entschluß und Willen,

Fehlt's am Begriff: wie sollt er sie vermissen?

Er wiederholt ihr Bild zu tausend Malen.

Das zaudert bald, bald wird es weggerissen,

Undeutlich jetzt und jetzt im reinsten Strahlen;

Wie könnte dies geringstem Troste frommen,

Die Ebb und Flut, das Gehen wie das Kommen?

Verlasst mich hier, getreue Weggenossen!

Lasst mich allein am Fels, in Moor und Moos;

Nur immer zu! euch ist die Welt erschlossen,

Die Erde weit, der Himmel hehr und groß;

Betrachtet, forscht, die Einzelheiten sammelt,

Naturgeheimnis werde nachgestammelt.

Mir ist das All, ich bin mir selbst verloren,

Der ich noch erst den Göttern Liebling war;

Sie prüften mich, verliehen mir Pandoren,

So reich an Gütern, reicher an Gefahr;

Sie drängten mich zum grabeseligen Munde,

Sie trennen mich, und richten mich zugrunde.

Geschrieben

Der Albatros

346upux.jpg

Oft kommt es vor, dass, um sich zu vergnügen,

Das Schiffsvolk einen Albatros ergreift,

Den grossen Vogel, der in lässigen Flügen

Dem Schiffe folgt, das durch die Wogen streift.

Doch, – kaum gefangen in des Fahrzeugs Engen

Der stolze König in der Lüfte Reich,

Lässt traurig seine mächtigen Flügel hängen,

Die, ungeschickten, langen Rudern gleich,

Nun matt und jämmerlich am Boden schleifen.

Wie ist der stolze Vogel nun so zahm!

Sie necken ihn mit ihren Tabakspfeifen,

Verspotten seinen Gang, der schwach und lahm.

Der Dichter gleicht dem Wolkenfürsten droben,

Er lacht des Schützen hoch im Sturmeswehn ;

Doch unten in des Volkes frechem Toben

Verhindern mächt'ge Flügel ihn am Gehn.

Aus "Die Blumen des Bösen"

- Ch. Baudelaire -

Geschrieben

Johann Wolfgang von Goethe

Trilogie der Leidenschaft (III)

Aussöhnung

Die Leidenschaft bringt Leiden! ? Wer beschwichtigt

Beklommnes Herz, das allzuviel verloren?

Wo sind die Stunden, überschnell verflüchtigt?

Vergebens war das Schönste dir erkoren!

Trüb ist der Geist, verworren das Beginnen;

Die hehre Welt, wie schwindet sie den Sinnen!

Da schwebt hervor Musik mit Engelschwingen,

Verflicht zu Millionen Tön um Töne,

Des Menschen Wesen durch und durch zu dringen,

Zu überfüllen ihn mit ewger Schöne;

Das Auge netzt sich, fühlt im höhern Sehnen

Den Doppelwert der Töne wie der Tränen.

Und so das Herz erleichtert merkt behende,

Dass es noch lebt und schlägt und möchte schlagen,

Zum reinsten Dank der überreichen Spende

Sich selbst erwidernd willig darzutragen.

Da fühlte sich ? o dass es ewig bliebe! ?

Das Doppelglück der Töne wie der Liebe.

Geschrieben

Nicht DAS Lieblingsgedicht, aber eines davon. Ich hatte dereinst das Vergnügen es auswendig lernen zu müssen, im 7. Schuljahr, muss das gewesen sein.

Gorm Grymme

König Gorm herrscht über Dänemark,

Er herrscht' die dreißig Jahr,

Sein Sinn ist fest, seine Hand ist stark,

Weiß worden ist nur sein Haar,

Weiß worden sind nur seine buschigen Brau'n,

Die machten manchen stumm;

Im Grimme liebt er dreinzuschaun, -

Gorm Grymme heißt er drum.

Und die Jarls kamen zum Fest des Jul,

Gorm Grymme sitzt im Saal,

Und neben ihm sitzt, auf beinernem Stuhl,

Thyra Danebod, sein Gemahl;

Sie reichen einander still die Hand

Und blicken sich an zugleich,

Ein Lächeln in beider Augen stand, -

Gorm Grymme, was macht dich so weich?

Den Saal hinunter, in offner Hall,

Da fliegt es wie Locken im Wind,

Jung-Harald spielt mit dem Federball,

Jung-Harald, ihr einziges Kind,

Sein Wuchs ist schlank, blond ist sein Haar,

Blau-golden ist sein Kleid,

Jung-Harald ist heut fünfzehn Jahr,

Und sie lieben ihn allbeid.

Sie lieben ihn beid; eine Ahnung bang

Kommt über die Königin,

Gorm Grymme aber, den Saal entlang

Auf Jung-Harald deutet er hin,

Und er hebt sich zum Sprechen, - sein Mantel rot

Gleitet nieder auf den Grund:

»Wer je mir spräche, 'er ist tot',

Der müsste sterben zur Stund.«

Und Monde gehn. Es schmolz der Schnee,

Der Sommer kam zu Gast,

Dreihundert Schiffe fahren in See,

Jung-Harald steht am Mast,

Er steht am Mast, er singt ein Lied,

Bis sich's im Winde brach,

Das letzte Segel, es schwand, es schied, -

Gorm Grymme schaut ihm nach.

Und wieder Monde. Grau-Herbstestag

Liegt über Sund und Meer,

Drei Schiffe mit mattem Ruderschlag

Rudern heimwärts drüber her;

Schwarz hängen die Wimpel; auf Brömsebro-Moor

Jung-Harald liegt im Blut, -

Wer bringt die Kunde vor Königs Ohr?

K e i n e r hat den Mut.

Thyra Danebod schreitet hinab an den Sund,

Sie hatte die Segel gesehn;

Sie spricht: »Und bangt sich euer Mund,

Ich meld ihm, was geschehn.«

Ab legt sie ihr rotes Korallengeschmeid

Und die Gemme von Opal,

Sie kleidet sich in ein schwarzes Kleid

Und tritt in Hall und Saal.

In Hall und Saal. An Pfeiler und Wand

Goldteppiche ziehen sich hin,

Schwarze Teppiche nun mit eigener Hand

Hängt drüber die Königin,

Und sie zündet zwölf Kerzen, ihr flackernd Licht,

Es gab einen trüben Schein,

Und sie legt ein Gewebe, schwarz und dicht,

Auf den Stuhl von Elfenbein.

Ein tritt Gorm Grymme. Es zittert sein Gang,

Er schreitet wie im Traum,

Er starrt die schwarze Hall entlang,

Die Lichter, er sieht sie kaum,

Er spricht: »Es weht wie Schwüle hier,

Ich will an Meer und Strand,

Reich meinen rotgoldenen Mantel mir

Und reiche mir deine Hand.«

Sie gab ihm um einen Mantel dicht,

der war nicht golden, nicht rot,

Gorm Grymme sprach: »Was niemand spricht,

Ich sprech es: Er ist tot.«

Er setzte sich nieder, wo er stand,

ein Windstoß fuhr durchs Haus,

die Königin hielt des Königs Hand,

die Lichter loschen aus.

Geschrieben

Georg Heym

Der Winter

Der blaue Schnee liegt auf dem ebenen Land,

Das Winter dehnt. Und die Wegweiser zeigen

Einander mit der ausgestreckten Hand

Der Horizonte violettes Schweigen.

Hier treffen sich auf ihrem Weg ins Leere

Vier Straßen an. Die niedren Bäume stehen

Wie Bettler kahl. Das Rot der Vogelbeere

Glänzt wie ihr Auge trübe. Die Chausseen

Verweilen kurz und sprechen aus den Ästen

Dann ziehn sie weiter in die Einsamkeit

Gen Nord und Süden und Ost und Westen,

Wo bleicht der niedere Tag der Winterszeit.

Ein hoher Korb mit rissigem Geflecht

Blieb von der Ernte noch im Ackerfeld.

Weißbärtig, ein Soldat, der nach Gefecht

Und heißem Tag der Toten Wache hält.

Der Schnee wird bleicher, und der Tag vergeht.

Der Sonne Atem dampft am Firmament,

Davon das Eis, das in den Lachen steht,

Hinab die Straße rot wie Feuer brennt.

Geschrieben

Die Seele

Wenn Nacht begräbt des Staubes Schmerzen,

Wohin wird, ach die Seele fliehn ?

Sie stirbt nicht – aus erloschnem Herzen

Muß sie zu anderen Reichen ziehn.

Wird sie entkörpert dann auf Sternen

Und Schritt um Schritt zum Himmel gehn ?

Wird sie sogleich des Weltalls Fernen,

Ein lebend Aug`, entschleiert sehn ?

Unendlich, ewig, nie verwesend,

Allsehend, aber unsichtbar,

Das Buch der Erd` und Himmel lesend,

Schaut sie im Geist, was ist und war:

Die schwächste Spur aus grauen Jahren;

Die im Gedächtnis dämmern mag,

Das Bild der Dinge, welche waren,

Steht wieder da wie heller Tag.

Zurück ins gärende Gewimmel

Des Chaos taucht sie, und hinauf

Bis zur Geburt der letzten Himmel

Sucht sie der Dinge großen Lauf.

Durch künft`ges Werden und Verderben

Umspannt ihr Blick den Flug der Zeit,

Ob Sonn` erlischt und Welten sterben

Reglos in seiner Ewigkeit.

Hoch über Lieb` und Haß und Trauer

Lebt sie in reiner, tiefer Ruh`;

Äonen fliehn wie Jahresdauer,

Und Erdenjahre wie ein Nu.

Weit, weiter schwebt sie ohne Schwinge,

Ein ew`ger namenloser Geist,

Durchs All und übers All der Dinge,

Und weiß nicht mehr, was Sterben heißt.

(Lord Byron)

Geschrieben

Heinrich Heine

Altes Kaminstück

Draußen ziehen weiße Flocken

Durch die Nacht, der Sturm ist laut;

Hier im Stübchen ist es trocken,

Warm und einsam, stillvertraut.

Sinnend sitz ich auf dem Sessel,

An dem knisternden Kamin,

Kochend summt der Wasserkessel

Längst verklungne Melodien.

Und ein Kätzchen sitzt daneben,

Wärmt die Pfötchen an der Glut;

Und die Flammen schweben, weben,

Wundersam wird mir zu Mut.

Dämmernd kommt heraufgestiegen

Manche längst vergessne Zeit,

Wie mit bunten Maskenzügen

Und verblichner Herrlichkeit.

Schöne Fraun, mit kluger Miene,

Winken süßgeheimnisvoll,

Und dazwischen Harlekine

Springen, lachen, lustigtoll.

Ferne grüßen Marmorgötter,

Traumhaft neben ihnen stehn

Märchenblumen, deren Blätter

In dem Mondenlichte wehn.

Wackelnd kommt herbeigeschwommen

Manches alte Zauberschloss;

Hintendrein geritten kommen

Blanke Ritter, Knappentross.

Und das alles zieht vorüber,

Schattenhastig übereilt.

Ach! da kocht der Kessel über,

Und das nasse Kätzchen heult.

Geschrieben

Das praktische Jahrhundert

Wo lodert noch im Herzen ein Brand?

Nur lind und lauwarm rieseln unsere Triebe,

verlor man sonst aus Liebe den Verstand,

verliert man heute aus Verstand die Liebe.----

Oscar Blumenthal

Geschrieben

Joachim Ringelnatz

Im Park

Ein ganz kleines Reh stand am ganz kleinen Baum

still und verklärt wie ein Traum.

Das war des Nachts elf Uhr zwei,

Und dann kam ich um vier

morgens wieder vorbei,

Und da träumte noch immer das Tier.

Nun schlich ich mich leise ich atmete kaum

Gegen den Wind an den Baum,

Und gab dem Reh einen ganz kleinen Stips.

Und da war es aus Gips.

Geschrieben

"Wieder ist ein Jahr vergangen " von Sepp Grünberger

Wieder ist ein Jahr vergangen,

gerade hats erst angefangen!

Die Zeit verging fast wie im Flug

doch uns tut alle Ruhe gut.

Bei Kerzenschein in froher Runde,

genießen wir doch jede Stunde,

und trinken Glühwein oder Punsch

denn das erfüllt so manchen Wunsch.

Man schaut zu Liebsten fern und nah,

und plötzlich ist`s Neujahr schon da!

Man hofft, dass es uns Gutes bringt,

dass alles Schöne uns gelingt.

Wir schauen hin, die Zukunft kommt,

wir freuen uns auf G`sundheit prompt,

wir hoffen, dass wir glücklich werden,

dass unser Frieden bleibt auf Erden.

Die Weihnacht ist die schönste Zeit,

für Tage der Besinnlichkeit,

das Christkindlein den Stern erhellt,

und so genießen wir unsre Welt!

Geschrieben

Eduard Mörike

Im Winterboden schläft, ein Blumenkeim ...

Im Winterboden schläft, ein Blumenkeim,

Der Schmetterling, der einst um Busch und Hügel

In Frühlingsnächten wiegt den samtnen Flügel;

Nie soll er kosten deinen Honigseim.

Wer aber weiß, ob nicht sein zarter Geist,

Wenn jede Zier des Sommers hingesunken,

Dereinst, von deinem leisen Dufte trunken,

Mir unsichtbar, dich blühende umkreist?

Geschrieben

Wenn du noch eine Mutter hast,

so danke Gott und sei zufrieden.

Nicht allen auf dem Erdenrund

ist dieses hohe Glück beschieden.

Wenn du noch eine Mutter hast,

so sollst du sie mit Liebe pflegen,

dass sie dereinst ihr müdes Haupt

in Frieden kann zur Ruhe legen.

Sie hat vom ersten Tage an um dich

gebangt mit großen Sorgen.

Sie brachte abends dich zu Bett und

weckte küssend dich am Morgen.

Und warst du krank - sie pflegte dich,

den sie mit großem Schmerz geboren.

Und gaben alle dich schon auf:

Die Mutter gab dich nie verloren.

Und hast du keine Mutter mehr und

kannst du sie nicht mehr beglücken,

so kannst du doch ihr kühles Grab

mit frischen Blumenkränzen schmücken.

Ein Muttergrab - ein heilig Grab!

Für dich die ewig heilige Stelle!

Oh, wende dich an diesen Ort,

wenn dich umtost des Lebens Welle.

Friedrich Wilhelm Kaulisch

* 1827 - 1881 *

Geschrieben

Wer Schmetterlinge lachen hört

Wer Schmetterlinge lachen hört, der weiß wie Wolken schmecken.

Der wird im Mondschein, ungestört von Furcht, die Nacht entdecken.

...der wird zur Pflanze, wenn er will. Zum Tier, zum Narr, zum Weisen.

Und kann in einer Stunde durch das ganze Weltall reisen.

...der weiß, daß er nichts weiß, wie alle anderen auch nichts wissen.

nur weiß er , was die anderen, und auch er noch lernen müssen.

...wer in sich fremde Ufer spürt und Mut hat sich zu recken;

der wird allmählich, ungestört von Furcht, sich selbst entdecken.

Abwärts zu den Gipfeln seiner selbst blickt er hinauf.

Der Kampf mit seiner Unterwelt nimmt er gelassen auf.

(Novalis, 1772 - 1802)

Geschrieben

Joseph Freiherr von Eichendorff

Abschied

O Täler weit, o Höhen,

O schöner, grüner Wald,

Du meiner Lust und Wehen

Andächt'ger Aufenthalt!

Da draußen, stets betrogen,

Saust die geschäft'ge Welt,

Schlag noch einmal die Bogen

Um mich, du grünes Zelt!

Wenn es beginnt zu tagen,

Die Erde dampft und blinkt,

Die Vögel lustig schlagen,

Dass dir dein Herz erklingt:

Da mag vergehn, verwehen

Das trübe Erdenleid,

Da sollst du auferstehen

In junger Herrlichkeit!

Da steht im Wald geschrieben

Ein stilles, ernstes Wort

Von rechtem Tun und Lieben,

Und was des Menschen Hort.

Ich habe treu gelesen

Die Worte, schlicht und wahr,

Und durch mein ganzes Wesen

Wards unaussprechlich klar.

Bald werd ich dich verlassen,

Fremd in der Fremde gehn,

Auf buntbewegten Gassen

Des Lebens Schauspiel sehn;

Und mitten in dem Leben

Wird deines Ernsts Gewalt

Mich Einsamen erheben,

So wird mein Herz nicht alt.

  • 2 Wochen später...
Geschrieben

Ich will!!

Ich will, sprichts einer ernst und still.

Die Sterne reißt's vom Himmel.

Das eine Wort: Ich will

Dies ist mir vor ca. 70 Jahren von der damaligen Volksschule im Ohr geblieben. Es hat mir auch schon bei Problemen geholfen.

Gruß

Helmut-Wolfgang

Erstelle ein Benutzerkonto oder melde dich an, um zu kommentieren

Du musst ein Benutzerkonto haben, um einen Kommentar verfassen zu können

Benutzerkonto erstellen

Neues Benutzerkonto für unsere Community erstellen. Es ist einfach!

Neues Benutzerkonto erstellen

Anmelden

Du hast bereits ein Benutzerkonto? Melde dich hier an.

Jetzt anmelden
×
×
  • Neu erstellen...

Wichtig:

Diese Seite verwendet einige wenige Cookies, die zur Verwendung und zum Betrieb notwendig sind. Auf Werbetracker verzichten wir bewusst.