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Lieblingsgedichte!


Gast kaschek

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Geschrieben

Friedrich Schiller

Der Jüngling am Bache

An der Quelle saß der Knabe,

Blumen wand er sich zum Kranz,

Und er sah sie fortgerissen,

Treiben in der Wellen Tanz.

»Und so fliehen meine Tage

Wie die Quelle rastlos hin!

Und so bleichet meine Jugend,

Wie die Kränze schnell verblühn!

Fraget nicht, warum ich traure

In des Lebens Blütenzeit!

Alles freuet sich und hoffet,

Wenn der Frühling sich erneut.

Aber diese tausend Stimmen

Der erwachenden Natur

Wecken in dem tiefen Busen

Mir den schweren Kummer nur.

Was soll mir die Freude frommen,

Die der schöne Lenz mir beut?

Eine nur ists, die ich suche,

Sie ist nah und ewig weit.

Sehnend breit ich meine Arme

Nach dem teuren Schattenbild,

Ach, ich kann es nicht erreichen,

Und das Herz bleibt ungestillt!

Komm herab, du schöne Holde,

Und verlass dein stolzes Schloss!

Blumen, die der Lenz geboren,

Streu ich dir in deinen Schoß.

Horch, der Hain erschallt von Liedern,

Und die Quelle rieselt klar!

Raum ist in der kleinsten Hütte

Für ein glücklich liebend Paar.«

Erfahrungen austauschen über das Leben mit Schuppenflechte und Psoriasis arthritis

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Geschrieben

Der Winter ist ein rechter Mann,

Kernfest und auf die Dauer;

Sein Fleisch fühlt sich wie Eisen an

Und scheut nicht Süß noch Sauer.

Er zieht sein Hemd im Freien an

Und lässt's vorher nicht wärmen,

Und spottet über Fluss im Zahn

Und Kolik in Gedärmen.

Aus Blumen und aus Vogelsang

Weiß er sich nichts zu machen,

Hasst warmen Drang und warmen Klang

Und alle warmen Sachen.

Doch wenn die Füchse bellen sehr,

Wenn's Holz im Ofen knittert,

Und an dem Ofen Knecht und Herr

Die Hände reibt und zittert;

Wenn Stein und Bein vor Frost zerbricht

Und Teich und Seen krachen,

Das klingt ihm gut, das hasst er nicht,

Dann will er sich totlachen. -

Sein Schloss von Eis liegt ganz hinaus

Beim Nordpol an dem Strande;

Doch hat er auch ein Sommerhaus

Im lieben Schweizerlande.

Da ist er denn bald dort, bald hier,

Gut Regiment zu führen.

Und wenn er durchzieht, stehen wir

Und sehn ihn an und frieren.

Matthias Claudius (Urheberrecht eingehalten, schwöre!

:))

Geschrieben

Georg Trakl

Dämmerung

Im Hof, verhext von milchigem Dämmerschein,

Durch Herbstgebräuntes weiche Kranke gleiten.

Ihr wächsern-runder Blick sinnt goldner Zeiten,

Erfüllt von Träumerei und Ruh und Wein.

Ihr Siechtum schließt geisterhaft sich ein.

Die Sterne weiße Traurigkeit verbreiten.

Im Grau, erfüllt von Täuschung und Geläuten,

Sieh, wie die Schrecklichen sich wirr zerstreun.

Formlose Spottgestalten huschen, kauern

Und flattern sie auf schwarz-gekreuzten Pfaden.

O! trauervolle Schatten an den Mauern.

Die andern fliehn durch dunkelnde Arkaden;

Und nächtens stürzen sie aus roten Schauern

Des Sternenwinds, gleich rasenden Mänaden.

langsam wird es schwer, zu überschauen was schon war

und was noch nicht....

verzeiht, wenn es schon war.

dieses gedicht fasziniert mich trotz grosser traurigkeit,

weil es unsere sprache in ihrer vielfalt so schön ausnutzt.

Geschrieben

Friedrich Schiller

Spruch des Konfuzius I

Dreifach ist der Schritt der Zeit:

Zögernd kommt die Zukunft hergezogen,

Pfeilschnell ist das Jetzt entflogen,

Ewig still steht die Vergangenheit.

Keine Ungeduld beflügelt

Ihren Schritt, wenn sie verweilt.

Keine Furcht, kein Zweifeln zügelt

Ihre Lauf, wenn sie enteilt.

Keine Reu', kein Zaubersegen

Kann die Stehende bewegen.

Möchtest du beglückt und weise

Endigen des Lebens Reise?

Nimm die Zögernde zum Rat,

Nicht zum Werkzeug deiner Tat,

Wähle nicht die Fliehende zum Freund,

Nicht die Bleibende zum Feind.

Geschrieben

Freu dich über jede Stunde...

Die Du lebst auf dieser Welt.

Freu Dich, dass die Sonne aufgeht

Und auch, dass der Regen fällt.

Du kannst atmen, Du kannst fühlen,

Du kannst auf neuen Wegen gehn.

Freu Dich, dass Dich andere brauchen

Und dir in die Augen sehn.

Freue Dich an jedem Morgen,

Dass ein neuer Tag beginnt.

Freu Dich an den Frühlingsblumen

Und am kalten Winterwind.

Du kannst hoffen, Du kannst kämpfen,

Du kannst dem Bösen widerstehen.

Freu Dich, dass die dunklen Wolken

Irgendwann vorübergehn.

Freue Dich an jedem Abend,

Dass Du ein Zuhause hast.

Freu Dich an den schönen Stunden

Und vergiss die laute Hast.

Du kannst lieben, Du kannst träumen,

Und jemand kann Dich gut verstehen.

Freu Dich über jede Stunde,

Denn das Leben ist so schön.

(Verfasser unbekannt)

[ame]

[/ame]
Geschrieben

Joachim Ringelnatz

Der Briefmark

Ein männlicher Briefmark erlebte

Was Schönes, bevor er klebte.

Er war von einer Prinzessin beleckt.

Da war die Liebe in ihm erweckt.

Er wollte sie wiederküssen,

Da hat er verreisen müssen.

So liebte er sie vergebens.

Das ist die Tragik des Lebens . . .

Geschrieben

Du sagst, du liebst die Sonne -

doch wenn sie scheint,

gehst du ins Haus.

Du sagst, du liebst den Wind -

doch wenn er weht,

schließt du die Fenster.

Du sagst, du liebst den Regen -

doch wenn es regnet,

spannst du den Schirm auf.

Verstehst du jetzt,

warum ich Angst bekomme,

wenn du sagst

„Ich liebe Dich“?

(unbekannter Verfasser)

Geschrieben

ein stinktier

ein stinktier saß auf einer bank

und stank

es hatte keine eile

es stank aus langeweile

da war die sonne schon versunken

da hat es immer noch gestunken!;)

autor unbekannt

Geschrieben

Clemens Brentano

Lureley

Zu Bacharach am Rheine,

Wohnt eine Zauberin,

Die war so schön und feine

Und riss viel Herzen hin,

Und machte viel zuschanden

Der Männer rings umher,

Aus ihren Liebesbanden

War keine Rettung mehr.

Der Bischof ließ sie laden

Vor geistliche Gewalt,

Und musste sie begnaden,

So schön war ihr' Gestalt.

Er sprach zu ihr gerühret,

»Du arme Lore Lay.

Wer hat dich dann verführet

Zu böser Zauberei.«

»Herr Bischof lasst mich sterben,

Ich bin des Lebens müd,

Weil jeder muss verderben

Der meine Augen sieht.

Die Augen sind zwei Flammen,

Mein Arm ein Zauberstab,

O schickt mich in die Flammen,

O brechet mir den Stab.«

»Den Stab kann ich nicht brechen,

Du schöne Lore Lay,

Ich müsste dann zerbrechen,

Mein eigen Herz entzwei.

Ich kann dich nicht verdammen,

Bis du mir erst bekennt

Warum in deinen Flammen

Mein eignes Herz schon brennt.«

»Herr Bischof mit mir Armen

Treibt nicht so bösen Spott,

Und bittet um Erbarmen

Für mich den lieben Gott,

Ich darf nicht länger leben,

Ich lieb' kein Leben mehr

Den Tod sollt ihr mir geben,

Drum kam ich zu euch her.

Ein Mann hat mich betrogen,

Hat sich von mir gewandt,

Ist fort von mir gezogen

Fort in ein andres Land.

Die Blicke sanft und wilde,

Die Wangen rot und weiß,

Die Worte still und milde,

Die sind mein Zauberkreis.

Ich selbst muss drin verderben,

Das Herz tut mir so weh,

Vor Jammer möcht' ich sterben,

Wenn ich zum Spiegel seh'.

Drum lasst mein Recht mich finden,

Mich sterben, wie ein Christ,

Denn alles muss verschwinden

Weil er mir treulos ist.«

Drei Ritter ließ er holen:

»Bringt sie ins Kloster hin,

Geh Lore! Gott befohlen,

Sei dein berückter Sinn.

Du sollst ein Nönnchen werden,

Ein Nönnchen schwarz und weiß.

Bereite dich auf Erden

Zum Tod mit Gottes Preis.«

Zum Kloster sie nun ritten

Die Ritter alle drei,

Und traurig in der Mitten

Die schöne Lore Lay.

»O Ritter lasst mich gehen,

Auf diesen Felsen groß,

Ich will noch einmal sehen,

Nach meines Buhlen Schloss,

Ich will noch einmal sehen

Wohl in den tiefen Rhein,

Und dann ins Kloster gehen,

Und Gottes Jungfrau sein.«

Der Felsen ist so jähe,

So steil ist seine Wand,

Sie klimmen in die Höhe,

Da tritt sie an den Rand,

Und sprach: »Willkomm, da wehet

Ein Segel auf dem Rhein,

Der in dem Schifflein stehet,

Der soll mein Liebster sein.

Mein Herz wird mir so munter,

Er muss der Liebste sein.«

Da lehnt sie sich hinunter

Und stürzet in den Rhein.

Es fuhr mit Kreuz und Fahne

Das Schifflein an das Land,

Der Bischof saß im Kahne,

Sie hat ihn wohl erkannt.

Das er das Schwert gelassen,

Dem Zauber zu entgehn,

Das er zum Kreuz tät fassen,

Das konnt' sie nicht verstehn.

Wer hat dies Lied gesungen

Ein Priester auf dem Rhein

Und immer hat's geklungen,

Vom hohen Felsenstein

Lureley

Lureley

Lureley.

Als wären es meiner drei!

Geschrieben

Enttäuschte Tränen in meinem Gesicht,

schnell verschämt weggewischt.

In meinen Händen keine Macht,

verlorene Träume in der Nacht.

Spöttisches Lächeln fliegt über mein Gesicht,

mit empörenden Gedanken vermischt.

Gefühl ist Schwäche, Härte zu gewagt -

Kann mit niemandem reden - schon zu viel gesagt...?

Alles in mir rebelliert, kann nicht begreifen, was

passiert.

Stell mir Wünsche in den Kopf,

doch kann nicht glauben - ausgehofft.

Ziellos treibend in der quälenden Zeit - viel zu oft.

Nur ein Funken Hoffnung öffnet automatisch Tore,

verspricht unerwartetes Glück,

wenn in den Zauber eingeweiht.

Hämmernde Gedanken,

im Bauch ein wütender Kampf,

ein eisiges Zittern der Angst in mir

- schmerzhaft angespannt.

Eine leise Stimme in meinem Kopf:

Denke nie, Du kannst nicht,

glaube nur an Dich,

Nicht hier wirst Du es finden,

such es ganz tief in dir drin,

denn erst durch deine eigenen Augen

bekommt deines und des anderen

Menschen Leben einen Sinn

Gruß klaus

Geschrieben

Christian Friedrich Daniel Schubart

Die Forelle

In einem Bächlein helle,

Da schoss in froher Eil

Die launische Forelle

Vorüber wie ein Pfeil.

Ich stand an dem Gestade

Und sah in süßer Ruh

Des muntern Fischleins Bade

Im klaren Bächlein zu.

Ein Fischer mit der Rute

Wohl an dem Ufer stand,

Und sah's mit kaltem Blute,

Wie sich das Fischlein wand.

So lang dem Wasser Helle,

So dacht ich, nicht gebricht,

So fängt er die Forelle

Mit seiner Angel nicht.

Doch endlich ward dem Diebe

Die Zeit zu lang. Er macht

Das Bächlein tückisch trübe,

Und eh ich es gedacht,

So zuckte seine Rute,

Das Fischlein zappelt dran,

Und ich mit regem Blute

Sah die Betrogene an.

Die ihr am goldenen Quelle

Der sicheren Jugend weilt,

Denkt doch an die Forelle,

Seht ihr Gefahr, so eilt!

Meist fehlt ihr nur aus Mangel

Der Klugheit, Mädchen, seht

Verführer mit der Angel!

Sonst blutet ihr zu spät!

Geschrieben

Ich liebe die Liebe,

und die Liebe liebt mich,

doch die ich Liebe,

die fixxt nen Anderen!

Sorry für den vulgären Ausdruck, ist nen mordernes Gedicht :-)

Und nein, es hat keinen realen Bezug zu meinem Privatleben.

Geschrieben

Ludwig Uhland

Das Schloss am Meere

Hast du das Schloss gesehen,

Das hohe Schloss am Meer?

Golden und rosig wehen

Die Wolken drüber her.

Es möchte sich niederneigen

In die spiegelklare Flut;

Es möchte streben und steigen

In der Abendwolken Glut.

"Wohl hab ich es gesehen,

Das hohe Schloss am Meer,

Und den Mond darüber stehen,

Und Nebel weit umher."

Der Wind und des Meeres Wallen

Gaben sie frischen Klang?

Vernahmst du aus hohen Hallen

Saiten und Festgesang?

"Die Winde, die Wogen alle

Lagen in tiefer Ruh',

Einem Klagelied aus der Halle

Hört' ich mit Tränen zu."

Sahest du oben gehen

Den König und sein Gemahl?

Der roten Mäntel Wehen,

Der goldnen Kronen Strahl?

Führten sie nicht mit Wonne

Eine schöne Jungfrau dar,

Herrlich wie eine Sonne,

Strahlend im goldnen Haar?

"Wohl sah ich die Eltern beide,

Ohne der Kronen Licht,

Im schwarzen Trauerkleide;

Die Jungfrau sah ich nicht."

Geschrieben

Mutters Hände

Hast uns Stulln jeschnitten

un Kaffe jekocht

un de Töppe rübajeschohm -

un jewischt un jenäht

un jemacht un jedreht...

alles mit deine Hände.

Hast de Milch zujedeckt,

uns Bonbongs zujesteckt

un Zeitungen ausjetragen -

hast die Hemden jezählt

und Kartoffeln jeschält...

alles mit deine Hände.

Hast uns manches Mal

bei jroßem Schkandal

auch'n Katzenkopp jejeben.

Hast uns hochjebracht.

Wir wahn Sticker acht,

sechse sind noch am Leben...

Alles mit deine Hände.

Heiß warn se un kalt.

Nu sind se alt.

Nu bist du bald am Ende.

Da stehn wir nu hier,

und denn komm wir bei dir

und streicheln deine Hände.

Kurt Tucholsky

Geschrieben

Heinrich Heine

Sie saßen und tranken am Teetisch

Sie saßen und tranken am Teetisch

und sprachen von Liebe viel.

Die Herren, die waren ästhetisch,

die Damen von zartem Gefühl.

„Die Liebe muss sein platonisch“,

der dürre Hofrat sprach.

Die Hofrätin lächelt ironisch.

Und dennoch seufzet sie: „Ach!“

Der Domherr öffnet den Mund weit:

„Die Liebe sei nicht zu roh,

sie schadet sonst der Gesundheit.“

Das Fräulein lispelt: „Wieso?“

Die Gräfin spricht wehmütig:

„Die Liebe ist eine Passion!“

Und präsentieret gütig

die Tasse dem Herren Baron.

Am Tische war noch ein Plätzchen;

mein Liebchen, da hast du gefehlt.

Du hättest so hübsch, mein Schätzchen,

von deiner Liebe erzählt.

Geschrieben
Mutters Hände

Was für ein schönes Gedicht! Was ist das für ein Dialekt? Erinnert mich irgendwie an ... happyman.

Geschrieben
Was ist das für ein Dialekt?

Marjellchen, du hast dir beklackert mit das Jelbe von Ei! ;)

Geschrieben

Da das hier ja nicht der "Wikifreie"-Thread ist, hab ich mal eben dieses Wiki bemüht - und mit doch beträchtlichem Erstaunen festgestellt, dass das Berliner Dialekt sein soll. Oder zumindest irgendwas Ostpreussisches ... :confused:

Geschrieben

Berliner Gassenhauer

Du kannst mir mal forn Sechser,

Weil wir uns beede kenn',

Bei Kranzlern an die Ecke

Nach Kuchenkrümel renn'.

Ick jeh Dir nich bei Kranzlern,

Det tuste janz jut wissen,

Bei Kranzlern an die Ecke,

Da wirste rausjeschmiss'n.

Denn kannst mir forn Sechsern,

weil wir uns beede kenn',

mit blankjewichste Stiebeln

den Buckel runter renn'.

Geschrieben

Mal etwas Hamelner Plattduitsch:

" Dat is de Natur öhr Starwedag" v. Christian Flemes

Dei Newel bruet.

Dei lesse Bläer fallt matt un swaar teo´r Eere dal.

Dei Böme recket in dei Luft,

dei kahlen Telgen, gries un fahl.-

En Stöhnen geiht dör dei Natur,

en Seufzer, as in greoter Not,

ganz liese man, dei lesste Kraft,

denn hinnerher kümmt al de Dod.-

Öhr weert de Afschied gar teo swaar;

an jeden Rispen, jeden Sprick,

da hänget Tranen klar und hell,

wenn ook de Neewel noch seo dick.-

Dat is Natur öhr Starwedag,

un ut den Tannengrund da schriet

dei Häksters und dei Kreihen öhr

en wildet, heeserg Starwelied.

Geschrieben

Die Weihnachtsfeier des Kuttel Daddeldu!

Die Springburn hatte festgemach

Am Peterskai.

Kuttel Daddeldu jumpte an Land,

Durch den Freihafen und die stille heilige Nacht

Und am Zollwächter vorbei.

Er schwenkte einen Bananensack in der Hand.

Damit wollte er dem Zollmann den Schädel spalten.

Wenn er es wagte, ihn anzuhalten.

Da flohen die zwei voreinander mit drohenden Reden.

Aber auf einmal trafen sich wieder beide im König von Schweden.

Daddeldus Braut liebte die Männer vom Meere,

denn sie stammte aus Bayern.

Und jetzt war sie bei einer Abortfrau in der Lehre,

Und bei ihr wollte Kuttel Daddeldu Weihnachten feiern.

Im König von Schweden war Kuttel bekannt als Krakeeler,

Deswegen begrüßte der Wirt ihn freundlich: "Hallo old sailer!"

Daddeldu liebte solch freie, herzhafte Reden,

Deswegen beschenkte er gleich den König von Schweden.

Er schenkte ihm Feigen und sechs Stück Kolibri

Und sagte: "Da nimm, du Affe!"

Daddeldu sagte nie "Sie".

Er hatte auch Wanzen und eine Masse

Chinesischer Tassen für seine Braut mitgebracht.

Aber nun sangen die Gäste "Stille Nacht, Heilige Nacht".

Und da schenkte er jeden Gast eine Tasse

Und behielt für die Braut nur noch drei.

Aber als er sich später mal drauf setzte,

Gingen auch diese versehentlich noch entzwei,

Ohne daß sich Daddeldu selber verletzte.

Und ein Mädchen nannte ihn Trunkenbold

Und schrie: er habe sie an die Beine geneckt.

Aber Daddeldu zahlte alles in englischen Pfund in Gold.

Und das Mädchen steckte ihm Christkonfekt

Still in die Taschen und lächelte hold.

Und goß noch Genever zu dem Gilka mit Rum in den Sekt.

Daddeldu dachte an die wartende Braut.

Aber es hatte nicht sein gesollt,

Denn nun sangen sie wieder so schön und so laut.

Und Daddeldu hatte die Wanzen noch nicht verzollt,

Deshalb zahlte er alles in englischen Pfund in Gold.

Und das war alles wie Traum.

Plötzlich brannte der Weihnachtsbaum.

Plötzlich brannte das Sofa und die Tapete,

Kam eine Marmorplatte geschwirrt,

Rannte der große Spiegel gegen den kleinen Wirt.

Und die See ging hoch und der Wind wehte.

Daddeldu wankte mit einer blutigen Nase

(Nicht mit seiner eigenen) hinaus auf die Straße.

Und eine höhnische Stimme hinter ihm schrie:

"Sie Daddel Sie!"

Und links und rechts schwirrten die Kolibri.

Die Weihnachtskerzen im Pavillon an der Mattentwiete erloschen.

Die alte Abortfrau begab sich zur Ruh.

Draußen stand Daddeldu

Und suchte für alle Fälle nach einem Groschen.

Da trat aus der Tür seine Braut

Und weinte laut:

Warum er so spät aus Honolulu käme?

Ob er sich gar nicht mehr schäme?

Und klappte die Tür wieder zu

An der Tür stand: "Für Damen".

Es dämmerte langsam. Die ersten Kunden kamen,

Und stolperten über den schlafenden Daddeldu.

Joachim Ringelnatz 1883-1934

Geschrieben

Adolf Glassbrenner

1-10

An Deutschlands bald'ger 1heit,

da 2fle ich noch sehr;

Ick jebe keenen 3er

4 diese Hoffnung her.

5 Nationalitäten

Sind, wo 6 Deutsche stehn,

Die Alle abzu 7,

Gebt 8, det wird nich jehn:

Viel sind dem 9 noch abhold

Vom Scheitel bis zum 10.

Geschrieben

Der Abend kommt

Der Abend kommt von weit gegangen

durch den verschneiten, leisen Tann.

Dann presst er seine Winterwangen

an alle Fenster lauschend an.

Und stille wird ein jedes Haus;

die Alten in den Sesseln sinnen,

die Mütter sind wie Königinnen,

die Kinder wollen nicht beginnen

mit ihrem Spiel. Die Mägde spinnen

nicht mehr. Der Abend horcht nach innen,

und innen horchen sie hinaus.

Rainer Maria Rilke, 1875 - 1926

Geschrieben

Gottfried Keller

Erster Schnee

Wie nun alles stirbt und endet

und das letzte Lindenblatt

müd sich an die Erde wendet

in die warme Ruhestatt.

So auch unser Tun und Lassen,

was uns zügellos erregt,

unser Lieben unser Hassen

sei' ins welke Laub gelegt!

Reiner weißer Schnee, oh schneie,

decke beide Gräber zu,

dass die Seele uns gedeihe

still und kühl in Wintersruh!

Bald kommt jene Frühlingswende,

die allein die Liebe weckt,

wo der Hass umsonst die Hände

dräuend aus dem Grabe streckt.

Geschrieben

Es treibt der Wind

Es treibt der Wind im Winterwalde

die Flockenherde wie ein Hirt,

und manche Tanne ahnt, wie balde

sie fromm und lichterheilig wird,

und lauscht hinaus, den weißen Wegen

streckt sie die Zweige hin - bereit,

und wehrt dem Wind und wächst entgegen

der einen Nacht der Heiligkeit.

Rainer Maria Rilke

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