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Gast kaschek

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Geschrieben

Auswanderer

Hoihoh! Der Fahrwind bläst mit Macht

Und pfeift in Segeln und Tauen;

Nun eilet, eure letzte Fracht

Im Zwischendeck zu stauen;

Der Anker entwindet sich dem Sand,

Aufsteigt der Rauch, der schwarze;

Ade, ihr Männer aus Schwabenland,

Aus Hessen und vom Harze!

Und wie ihr jauchzt in das Wellenreich,

Hoch springen die grünen Pferde,

Die schaumgemähnten, und tragen euch

Hinweg von der heimischen Erde.

Ade ihr Männer, ihr Weiber ade!

Ade ihr rosigen Kinder!

Der tropische Urwald, der nordische Schnee

Erharren die Pfadefinder.

Zieht hin, zieht hin, in das neue Land

Mit kühnem Hoffen und Wagen

Die deutsche Hand und den deutschen Verstand

Und das deutsche Herze zu tragen!

Schon seh' ich's: der dämmernden Urwaldnacht

Alt-riesige Fichten und Eichen,

Sie werden zu Fall und Sturz gebracht

Von rodender Aexte Streichen.

Rothäutige Söhne des Waldes flieh'n,

Die Wölfe flieh'n und die Bären,

Des Sumpfes giftige Dünste verzieh'n

Und golden wallen die Aehren;

Breitstirnige Heerden lagern, wo viel

Fruchttragende Zweige sie schirmen,

Des Stromes Wogen zerfurcht der Kiel,

Die Stadt beginnt sich zu thürmen.

Und wo noch jüngst mit heiserem Schrei

Der Aar gestürzt auf die Beute,

Da rufet nun die Menge herbei

Ein festliches Glockengeläute;

Des ersten Erntekranzes Pracht

Umschlinget mit hellen Farben

Den Segen, den euch das Jahr gebracht,

Das junge Rind und die Garben.

Und freudig bringet das Elternpaar

Mit Stolz und lachender Wonne

Den ersten Sohn, den die Fremde gebar,

Und zeigt ihn der neuen Sonne.

Sie legen ihn auf den geweihten Grund,

Den sie entrangen der Wildnis:

"Hier wachse, gedeihe frei und gesund,

Als würdiger Väter Bildnis!"

Sie wiegen den Sohn und singen auf's neu'

Der Heimat alte Weisen,

Die alten Lieder von deutscher Treu'

Und von dem deutschen Eisen,

Von deutscher Kraft und Majestät,

Von hohen Helden und Frauen -

Hoihoh! Ein guter Fahrwind weht

Und pfeift in Segeln und Tauen.

Arthur Fitger . 1840 - 1909

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Erfahrungen austauschen über das Leben mit Schuppenflechte und Psoriasis arthritis

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Geschrieben

Rainer Maria Rilke

Im Herbst

Ein Riesenspinngewebe, zieht

Altweibersommer durch die Welt sich; –

und der Laurenziberg gefällt sich

im goldig-bräunlichen Habit.

Weil er so mild herübersieht,

sucht müd, gestützt auf Strahlenkrücken,

die Sonne hinter seinem Rücken

schon frühe ihr Valladolid.

Geschrieben

Stamm der Liebenden

wir kommen aus dem Stamm der liebenden

unser Proviant ist die Liebe

Ihr Menschen! dies schenken wir euch

euch, die ihr vergessen habt zu lieben

euch, deren Hoffnung die grüne Farbe verloren hat

euch, die ihr der Stimme eurs Herzens nicht mehr hört

euch, denen die Angst die Kraft zum Leben geraubt hat#euch, die ihren Stamm verloren gabt

kommt, miteinander zu leben

kommt, bis die Farbe der Hoffnung grüner, die Farbe der Liebe blauer wird

kommt zu unserem stamm

kommt..... kommt

Mahnaz

Geschrieben

Gerhart Hauptmann

Hiddensee, den 29. Juli 1885

Von dem Lager heb' ich sacht

meine müden Glieder;

eine warme Sommernacht

draussen stärkt sie wieder.

Mondschein liegt um Meer und Land

dämmerig gebreitet;

in den weissen Dünensand

Well' auf Welle gleitet.

Unaufhörlich bläst das Meer

eherne Posaunen;

Roggenfelder, segenschwer,

leise wogend raunen

Wiesenfläche, Feld und Hain

zaubereinsam schillern;

badend hoch im Mondenschein

Mondscheinlerchen trillern.

"Lerche sprich, was singst du nur

um die Mittnachtsstunde?

Dämmer liegt auf Meer und Flur

und im Wiesengrunde."

Will ich meinen Lobgesang

halb zu Ende bringen,

muss ich tag- und nächtelang

singen, singen, singen!"

Geschrieben

W.H. Auden

Funeral Blues

Stoppt jede Uhr,

Lasst ab vom Telefon,

Verscheucht den Hund, der bellend Knochen frisst,

Die rohen.

Lasst schweigen die Pianos

Und die Trommeln schlagt.

Bringt heraus den Sarg

Und ihr Klager klagt.

Lasst die Flieger kreisend,

Trauer sei Gebot,

An den Himmel schreiben:

“Er ist tot.”

Straßentauben gebt um den Hals

Starre Kreppkragen.

Polizisten lasst schwarze Handschuh tragen.

Er war mir Nord, mir Süd,

Mir Ost und West.

Des Sonntags Ruh,

Und der Woche Stress.

Mein Tag, mein Gesang,

Meine Rede, meine Nacht.

Ich dachte Liebe währed ewig-

Falsch gedacht!

Sterne sind jetzt unerwünscht,

Will nichts sehen davon.

Verpackt den Mond,

Zertrümmert die Sonn.

Fegt weg den Wald

Und des Meeres Flut.

Nie wird es sein,

So wie es war.

Nie wieder gut.

Geschrieben

Wildgänse rauschen durch die Nacht

Wildgänse rauschen durch die Nacht

Mit schrillem Schrei nach Norden –

Unstäte Fahrt! Habt acht, habt acht!

Die Welt ist voller Morden.

Fahrt durch die nachtdurchwogte Welt,

Graureisige Geschwader!

Fahlhelle zuckt, und Schlachtruf gellt,

Weit wallt und wogt der Hader.

Rausch' zu, fahr' zu, du graues Heer!

Rauscht zu, fahrt zu nach Norden!

Fahrt ihr nach Süden übers Meer –

Was ist aus uns geworden!

Wir sind wie ihr ein graues Heer

Und fahr'n in Kaisers Namen,

Und fahr'n wir ohne Wiederkehr,

Rauscht uns im Herbst ein Amen!

Walter Flex

Geschrieben

Rainer Maria Rilke

Herbststimmung

Die Luft ist lau, wie in dem Sterbezimmer,

an dessen Türe schon der Tod steht still;

auf nassen Dächern liegt ein blasser Schimmer,

wie der der Kerze, die verlöschen will.

Das Regenwasser röchelt in den Rinnen,

der matte Wind hält Blätterleichenschau; -

und wie ein Schwarm gescheuchter Bekassinen

ziehn bang die kleinen Wolken durch das Grau.

Geschrieben

Der Sturm spielt auf zum Tanze

Der Sturm spielt auf zum Tanze,

Er pfeift und saust und brüllt;

Heisa! wie springt das Schifflein!

Die Nacht ist lustig und wild.

Ein lebendes Wassergebirge

Bildet die tosende See;

Hier gähne ein schwarzer Abgrund,

Dort türmt es sich weiß in die Höh'.

Ein Fluchen, Erbrechen und Beten

Schallt aus der Kajüte heraus;

Ich halte mich fest am Mastbaum

Und wünsche: Wär ich zu Haus

Heinrich Heine

Geschrieben

Klabund

Ich baumle mit de Beene

Meine Mutter liegt im Bette,

Denn sie kriegt das dritte Kind;

Meine Schwester geht zur Mette,

Weil wir so katholisch sind.

Manchmal troppt mir eine Träne

Und im Herzen pupperts schwer;

Und ich baumle mit de Beene,

Mit de Beene vor mich her.

Neulich kommt ein Herr gegangen

Mit 'nem violetten Schal,

Und er hat sich eingehangen,

Und es ging nach Jeschkenthal!

Sonntag war's. Er grinste: "Kleene,

Wa, dein Port'menée is leer?"

Und ich baumle mit de Beene,

Mit de Beene vor mich her.

Vater sitzt zum 'zigsten Male,

Wegen "Hm" in Plötzensee,

Und sein Schatz, der schimpft sich Male,

Und der Mutter tut's so weh!

Ja, so gut wie der hat's keener,

Fressen kriegt er, und noch mehr,

Und er baumelt mit de Beene,

Mit de Beene vor sich her.

Manchmal in den Vollmondnächten

Is mir gar so wunderlich:

Ob sie meinen Emil brächten,

Weil er auf dem Striche strich!

Früh um dreie krähten Hähne,

Und ein Galgen ragt, und er...

Und er baumelt mit de Beene,

Mit de Beene vor sich her.

Geschrieben

Dunkel war’s, der Mond schien helle,

schneebedeckt die grüne Flur,

als ein Auto, blitzeschnelle,

langsam um die Ecke fuhr.

Drinnen saßen stehend Leute,

schweigend ins Gespräch vertieft,

als ein totgeschoss’ner Hase

auf der Sandbank Schlittschuh lief.

Auf ’ner grünen Bank,

die rot angestrichen war,

saß ein blondgelockter Jüngling

mit kohlrabenschwarzem Haar.

Neben ihm ’ne alte Schrulle,

zählte kaum erst sechszehn Jahr,

und sie aß 'ne Butterstulle,

die mit Schmalz bestrichen war.

Und verliebt sprach er zu ihr,

mein geliebtes Trampeltier.

Augen hast du wie Korallen,

die dir aus dem Kopfe fallen.

Und eine Nase sag ich dir,

alle Kälber gleichen dir.

Droben auf dem Apfelbaume,

der sehr süße Birnen trug,

hing der Frühlings letzte Pflaume

und an Nüssen noch genug.

Und der Wagen fuhr im Trabe,

rückwärts einen Berg hinauf.

Droben zog ein alter Rabe

grade eine Turmuhr auf.

Ringsumher herrscht tiefes Schweigen

und mit fürchterlichem Krach,

spielen in des Grases Zweigen

zwei Kamele lautlos Schach.

Und zwei Fische liefen munter,

durch das blaue Kornfeld hin.

Endlich ging die Sonne unter,

und der graue Tag erschien.

Dies Gedicht von Goethe,

schrieb Schiller abends bei der Morgenröte,

als er auf dem Nachttopf saß,

und die Zeitung las …

Geschrieben (bearbeitet)

steelcook, danke für diesen herrlichen klabund!

bearbeitet von grafikerin
Geschrieben

Mein Herz, ich will dich fragen

Mein Herz, ich will dich fragen,

was ist denn Liebe, sag'? -

"Zwei Seelen und ein Gedanke,

zwei Herzen und ein Schlag!"

Und sprich, woher kommt Liebe? -

"Sie kommt und sie ist da!"

Und sprich, wie schwindet Liebe? -

"Die war's nicht, der's geschah!"

Und was ist reine Liebe? -

"Die ihrer selbst vergisst!"

Und wann ist Lieb' am tiefsten? -

"Wenn sie am stillsten ist!"

Und wann ist Lieb' am reichsten? -

"Das ist sie, wenn sie gibt!"

Und sprich, wie redet Liebe? -

"Sie redet nicht, sie liebt!"

Friedrich Halm

Geschrieben

Friedrich Schiller

Spruch des Konfuzius II

Dreifach ist des Raumes Maß:

rastlos fort ohn' Unterlaß

strebt die Länge; fort in's Weite

endlos gießet sich die Breite;

grundlos senkt die Tiefe sich.

Dir ein Bild sind sie gegeben:

rastlos vorwärts musst du streben.

nie ermüdet stille stehn.

Musst in's Breite dich entfalten,

soll sich dir die Welt gestalten;

in die Tiefe musst du steigen,

soll sich dir das Wesen zeigen.

Nur Beharrung führt zum Ziel,

nur die Fülle führt zur Klarheit,

und im Abgrund wohnt die Wahrheit.

Geschrieben

Psst!

;)

Träume deine Träume in Ruh.

Wenn du niemandem mehr traust,

Schließe die Türen zu,

auch deine Fenster,

Damit du nichts mehr schaust.

Sei still in deiner Stille,

wie wenn dich niemand sieht.

Auch was dann geschieht,

Ist nicht dein Wille.

Und im dunkelsten Schatten

Lies das Buch ohne Wort.

Was wir haben, was wir hatten,

Was wir - -

Eines Morgens ist alles fort.

--------------------------------------------------------------------------------

Ringelnatz!

Geschrieben

Nur für Heute

Achte gut auf diesen Tag,

denn er ist das Leben -

Das Leben allen Lebens.

In seinem kurzen Ablauf

liegt alle Wirklichkeit und Wahrheit des

Daseins,

die Wonne des Wachsens, die Größe der Tat,

die Herrlichkeit der Kraft -

denn das Gestern ist nichts als ein Traum

und das Morgen nur eine Vision.

Das Heute jedoch - recht gelebt -

macht jedes Gestern zu einem Traum

voller Glück

und jedes Morgen zu einer Vision

voller Hoffnung.

Drum achte gut auf diesen Tag!

(übersetzt aus dem Sanskrit)

Geschrieben

Hermann Hesse

Der Garten trauert

Der Garten trauert,

Kühl sinkt in die Blumen der Regen.

Der Sommer schauert

Still seinem Ende entgegen.

Golden tropft Blatt um Blatt

Nieder vom hohen Akazienbaum.

Sommer lächelt erstaunt und matt

In den sterbenden Gartentraum.

Lange noch bei den Rosen

Bleibt er stehen, sehnt sich nach Ruh.

Langsam tut er die (großen)

Müdgewordnen Augen zu.

Geschrieben

Ein Weib

Sie hatten sich beide so herzlich lieb,

Spitzbübin war sie, er war ein Dieb.

Wenn er Schelmenstreiche machte,

Sie warf sich aufs Bett und lachte.

Der Tag verging in Freud und Lust,

Des Nachts lag sie an seiner Brust.

Als man ins Gefängnis ihn brachte,

Sie stand am Fenster und lachte.

Er ließ ihr sagen: O komm zu mir,

Ich sehne mich so sehr nach dir,

Ich rufe nach dir, ich schmachte -

Sie schüttelt' das Haupt und lachte.

Um sechse des Morgens ward er gehenkt,

Um sieben ward er ins Grab gesenkt;

Sie aber schon um achte

Trank roten Wein und lachte.

Heinrich Heine

Geschrieben

Conrad Ferdinand Meyer

Novembersonne

In den ächzenden Gewinden

Hat die Kelter sich gedreht,

Unter meinen alten Linden

Liegt das Laub hoch aufgeweht.

Dieser Erde Werke rasten,

Schon beginnt die Winterruh -

Sonne, noch mit unverblassten,

Goldnen Strahlen wanderst du!

Ehe sich das Jahr entlaubte,

Gingen, traun, sie müßig nie,

Nun an deinem lichten Haupte

Flammen unbeschäftigt sie.

Erst ein Ackerknecht, ein Schnitter,

Und ein Traubenkoch zuletzt

Bist du nun der freie Ritter,

Der sich auf der Fahrt ergetzt.

Und die Schüler, zu den Bänken

Kehrend, grüßen jubelvoll,

Hingelagert vor den Schenken,

Dich als Musengott Apoll.

Geschrieben

Bleib einmal stehn und haste nicht

und schau das kleine stille Licht.

Hab einmal Zeit für dich allein

zum reinen Unbekümmertsein.

Lass deine Sinne einmal ruhn

und hab den Mut zum Garnichtstun.

Lass diese wilde Welt sich drehn

und hab das Herz, sie nicht zu sehn.

Sei wieder Mensch und wieder Kind

und spür, wie Kinder glücklich sind.

Dann bist von aller Hast getrennt

du auf dem Weg hin zum Advent.

Autor unbekannt

[ame]

[/ame]
Geschrieben

Wenn die trüben Tage grauen,

Kalt und feindlich blickt die Welt,

Findet scheu sich Dein Vertrauen,

Ganz auf sich allein gestellt.

Aber in dich selbst verwiesen,

Aus der alten Freuden Land,

Siehst Du neuen Paradiesen,

Deinen Glauben zugewandt.

Als dein eigenstes erkennst du,

Was dir fremd und feind erschien,

Und mit neuem Namen nennst du,

Dein Geschick und und nimmst es hin.

Was dich zu erdrücken drohte,

zeigt sich freundlich atmet Geist,

Ist ein Führer ist ein Bote,

Der dich hoch und höher weist.

H.Hesse

Geschrieben

Zum 250.

Friedrich Schiller

Der Taucher

"Wer wagt es, Rittersmann oder Knapp,

Zu tauchen in diesen Schlund?

Einen goldnen Becher werf ich hinab,

Verschlungen schon hat ihn der schwarze Mund.

Wer mir den Becher kann wieder zeigen,

Er mag ihn behalten, er ist sein eigen."

Der König spricht es und wirft von der Höh

Der Klippe, die schroff und steil

Hinaushängt in die unendliche See,

Den Becher in der Charybde Geheul.

"Wer ist der Beherzte, ich frage wieder,

Zu tauchen in diese Tiefe nieder?"

Und die Ritter, die Knappen um ihn her

Vernehmen's und schweigen still,

Sehen hinab in das wilde Meer,

Und keiner den Becher gewinnen will.

Und der König zum drittenmal wieder fraget:

"Ist keiner, der sich hinunter waget?"

Doch alles noch stumm bleibt wie zuvor,

Und ein Edelknecht, sanft und keck,

Tritt aus der Knappen zagendem Chor,

Und den Gürtel wirft er, den Mantel weg,

Und alle die Männer umher und Frauen

Auf den herrlichen Jüngling verwundert schauen.

Und wie er tritt an des Felsen Hang

Und blickt in den Schlund hinab,

Die Wasser, die sie hinunterschlang,

Die Charybde jetzt brüllend wiedergab,

Und wie mit des fernen Donners Getose

Entstürzen sie schäumend dem finstern Schoße.

Und es wallet und siedet und brauset und zischt,

Wie wenn Wasser mit Feuer sich mengt,

Bis zum Himmel spritzet der dampfende Gischt,

Und Flut auf Flut sich ohn Ende drängt,

Und will sich nimmer erschöpfen und leeren,

Als wollte das Meer noch ein Meer gebären.

Doch endlich, da legt sich die wilde Gewalt,

Und schwarz aus dem weißen Schaum

Klafft hinunter ein gähnender Spalt,

Grundlos, als ging's in den Höllenraum,

Und reißend sieht man die brandenden Wogen

Hinab in den strudelnden Trichter gezogen.

Jetzt schnell, eh die Brandung wiederkehrt,

Der Jüngling sich Gott befiehlt,

Und - ein Schrei des Entsetzens wird rings gehört,

Und schon hat ihn der Wirbel hinweggespült,

Und geheimnisvoll über dem kühnen Schwimmer

Schließt sich der Rachen, er zeigt sich nimmer.

Und stille wird's über dem Wasserschlund,

In der Tiefe nur brauset es hohl,

Und bebend hört man von Mund zu Mund:

"Hochherziger Jüngling, fahre wohl!"

Und hohler und hohler hört man's heulen,

Und es harrt noch mit bangem, mit schrecklichem Weilen.

Und wärfst du die Krone selber hinein

Uns sprächst: Wer mir bringet die Kron,

Er soll sie tragen und König sein -

Mich gelüstete nicht nach dem teuren Lohn.

Was die heulende Tiefe da unter verhehle,

Das erzählt keine lebende glückliche Seele.

Wohl manches Fahrzeug, vom Strudel gefaßt,

Schoß jäh in die Tiefe hinab,

Doch zerschmettert nur rangen sich Kiel und Mast,

Hervor aus dem alles verschlingenden Grab.-

Und heller und heller, wie Sturmes Sausen,

Hört man's näher und immer näher brausen.

Und es wallet und siedet und brauset und zischt,

Wie wenn Wasser mit Feuer sich mengt,

Bis zum Himmel spritzet der dampfende Gischt,

Und Well auf Well sich ohn Ende drängt,

Und wie mit des fernen Donners Getose

Entstürzt es brüllend dem finstern Schoße.

Und sieh! aus dem finster flutenden Schoß,

Da hebet sich's schwanenweiß,

Und ein Arm und ein glänzender Nacken wird bloß,

Und es rudert mit Kraft und mit emsigem Fleiß,

Und er ist's, und hoch in seiner Linken

Schwingt er den Becher mit freudigem Winken.

Und atmete lang und atmete tief

Und begrüßte das himmlische Licht.

Mit Frohlocken es einer dem andern rief:

"Er lebt! Er ist da! Es behielt ihn nicht!

Aus dem Grab, aus der strudelnden Wasserhöhle

Hat der Brave gerettet die lebende Seele."

Und er kommt, es umringt ihn die jubelnde Schar,

Zu des Königs Füßen er sinkt,

Den Becher reicht er ihm kniend dar,

Und der König der lieblichen Tochter winkt,

Die füllt ihn mit funkelndem Wein bis zum Rande,

Und der Jüngling sich also zum König wandte:

"Lange lebe der König! Es freue sich,

Wer da atmet im rosigten Licht!

Da unten aber ist's fürchterlich,

Und der Mensch versuche die Götter nicht

Und begehre nimmer und nimmer zu schauen,

Was sie gnädig bedeckten mit Nacht und Grauen.

Es riss mich hinunter blitzesschnell -

Da stürzt mir aus felsigtem Schacht

Wildflutend entgegen ein reißender Quell:

Mich packte des Doppelstroms wütende macht,

Und wie einen Kreisel mit schwindendelm Drehen

Trieb mich's um, ich konnte nicht widerstehen.

Da zeigte mir Gott, zu dem ich rief

In der höchsten schrecklichen Not,

Aus der Tiefe ragend ein Felsenriff,

Das erfasst ich behend und entrann dem Tod -

Und da hing auch der Becher an spitzen Korallen,

Sonst wär er ins Bodenlose gefallen.

Denn unter mir lag's noch, bergetief,

In purpurner Finsternis da,

Und ob's hier dem Ohre gleich ewig schlief,

Das Auge mit Schaudern hinuntersah,

Wie's von Salamandern und Molchen und Drachen

Sich regt' in dem furchtbaren Höllenrachen.

Schwarz wimmelten da, in grausem Gemisch,

Zu scheußlichen Klumpen geballt,

Der stachligte Roche, der Klippenfisch,

Des Hammers greuliche Ungestalt,

Und dräuend wies mir die grimmigen Zähne

Der entsetzliche Hai, des Meeres Hyäne.

Und da hing ich und war's mit Grausen bewußt

Von der menschlichen Hilfe so weit,

Unter Larven die einzige fühlende Brust,

Allein in der gräßlichen Einsamkeit,

Tief unter dem Schall der menschlichen Rede

Bei den Ungeheuern der traurigen Öde.

Und schaudernd dacht ich's, da kroch's heran,

Regte hundert Gelenke zugleich,

Will schnappen nach mir - in des Schreckens Wahn

Lass ich los der Koralle umklammerten Zweig;

Gleich fasst mich der Strudel mit rasendem Toben,

Doch es war mir zum Heil, er riss mich nach oben."

Der König darob sich verwundert schier

Und spricht: "Der Becher ist dein,

Und diesen Ring noch bestimm ich dir,

Geschmückt mit dem köstlichsten Edelgestein,

Versucht du's noch einmal und bringt mir Kunde,

Was du sahst auf des Meeres tiefunterstem Grunde."

Das hörte die Tochter mit weichem Gefühl,

Und mit schmeichelndem Munde sie fleht:

"Lasst, Vater, genug sein das grausame Spiel!

Er hat Euch bestanden, was keiner besteht,

Und könnt Ihr des Herzens Gelüsten nicht zähmen,

So mögen die Ritter den Knappen beschämen."

Drauf der König greift nach dem Becher schnell,

In den Strudel ihn schleudert hinein:

"Und schaffst du den Becher mir wieder zur Stell,

So sollst du der trefflichste Ritter mir sein

Und sollst sie als Ehegemahl heut noch umarmen,

Die jetzt für dich bittet mit zartem Erbarmen."

Da ergreift's ihm die Seele mit Himmelsgewalt,

Und es blitzt aus den Augen ihm kühn,

Und er siehet erröten die schöne Gestalt

Und sieht sie erbleichen und sinken hin -

Da treibt's ihn, den köstlichen Preis zu erwerben,

Und stürzt hinunter auf Leben und Sterben.

Wohl hört man die Brandung, wohl kehrt sie zurück,

Sie verkündigt der donnernde Schall -

Da bückt sich's hinunter mit liebendem Blick:

Es kommen, es kommen die Wasser all,

Sie rauschen herauf, sie rauschen nieder,

Den Jüngling bringt keines wieder.

Geschrieben

Hoffnung

Wie wäre ein Winter zu ertragen,

ohne Hoffnung auf den Frühling,

wie ein Abschied auszuhalten,

ohne Hoffnung auf ein Wiedersehen?

Nur die Hoffnung,

daß es immer wieder hell wird,

läßt uns die langen, finsteren

Nächte durchstehen.

Annegret Kronenberg

Geschrieben

Da muss ich der Annegret widersprechen:

Nur die Hoffnung,

dass es immer wieder dunkel wird,

lässt uns die langen, grellen

Tage durchstehen.

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