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Heute um 19:30 Uhr: Psoriasis-Stammtisch ×

Lieblingsgedichte!


Gast kaschek

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Geschrieben

Vollmond

Er sieht uns ständig zu beim leben, doch allen ist es nicht bewußt. Er steuert es,wie wir uns geben, mal ist es Freude,dann ist`s Frust. Er ist so unsagbar weit fern, und doch spüre ich seine Macht. Die Atmosphäre hab ich gern, es ist so hell und doch ist Nacht. Sein unheilvolles weißes Licht, läßt hinter jedem Baum was ahnen. Bin froh,erscheint der Geist dann nicht und hör doch Stimmen die mich warnen. Wie wundersam sind Vollmondnächte, wenn Du allein bist,nicht zu zwei`n. Der Sturm bewegt die Stoffgeflechte, ein Schauer geht durch Mark und Bein. In weiter ferne hörst Du Katzen, ihr unheimlich verzerrtes Schrein. Am Fenster meinst Du,siehst Du Fratzen und hoffst,das niemand kommt herein. Die Kerze durch einen Hauch erlischt, durch`s Fenster scheint der volle Mond. Es kommt Dir vor,als wär`s verwischt, dein Heim,das Du sonst bist gewohnt. Ein herrliches Gefühl der Angst, läßt Dein Herz merklich schneller schlagen. Wovor hat es mir so gebangt, wirst Du am nächsten Tag Dich fragen.

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Erfahrungen austauschen über das Leben mit Schuppenflechte und Psoriasis arthritis

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Geschrieben

Bleibt die Geliebteste zu lange aus

So viele Haare,

So viele Gedanken

Sich sonst um meinen Schädel ranken.

Doch heute nach meiner Gedankenzahl

Bin ich am Schädel ratzekahl.

Die Sehnsucht hat mir ohn' Gewissen

Das letzte Härlein ausgerissen.

Und wie des Müllers Esel dumm

Trag ich als Sack mein Hirn herum.

Alles, was ich im Leben verstund,

Hält vor der Sehnsucht erschreckt den Mund.

Die Worte fallen wie Balken schwer

Gedruckte Bücher sind plötzlich leer,

Und bleibt die Geliebteste zu lang aus,

Sitz ich ganz verblödet im Haus.

Alles werd' ich wieder neu lernen müssen,

Vielleicht sogar lieben und küssen.

Max Dauthendey

Geschrieben

Trunkenes Lied

Ich will meinen Pelz verkaufen,

Herr Wirt.

Ich will mir einen Knaben kaufen,

Der mein lieblicher Diener wird.

Der Pelz hält außen warm;

Der Wein von innen.

Hängt, eine Kette, Euch in meinen Arm!

Das Leben ward noch nie begonnen. Wir wollen's beginnen!

Tschau-tschi war ein guter Dichter und konnte prächtig saufen.

Könnt ich's ihm gleichtun!

Ich will mein Pferd verkaufen,

und ich will es gleich tun.

Die Philosophie ist eine Gottesgabe.

Es gab Philosophen, die nie einen Tropfen getrunken haben.

Glaubt Ihr, dass sie im Grabe

Weniger gestunken haben?

Ich will meine Schuhe in Zahlung geben;

Ich muß noch manchen Becher durch die Kehle seiben,

Ich kann ja auf allen Vieren nach Hause streben,

Meinetwegen will ich auch ewig hier liegen bleiben.

Du Fu (712-770)

Geschrieben

Der Mond

Der Mond kommt jetzt sehr früh herauf

Und glänzt wie Silber matt.

Es schaut kein Mensch zu ihm hinauf -

So ist das in der Stadt.

Wo keiner Zeit zu haben meint

Nach oben hin zu spähn.

Er aber kommt und geht und scheint,

Auch wenn wir ihn nicht sehn.

Das kränkt ihn nicht, das macht ihm noch

Nicht das geringste aus.

Und wenn wir schlafen, taub und blind,

Fühllos, wie Schläfer sind -

Das gilt ihm gleich, er legt uns doch

Sein Licht auf unser Haus.

(Rainer Maria Rilke)

Mond

Geschrieben

Sehnsucht

Friedrich Schiller

Ach, aus dieses Tales Gründen,

Die der kalte Nebel drückt,

Könnt ich doch den Ausgang finden,

Ach wie fühlt ich mich beglückt!

Dort erblick ich schöne Hügel,

Ewig jung und ewig grün!

Hätt ich Schwingen, hätt ich Flügel,

Nach den Hügeln zög ich hin.

Harmonieen hör ich klingen,

Töne süßer Himmelsruh,

Und die leichten Winde bringen

Mir der Düfte Balsam zu,

Goldne Früchte seh ich glühen

Winkend zwischen dunkelm Laub,

Und die Blumen, die dort blühen,

Werden keines Winters Raub.

Ach wie schön muß sichs ergehen

Dort im ewgen Sonnenschein,

Und die Luft auf jenen Höhen

O wie labend muß sie sein!

Doch mir wehrt des Stromes Toben,

Der ergrimmt dazwischen braust,

Seine Wellen sind gehoben,

Daß die Seele mir ergraust.

Einen Nachen seh ich schwanken,

Aber ach! der Fährmann fehlt.

Frisch hinein und ohne Wanken,

Seine Segel sind beseelt.

Du mußt glauben, du mußt wagen,

Denn die Götter leihn kein Pfand,

Nur ein Wunder kann dich tragen

In das schöne Wunderland.

Geschrieben

Eigentlich kann ich es gar nicht glauben, dass hier soviele Gedichte - über 300 - zusammen gekommen sind. Als ich den Thread eröffnete, habe ich im Leben nicht damit gerechnet. Wollte mich einfach mal bei allen bedanken, die hier mitgemacht haben und immer noch mitmachen. Ich habe jedes Gedicht gelesen und freue mich immer, wenn ein Neues erscheint - bisher gab es, glaub ich, kaum eines doppelt. Vielleicht schaffen wir ja noch 500 - dann bekomme ich ja evtl. von den Bossen doch noch mein Pferd!!! ;)

Danke und lieben Gruss

Manuela

Geschrieben

Der kleine Kunstreiter

Max durfte in den Zirkus geh'n,

da gab es vielerlei zu seh'n:

Ganz große, wilde Tiere und

auch einen klugen Pudelhund,

der Karten legte - und ein Schwein,

das auf französisch "Oui" konnt' schrei'n.

Der dumme August macht' ihm Spaß,

der jedermann im Wege saß.

Besonders hat's ein Reitersmann

jedoch dem Mäxchen angetan.

Der stand auf seinem flinken Pferd

auf einem Bein und ritt verkehrt.

Dann war ein Seil da, das man schwang,

durch welches Ross und Reiter sprang.

Das war ein Kunststück - Donnerblitz! -

Viel schöner noch als Augusts Witz... .

Als Mäxchen dann nach Haus gekommen,

hat Gertruds Springtau er genommen.

Das gab er Fips und Stips ins Maul

und sattelte den Steckengaul.

Das Schwesterchen fasst an das Tau:

Nun, Mäxchen spring'! - Fips bellt: Wau, wau!

Die Schwester schwingt. - Max läuft. - Stips bellt. -

Nun, hops! - Max sprint. Und - bums! - Er fällt.

Hier fliegt ein Schuh; da fliegt der Helm;

hier fliegt das Pferd; - da liegt der Schelm. -

Die Lehre hat dem Max gezeigt:

Kunstreiter sein ist nicht so leicht.

Erich Mühsam (1878 - 1934)

Geschrieben

Hier nun mein absolutes Lieblingsgedicht:

Rainer Maria Rilke

Herbsttag

Herr: Es ist Zeit. Der Sommer war sehr groß.

Leg deinen Schatten auf die Sonnenuhren,

und auf den Fluren lass die Winde los.

Befiehl den letzten Früchten voll zu sein;

gib Ihnen noch zwei südlichere Tage,

dränge sie zur Vollendung hin und jage

die letzte Süße in den schweren Wein.

Wer jetzt kein Haus hat, baut sich keines mehr.

Wer jetzt allein ist, wird es lange bleiben,

wird wachen, lesen, lange Briefe schreiben

und wird in den Alleen hin und her

unruhig wandern, wenn die Blätter treiben.

Geschrieben

Ich kann dir alles verzeihn.

Aber du mußt mir die Freiheit lassen,

Mich nicht mehr mit dir zu befassen.

Sächsische Quengelein,

Auch wenn man ihrer nur träumt,

Sind etwas, womit man die Zeit versäumt.

Du hast viel warmes Gemüt

Und lügst oft aus Höflichkeit.

Und auf diesem Boden blüht

Und gedeiht die Geschmacklosigkeit.

Ich weiß das genau. Denn ich bin

In Sachsen erwachsen. Das zu verschweigen

Oder deswegen mokant sich zu zeigen,

Hätte nicht - - oder nur sächsischen Sinn.

Ich kann deiner Falschheit nicht trauen.

Geh jetzt zur Ruh!

Blondhaarig mit schwarzen Brauen,

So schönes Mädchen du!

Aussichten find unendlich weit.

Aber Sächsisch in dieser Zeit,

Eins, Neun, Zwo, Acht - - -

Gute Nacht.

Als sie dann traurig ging,

Ward mir so bang und kalt.

Gab ich ihr keinen Halt.

Armes Ding!

(Ringelnatz)

Geschrieben

Sehnsucht

Joseph von Eichendorff

Es schienen so golden die Sterne,

Am Fenster ich einsam stand

Und hörte aus weiter Ferne

Ein Posthorn im stillen Land.

Das Herz mir im Leib entbrennte,

Da hab ich mir heimlich gedacht:

Ach, wer da mitreisen könnte

In der prächtigen Sommernacht!

Zwei junge Gesellen gingen

Vorüber am Bergeshang,

Ich hörte im Wandern sie singen

Die stille Gegend entlang:

Von schwindelnden Felsenschlüften,

Wo die Wälder rauschen so sacht,

Von Quellen, die von den Klüften

Sich stürzen in die Waldesnacht.

Sie sangen von Marmorbildern,

Von Gärten, die überm Gestein

In dämmernden Lauben verwildern,

Palästen im Mondenschein,

Wo die Mädchen am Fenster lauschen,

Wann der Lauten Klang erwacht

Und die Brunnen verschlafen rauschen

In der prächtigen Sommernacht. -

Geschrieben

Heinrich Heine

Der Tod das ist die kühle Nacht,

Das Leben ist der schwüle Tag.

Es dunkelt schon, mich schläfert,

Der Tag hat mich müd gemacht.

Über mein Bett erhebt sich ein Baum,

Drin singt die junge Nachtigall;

Sie singt von lauter Liebe,

Ich hör es sogar im Traum.

--------------------------------------

Geschrieben

Was hier fehlt ist ein Inhaltsverzeichnis.

Heinrich Heine

Ich weiß nicht, was soll es bedeuten,

Daß ich so traurig bin;

Ein Märchen aus alten Zeiten,

Das kommt mir nicht aus dem Sinn.

Die Luft ist kühl und es dunkelt,

Und ruhig fließt der Rhein;

Der Gipfel des Berges funkelt

Im Abendsonnenschein.

Die schönste Jungfrau sitzet

Dort oben wunderbar,

Ihr goldnes Geschmeide blitzet,

Sie kämmt ihr goldenes Haar.

Sie kämmt es mit goldenem Kamme,

Und singt ein Lied dabei;

Das hat eine wundersame,

Gewaltige Melodei.

Den Schiffer im kleinen Schiffe

Ergreift es mit wildem Weh;

Er schaut nicht die Felsenriffe,

Er schaut nur hinauf in die Höh.

Ich glaube, die Wellen verschlingen

Am Ende Schiffer und Kahn;

Und das hat mit ihrem Singen

Die Lore-Ley getan.

Geschrieben

Parade (Arthur Rimbaud)

Sehr solide Bürschchen.

Die Meisten haben eure kleine Welt abgeschöpft.

Ohne jeden Krampf, sie haben es nicht nötig, ihre brillanten Möglichkeiten und ihre schneidende Kenntnis um euer Gewissen offen zu legen.

Gerissene Strategen!

Die Augen stumpf wie die Nacht des Sommers, rot und schwarz, dreifarbig, Stahl mit dem Durchstich goldener Sterne.

Die Gesichter: entstellt, bleiern, aschfahl, bleich: eine lustige Heiserkeit!

Ja, dieser grausame Gang der Rauschgoldengel!

Da, dort sind ein paar Junge, wie erschiene ihnen der Cherub?- mit fürchterlicher Sprache und tödlichen Mitteln.

Man lässt sie rücklings los auf die Städte, ausstaffiert mit Luxus, widerlich.

Verdammt, ein gewaltiges Paradies der wahnsinnigen Grimasse!

Kein Vergleich mit euren Fakiren und den ganzen gespielten Witzeleien.

Ein böser Schlaf hat ihnen flüchtig Kostüme übergeworfen, darin spielen sie:

Klagelieder und Tragödien von Räubern und Halbgöttern, die keiner Religion und Geschichte je erschienen sind.

Schlitzaugen, wilde Neger, Zigeuner, Narren, Hyänen, Allverschlinger, verblödete Alte, schwarze Dämonen, sie mischen die beliebtesten Kinderlieder mit ihren bestialischen Zärtlichkeiten und Posen.

So schaffen sie neue Lieder und Stücke, von reinen, unschuldigen Mädchen.

Großartige Augenwischerei, sie kneten Orte und Menschen herum, und geben die Zaubershow.

Die Augen flammen, das Blut singt, Knochen strecken sich, Tränen und rotes Getröpfel.

Ihr Scherz oder ihr Schrecken dauert nur eine Minute, oder einen ganzen Monat.

Ich habe als einziger den Schlüssel zu dieser Parade des Rausches.

Geschrieben

Närrisches Spiel in drei Küssen

Sie hatte kaum noch Wäsche an,

Und durch das Fenster warf ein Baum

Aus halber Höhe rosa Schaum

Und Duft herein. Der Mond begann.

Sie saß im Sessel wie der Mond so blank,

Verschämt die Arme auf der jungen Brust.

Die kleinen Füße wippten unbewußt

Den Takt der Lust, mein Herz schlug fieberhaft.

Ein blauer Schatten schoß vom Laubgewirr

Herunter, traf des Leibes Elfenbein

Und stand erschrocken irr

Wie ein Insekt auf spiegelweißem Stein.

Ich küsste meine Dame heiß

Der feinen Knöchel Muskelspiel

Und war noch weit von meinem Ziel:

Sie lachte: Du, um keinen Preis.

Die schmalen Fesseln zogen sich,

Husch, in den roten Plüsch zurück,

Ich fühlte ihre Fingerspitzen im Genick

Wie Nesselgift, Insektenstich.

Sie schloß die Augen schreckhaft zu

Beim nächsten Kusse auf das Knie,

Ihr schmales Schlangenzünglein schrie:

Wagt sich dein Mund noch weiter, du.

Dann beiß ich dich! Mein Mund, im Zug

War schneller und entdeckte in dem Tal

Der Brüste das blutrote Muttermal

Und das war ihr zuletzt noch nicht genug.

Sie hatte nichts als nur die Haut noch an,

Und durch das Fenster warf ein Baum,

Als freue es auch ihn, aus rosa Schaum

Ein Seidenpfühl herein. Und Gott begann.

Arthur Rimbaud

Geschrieben

Johann Kleinfercher 1828-1902

Bei Sternenhelle

Oben wo es nächtig blaut

Funkelndes Gedränge

Unten wo das Auge taut

Mildes Sehnens Klänge

Klimme Seele,leis empor

Auf des Glanges Gleisen

Sterne glänzet der Seele vor

In des Himmels Kreisen

Geschrieben

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----------------------------------------------------------------------------

Geschrieben

Die Selbstkritik hat viel für sich.

Gesetzt den Fall, ich tadle mich,

So hab ich erstens den Gewinn,

Daß ich so hüsch bescheiden bin;

Zum zweiten denken sich die Leut,

Der Mann ist lauter Redlichkeit;

Auch schnapp ich drittens diesen Bissen

Vorweg den andern Kritiküssen;

Und viertens hoff ich außerdem

Auf Widerspruch, der mir genehm.

So kommt es denn zuletzt heraus,

Daß ich ein ganz famoses Haus.

Wilhelm Busch

Im Gedichtsband heißt es wirklich "hüsch".

Geschrieben

Eduard Mörike

Septembermorgen

Im Nebel ruhet noch die Welt,

Noch träumen Wald und Wiesen:

Bald siehst du, wenn der Schleier fällt,

Den blauen Himmel unverstellt,

Herbstkräftig die gedämpfte Welt

In warmem Golde fließen.

Geschrieben

" Komm in den totgesagten Park " von Stefan George

Komm in den totgesagten Park und schau:

Der Schimmer ferner lächelnder Gestade

Der reinen Wolken unverhofftes Blau

Erhellt die Weiher und die bunten Pfade.

Dort nimm das tiefe Gelb-

das weiche Grau

Von Birken und von Buchs

-der Wind ist lau.

Die späten Rosen welkten noch nicht ganz

Erlese küsse sie und flicht den Kranz.

Vergiss auch diese letzten Astern nicht

Den Purpur um die Ranken wilder Reben.

Und auch was übrig blieb von grünem Leben

Verschwinde leicht im

herbstlichen Gesicht.

Geschrieben

Die Rose sprach zum Mägdelein:

Ich muß dir ewig dankbar sein,

Daß du mich an den Busen drückst

Und mich mit deiner Huld beglückst.

Das Mägdlein sprach: O Röslein mein,

Bild dir nur nicht zuviel drauf ein,

Daß du mir Aug und Herz entzückst.

Ich liebe dich, weil du mich schmückst.

Wilhelm Busch

Geschrieben

...und nochmal Mascha Kaleko

Rat für Mädchen

Euer Wort - es sei nicht Ja noch nein,

Auch nicht Ent oder Weder.

Und blickt nur hold und hilflos drein,

Dann hilft gewöhnlich jeder.

Vom Hauskram haltet euch entfernt:

Lasst andre nähn und stricken.

Wer es nun einmal nicht gelernt,

Der braucht auch nicht zu flicken.

Wer dies beherzt, ihr Schönen, bleibt

Die ewige Marquise...

Wer unbelehrbar ist, der schreibt

Ratschläge nur, wie diese.

Geschrieben

Verklärter Herbst

Gewaltig endet so das Jahr

mit goldnm Wein und frucht der Gärten

rund schweigen Wälder wunderbar

und sind des Einsamen Gefährten

Da sagt der Landmann .Es ist gut

Ihr Abendglocken lang und leise

gebt noch zum Ende frohen Mut.

Ein vogelzug grüßt auf der Reise

Es ist der Liebe milde Zeit.

Im Kahn den blauen fluss hinunter,

wie schön sich bild an Bildchen reiht-

das geht in Ruh und Schweigen unter.

Georg Trakl

Geschrieben

Die Gedanken sind frei

wer kann sie erraten?

Sie fliehen vorbei

wie nächtliche Schatten.

Kein Mensch kann sie wissen,

kein Jäger erschießen

mit Pulver und Blei:

Die Gedanken sind frei!

Ich denke, was ich will

und was mich beglücket,

doch alles in der Still’

und wie es sich schicket.

Mein Wunsch und Begehren

kann niemand verwehren,

es bleibet dabei:

Die Gedanken sind frei!

Und sperrt man mich ein

im finsteren Kerker,

das alles sind rein

vergebliche Werke.

Denn meine Gedanken

zerreißen die Schranken

und Mauern entzwei:

Die Gedanken sind frei!

Drum will ich auf immer

den Sorgen entsagen

und will mich auch nimmer

mit Grillen mehr plagen.

Man kann ja im Herzen

stets lachen und scherzen

und denken dabei:

Die Gedanken sind frei!

Ich liebe den Wein,

mein Mädchen vor allen,

sie tut mir allein

am besten gefallen.

Ich bin nicht alleine

bei meinem Glas Weine,

mein Mädchen dabei:

Die Gedanken sind frei!

Noten_Die_Gedanken_sindfrei.jpg

Geschrieben

Eva Strittmatter

Vor einem Winter

Ich mach ein Lied aus Stille

und aus Septemberlicht.

Das Schweigen einer Grille

geht ein in mein Gedicht.

Der See und die Libelle.

Das Vogelbeerenrot.

Die Arbeit einer Quelle.

Der Herbstgeruch von Brot.

Der Bäume Tod und Träne.

Der schwarze Rabenschrei.

Der Orgelflug der Schwäne.

Was es auch immer sei,

das über uns die Räume

aufreißt und riesig macht

und fällt in unsre Träume

in einer finstren Nacht.

Ich mach ein Lied aus Stille.

Ich mach ein Lied aus Licht.

So geh ich in den Winter.

Und so vergeh ich nicht.

Geschrieben

Hallo, habe gestern eine Radtour gemacht. An einem Rastplatz war auf Steinplatten das Weserlied zu lesen, dass brachte mich auf die Idee, es hier reinzusetzen.

Franz von Dingelstedt

Hier hab ich so manches Liebe mal

Mit meiner Laute gesessen,

Hinunterblickend ins weite Tal,

Mein selbst und der Welt vergessen.

Und um mich klang es so froh und so hehr,

Und über mir tagt es so helle

Und unten brauste das ferne Wehr

Und der Weser blitzende Welle.

Wie liebender Sang aus geliebtem Mund,

So flüstert es rings durch die Bäume,

Und aus des Tales off'nem Grund

Begrüßten mich nickende Träume.

Und um mich klang es so froh und so hehr,

Und über mir tagt es so helle

und unten brauste das ferne Wehr

Und der Weser blitzende Welle

Da sitz' ich aufs Neue und spähe umher

Und lausche hinauf und hernieder.

Die holden Weisen rauschen nicht mehr,

Die Träume kehren nicht wieder.

Die süßen Bilder wie weit, wie weit!

Wie schwer der Himmel, wie trübe!

Fahr wohl, fahr wohl du selige Zeit!

Fahrt wohl, ihr Träume der Liebe!

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