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Bin neu hier und brauche Hilfe


Emmapil

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Geschrieben

Hallo erst mal,ich bin keine Betroffene .Bin aber in einer Pso Familie aufgewachsen,mein Vater hat es am ganzen Körper ungefähr mit 25 bekommen jetzt ist er 65 und kann mit der Krankheit immer noch nicht umgehen,lange Hemden und lange Hosen auch bei 35 Grad im Schatten.Wir drei Geschwister sind so damit aufgewachsen, Ostsee Urlaub einmal im Jahr an einsamen Stränden.

Leider hat es vor Zwei Jahren auch meine 12 Jahre jüngere Schwester bekommen,grosses entsetzen in meiner Fam..

Mein Vater sagte im Schock "mit 19 Jahren wie sollst du denn jetzt noch einen Freund finden ,oder dich in der Öffendlichkeit zeigen ,nie mehr Schwimmbad o.a."

Genau diesen Satz muß meine Schwester sich eingeprägt haben.

Möchte garnicht darüber reden verdrengt die Krankheit ,komme nicht an sie rann,möchte nicht drüber reden und wenn mit großen Gefühlausbrüchen.

Und ändern tut sie dann doch nichts.

Bitte gebt mir Tips wie ich sie aufbauen kann und das sie damit leben kann,denn das hat unser Vater uns nicht gezeigt.

Unser Leben siht gerade so aus : :):) :mad: :confused:

Erfahrungen austauschen über das Leben mit Schuppenflechte und Psoriasis arthritis

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Geschrieben

Hallo,

schön dass du versuchst deiner Schwester zu helfen.

Schwierig Antwort auf deine Frage zu geben. Textmässig kann es missverständlich rüberkommen. Ich versuche es trotzdem mal.

Ich habe selber eine 19-jährige Tochter und weiß dass man da zwar volljährig aber sicher auch noch nicht ganz so ausgereift in allen Dingen ist. Wenn dann noch "unfrei" vorgelebt wurde, ist es sicher noch schwieriger für einen Menschen in diesem Alter.

Dir bleibt der Versuch immer wieder an deine Schwester heranzutreten und ihr so auf den Nerv zu gehen bis sie irgendwann bereit ist drüber zu reden. Was Pso ist weiß sie ja, damit umzugehen muss die lernen. Das ist nicht bei jedem Menschen gleich leicht. Manche verstecken sich ihr Leben lang. Oft genug gibt es jedoch "Durchbrüche" ins Leben und bekennendes Leben mit der Pso.

Du kannst versuchen dieses Problem deiner Schwester mit therapeutischer Hilfe anzugehen. Nur musst du sie erst mal zu einem (Psycho)therapeuten schleppen. Das wird sicher schwer und dich ne Menge Kraft kosten.

Andere Möglichkeit wäre sie mal hier an diese Internetseiten heranzuführen. Im Laufe meines Beiseins sah ich hier schon einige aufblühen. Klar ist hier nicht die Wunderwelt, aber man ist unter Gleichen und tauscht sich aus. Pech kann man auch haben wenn nicht der richtige Gegenüber am anderen Ende der Leitung ist. Versuch malob sie nicht Lust hat abends in unseren Chat zu sehen. Oft genug findet man nette Leute. Gerade in jüngster Zeit finden neben Nebensächlichkeiten und dem Spass, den man einfach zu Leben braucht, wirklich schöne und ernsthaft eingehende Chats statt.

Ich hoffe ich konnte dir Tipps geben, und wünsche dir viel Glück bei deinem Vorhaben.

Gruß

Wolfgang

Geschrieben

Hallo ihr Beiden,

ich stimme Wolfgang absolut zu. Die Pso ist kräftezehrend, da braucht man einfach manchmal Hilfe um durchhalten zu können.

Leider kann ich mit unserem leicht antiken Betriebssystem auf dem Mac nicht in den Chat :mad: , da hoffe ich einfach mal darauf, dass mein Freund mal die Zeit haben wird, um was Aktuelleres zu installieren.

Es war schwer für mich, als ich vor kurzem feststellen musste, dass ich die Pso an meine Tochter "weitervererbt" habe. Sie ist nun 22 und muss sich zum ersten Male damit auseinandersetzen. Doch sie nimmt es erstaunlich gelassen. Diese Gelassenheit wünsche ich jedem!

Liebe Grüße, Spagetti :)

Geschrieben

Hallo

Vor nicht allzu langer zeit ging es mir ebenso wie deiner schwester,hab mich nicht mehr rausgetraut,im kopf gingen nur noch schuppen umher,nachts konnte ich vor juckreiz nicht schlafen ,war gereizt und mit der Psyche am ende.Durch zufall fand ich auch erst ende februar hierherein und da wurde mir erst mal klar und deutlich vor augen geführt das es tausende menschen haben ,der eine mehr der andere weniger.Bei mir klappte dann im kopf aber ein schalter um und ich hab mir gesagt so gehts nicht weiter.Es ist Quatsch sich jetzt zu verkriechen-ich weiß es ist mega schwer es nicht zu tun.Hat sie es denn am ganzen Körper?oder nur stellenweise?Sie soll echt mal hier in dem forum rumstöbern es hilft und sie ist nicht alleine.

tschüß und liebe grüße von marleen

Geschrieben

Erstmal finde ich es super lieb von Dir, dass Du Dich für Deine Schwester so einsetzt!!!

Ich muss allerdings happyman ein wenig widersprechen... Nicht böse sein wenn ich etwas aushole - aber das Kurzfassen klappt bei mir nicht so wirklich :)

Mit der Pso an sich habe ich zu wenige Erfahrung - ich habe sie erst seit einem halbe Jahr. Aber ich kann glaub ich nachvollziehen was in Deiner Schwester vorgeht - aus einer andren Erfahrung.

Bis zu meinem 15/16. Lebensjahr konnte ich nicht richtig laufen. Ich hatte eine Gehbehinderung und leider dauerte es so lange, bis sich ein Arzt fand, der mir sagen konnte was ich habe und was man machen kann.

In den vorigen Jahren habe ich sehr brutal mitbekommen wie Menschen - vorallem Kinder - sein können. Ständig war ich ausgegrenzt wurde gehänselt etc. und dementsprechend ging es mir. Es gab so viele Tage an denen ich nur noch heulte.

Meine Familie stand immer zu mir - aber genau das habe ich nicht gesehen bzw. sehen wollen. Ich habe einmal mitbekommen, wie mein Dad jemandem sagte, dass es für ihn so schlimm ist was ich habe. Damals war ich so wütend und dachte nur "Du kannst laufen, also brauchst nicht jammern!" Ich war nicht so weit zu sehen, dass es für meine Eltern mehr als schwer war meine Qualen zu sehen ohne mir zu helfen. Auch meine anderen Familienmitglieder ließ ich nicht an mich ran. Ich war neidisch auf meinen Bruder, der gesund war, der nie meine Probleme hatte, der einen riesen Freundeskreis hatte etc.

Dann kam der Tag der OP – wie ich mich freute! Aber als ich in der Klinik war, war ich geschockt – da war ein Behindertenheim dabei und was Du das für Schicksale siehst ist echt der Hammer! Da siehst Du, wie gut es Dir eigentlich geht! Dort habe ich meine heute beste Freundin kennengelernt- auch ihr ging es wesentlich schlechter als mir, aber sie hatte etwas was mir fehlte – Selbstbewusstsein!

Als ich wieder zur Schule ging wurde ich wie ein andrer Mensch behandelt – jetzt war ich ja „normal“. Am Anfang fand ich das toll – aber irgendwann merkte ich, dass ich das eigentlich total besch… finde. Ich hatte mich als Mensch nicht verändert – warum also wurde ich plötzlich akzeptiert!?

Irgendwann zu der Zeit habe ich auch endlich verstanden, wie es meiner Familie ging und habe sie an mich ran gelassen.

Was ich mit all dem sagen will ist, dass Du Deine Schwester zwar unterstützen kannst, nimm sie mit in die Stadt, zeig ihr, dass die Einstellung Eures Vater einfach absurd ist, zeig ihr wie Lebenswert das Leben ist und bring sie mit Betroffenen zusammen – das bringt denke ich am meisten. Sei Dir aber bewusst, dass Du, so lieb sie Dich auch haben mag, ein „Feind“ bist, Du bist gesund und das zu akzeptieren ist schwer. Vorallem wenn man einen Vater hat, der einem so eine Lebenseinstellung demonstriert und sie ja gewaltig nach unten zieht! Wenn sie noch zu Hause wohnt würde ich evtl. sogar überlegen, ob es nicht besser ist, wenn sie auszieht… Ist zwar ein harter Schritt, aber ich glaube mit ihm an ihrer Seite schafft sie es nicht aus dem Loch raus. Versuch sie hier in das Forum zu bringen oder sie in eine Selbsthilfegruppe zu bringen – dadurch sieht sie, dass sie nicht alleine steht. Es ist wichtig, mit Betroffenen zu reden – den nur die können wirklich verstehen und nachvollziehen was in einem vorgeht. Sei aber vorsichtig und versuche sie die Schritte selbst gehen zu lassen – sonst klappt es nicht! Motivier sie, aber zwing sie nicht – der Schuss geht nach hinten. Und wie gesagt, ich rede da aus mehr oder weniger Erfahrung… Es hat bei mir lange gedauert um zu sehen, dass die Menschen mir helfen wollen - und vorallem musste ich erstmal woviel Selbstbewusstsein bekommen, um zu sehen, dass mich diese Ignoranten mal können und dass ich auf die verzichten kann!

Geschrieben

Delphina, Du bist ein starker Mensch geworden, auch wenn es jetzt leider irgendwie platt klingt, ich bin beeindruckt. Hut ab!!!

Geschrieben

Hallo Delphina...

vielen Dank für Deine Geschichte...

Deine eigenen Erfahrungen bestärken mich eigentlich nur in meiner Einstellung und meinen Gedanken, viel selbstbewusster und vielleicht auch ein wenig egoistischer zu leben, zu denken und zu fühlen.

Vor einiger Zeit habe ich hier im Pso-Netz einmal meine -rein persönliche- Einstellung kundgetan:

"Ich messe mich lieber an Menschen, denen es gesundheitlich tlw. viel schlechter geht als mir, denn dadurch merke ich immer wieder, wie gut es mir eigentlich geht..."

Für diese Meinung habe ich auch sehr viel verbale Prügel einstecken müssen, von manchen Leuten kam gar ein Sturm der Entrüstung:

"Das kann es doch nicht sein, ich schaue lieber nach oben, anstatt nach unten..., etc."

Trotzdem stehe ich weiterhin dazu und deine Beschreibung bestärkt mich darin eigentlich nur noch mehr.

Es ist tatsächlich nicht die Art der Beeinträchtigung, es ist einfach eine Frage, wie man persönlich damit umzugehen lernt...

Klar, bisher konnte ich meine Pso immer sehr gut verstecken, konnte selbst im Sommer mit langen Hosen und Sweatshirts meine Pso-Stellen ganz gekonnt kaschieren und niemand hat's gesehen...

Und nun? Jetzt habe ich plötzlich einen infektionsbedingten Hammerschub, ich konnte in den letzten Wochen plötzlich tagelang nicht mehr gescheit laufen, weil die Psoriasis sich plötzlich an den Füssen breitgemacht hatte und sehr schmerzhafte Haut-Risse an den Fusssohlen die Folge waren.

Zum zweiten Mal in meinem Leben hatte ich plötzlich Pso an den Händen mit leuchtend roten Herden am Handrücken und Rissen an den Innenflächen, so daß ich Schmerzen hatte, wenn ich nur mal einen Kugelschreiber in die Hand nehmen wollte...

Nur, jetzt hatte ich plötzlich ein Problem, denn die Hände kann ich nunmal nicht verstecken und meine Bewegungsunfähigkeit auch nicht...

Gottseidank ist dieser Schub nun wieder weitestgehend abgeklungen und der nahende Frühling und der Stressabbau trägt sein Weiteres dazu bei, daß es mir auch ohne Medikamente wieder besser geht.

Was aber geblieben ist, sind die Erfahrungen aus dieser Situation...

Viel meine Kollegen haben zwar nachgefragt, was mit mir los sei und was ich habe, aber ich habe diese Fragen keineswegs als anstössig oder ekelnd empfunden, sondern einfach nur interessiert.

Ich habe dann ganz sachlich und direkt darauf geantwortet und bis auf einige ganz wenige Ausnahmen bekomme ich trotzdem zur Begrüssung die Hand gereicht ("Ich greif' mal lieber nicht zu feste zu, ja ?")

Und zugegeben, die ganz Wenigen, die mich seitdem angeekelt oder kommentarlos meiden, auf die kann ich auch ganz gut verzichten, denn das sind Menschen, für die es offenbar nur ein selbstgestricktes Schönheitsideal gibt und in deren kleiner Welt einfach keine roten Flecken passen... So what.?..

Deine Erzählung, daß Du in dem Behindertenheim plötzlich Menschen gesehen hast, denen es noch schlechter geht, wie Dir und Deine pers. Erkenntnis daraus, habe ich ebenfalls so erlebt. Selbst Schwerstbehinderte haben z.T. eine derart positive Lebenseinstellung und ein so starkes Selbstbewusstsein, daß ich davor einfach nur respektvoll meinen Hut ziehen kann, so mancher "Schuppi" (mich eingeschlossen) sollte sich daran mal ein Beispiel nehmen.

Und warum ist das so? Weil die Meisten dieser Menschen sich nicht einfach tarnen und verstecken können, ihre Behinderung ist nunmal eindeutig sichtbar und zum Lebensalltag geworden:

" Akzeptiert mich so oder lasst es bleiben, ich bin nunmal, wie ich bin und kann es nicht ändern..."

Ich habe in der Vergangenheit Behinderte, mit denen ich zu tun hatte, darunter u.a. Taubstumme, Blinde und Rollifahrer sogar ganz konkret darauf angesprochen und sie ganz offen gefragt, wie sie ihren Alltag und die Reaktionen von nichtbehinderten Menschen denn meistern, bzw. damit umgehen.

Die Reaktionen darauf waren stets einstimmig und eindeutig:

"Was habe ich denn für eine Alternative? Entweder die Leute akzeptieren mich, so wie ich bin, oder sie haben Pech gehabt, ich kann es nunmal nicht ändern..."

Ich will mich jetzt als Psoriatiker nicht generell als behindert ansehen, aber ich ziehe daraus dennoch ganz klare Parallelen im Zusammenhang mit dem Verständnis und der Akzeptanz meiner Mitmenschen...

Wer mich mag, der mag' mich als Mensch, und dann auch mit mehr oder weniger ausgeprägten Flecken auf der Haut...

Zugegeben, um so eine Einstellung und solch ein starkes Selbstbewusstsein zu entwickeln, braucht es eine lange, lange Zeit... es ist einfach ein wenig eigener Lerneffekt und ich wünsche mir, daß ihr trotz Eurer hässlichen Flecken auf der Haut trotzdem so stark seid, bei den ersten Sonnenstrahlen auch offen Haut zu zeigen, denn die Sonne hilft schliesslich ungemein dabei, Euer Hautbild zu verbessern. Es wäre also doch eigentlich schizophren, gerade im Sommer seine Flecken verstecken zu wollen... :)

Nur Mut also...!

(Entschuldigung, wenn mein Text jetzt etwas länger geworden ist, aber wenn ich mal schreibe, dann schreibe ich auch ganz frei von der Leber weg...Danke an die Leser, die bis hierhin durchgehalten und mich dabei auch verstanden haben...) :)

Geschrieben

Deine eigenen Erfahrungen bestärken mich eigentlich nur in meiner Einstellung und meinen Gedanken, viel selbstbewusster und vielleicht auch ein wenig egoistischer zu leben, zu denken und zu fühlen.

=> Ja es stimmt, manchmal muss man egoistisch sein. Ich bin auch jemand, dem andere wichtig sind, der für andre viel tut - aber man darf dabei nie sich selbst vergessen!

"Ich messe mich lieber an Menschen, denen es gesundheitlich tlw. viel schlechter geht als mir, denn dadurch merke ich immer wieder, wie gut es mir eigentlich geht..."

=> Ich würde mich an diesen menschen nicht "messen" sondern sie als Vorbild nehmen wie sie mit ihrem Leben umgehen!

Gottseidank ist dieser Schub nun wieder weitestgehend abgeklungen und der nahende Frühling und der Stressabbau trägt sein Weiteres dazu bei, daß es mir auch ohne Medikamente wieder besser geht.

=> Es ist schön zu lesen, dass es Dir besser geht - auch diese Momente muss man finde ich geniesen und mit andren teilen!!

Was aber geblieben ist, sind die Erfahrungen aus dieser Situation...

Viel meine Kollegen haben zwar nachgefragt, was mit mir los sei und was ich habe, aber ich habe diese Fragen keineswegs als anstössig oder ekelnd empfunden, sondern einfach nur interessiert.

Ich habe dann ganz sachlich und direkt darauf geantwortet und bis auf einige ganz wenige Ausnahmen bekomme ich trotzdem zur Begrüssung die Hand gereicht ("Ich greif' mal lieber nicht zu feste zu, ja ?")

Und zugegeben, die ganz Wenigen, die mich seitdem angeekelt oder kommentarlos meiden, auf die kann ich auch ganz gut verzichten, denn das sind Menschen, für die es offenbar nur ein selbstgestricktes Schönheitsideal gibt und in deren kleiner Welt einfach keine roten Flecken passen... So what.?..

=> Ein wenig muss ich die Ignoranten auch in Schutz nehmen: sie haben Angst davor, "anders" zu sein, Angst, dass ihre heile Welt zusammenbricht. Und sind nicht eigentlich wir glücklicher, die diesen Druck nicht haben?! Und es gibt auch Menschen, die sich nicht trauen zu fragen - aber ich denke Du kennst Deine Kollegen so weit um das beurteilen zu können...

Deine Erzählung, daß Du in dem Behindertenheim plötzlich Menschen gesehen hast, denen es noch schlechter geht, wie Dir und Deine pers. Erkenntnis daraus, habe ich ebenfalls so erlebt. Selbst Schwerstbehinderte haben z.T. eine derart positive Lebenseinstellung und ein so starkes Selbstbewusstsein, daß ich davor einfach nur respektvoll meinen Hut ziehen kann, so mancher "Schuppi" (mich eingeschlossen) sollte sich daran mal ein Beispiel nehmen.

Und warum ist das so? Weil die Meisten dieser Menschen sich nicht einfach tarnen und verstecken können, ihre Behinderung ist nunmal eindeutig sichtbar und zum Lebensalltag geworden:

" Akzeptiert mich so oder lasst es bleiben, ich bin nunmal, wie ich bin und kann es nicht ändern..."

=> Auch hier hatte ich ein wunderschönes Erlebnis: In der Klinik bzw. im Heim war ein Mongoloider Junge. Da alles ineinander ist, bin ich ihm öfter begegnet. Einmal waren wir zu 2. im Aufzug. Er sah mich an, wollte wissen wer ich bin und hat sich vorgestellt. Ein paar Tage später sah ich ihn wieder. Er schaute mich an und fragt ob ich wisse wer ich bin. Ich sagte nur ja und er sah mich mit großen, erwartungsvollen Augen an. Ich sagte seinen Namen und er fing an zu strahlen, stürmte auf mich zu und nahm mich in den Arm. Von dieser Freude war ich so fasziniert und ich denke, jemand der sich über diese "Kleinigkeit" freut kann sein Leben viel eher geniessen! Er macht sich nicht Gedanken was ist morgen, sondern lebt im hier und heute! (Übrigens: Von dem Moment an kam er jedesmal auf mich zugestürmt - selbst in der Stadt ist er seinem Zivi ausgebüxt als er mich einen halben km entfernt sah ;-)

Zugegeben, um so eine Einstellung und solch ein Selbstbewusstsein zu bekommen, braucht es eine lange, lange Zeit... es ist einfach ein wenig eigener Lerneffekt und ich wünsche mir, daß ihr trotz Eurer hässlichen Flecken auf der Haut trotzdem so stark seid, bei den ersten Sonnenstrahlen auch Haut zu zeigen, denn die Sonne hilft schliesslich ungemein dabei, Euer Hautbild zu verbessern. Es wäre also doch eigentlich schizophren, gerade im Sommer seine Flecken verstecken zu wollen... :-)

=> Ich bin mittlerweile "erst" 24 - als mir dort die Augen geöffnet wurden ging es bei mir eigentlich mehr oder weniger schnell...

Nur Mut...!

=> Das ist das, was für jeden wichtig ist!!!

So, und da ich auch schon wieder viel gelabert habe und auch mein Leben geniesen will geh ich jetzt feiern - habe heute erfahren, dass ich den ersten Teil einer Prüfung, den schriftlichen, bestanden habe ;-)

Geschrieben

Hallo Emmapil,

ich kann es sehr gut nachvollziehen wie es Deiner Schwester gehen mag, denn ich war auch damals 19 Jahre als die Psoriasis bei mir ausbrach. Auch ich habe mich damals hinter langer Kleidung versteckt. Es ist normal, dass ein junger Mensch mit einer Krankheit welche die Schönheit beeinträchtigt, sich zurückzieht und erst einmal die Welt nicht mehr versteht. Man setzt sich mit der Krankheit auseinander, leider zumeist in einem viel zu hohem Maße. Bei mir ging das damals so weit, dass ich nicht mehr in die Öffentlichkeit ging, meine Freunde nicht mehr aufsuchte und auch nicht mehr empfangen habe und sogar Kundenkontakte am Arbeitsplatz gemieden habe.

Die einzigste Person die ich noch an mich herangelassen habe war meine damalige Hausärztin. Sie war es, die es mir ermöglichte in einer Klinik stationär aufgenommen zu werden in der ich die Krankheit richtig kennengelernt habe. Es war die Fachklinik in Bad Bentheim.

Dort angekommen machte ich die Erfahrung nicht mehr alleine zu sein, meine Mauer die ich mir selbst um mich herum aufgebaut hatte fiel wie ein Kartenhaus in sich zusammen, denn hier war ich nicht mehr der auf den man wie ich damals glaubte mit den Fingern zeigte.

Dort war ich nur einer von Vielen. dort hatte ich eine tolle Behandlung von Menschen die den ganzen Tag nichts anderes machen als Psoriasis zu behandeln und was fast noch wichtiger war, ich hatte wieder soziale Kontakte.

Außerhalb der Behandlungen gab es zumal wieder Gesprächsthemen die das ganz normale Leben betrafen. Dort habe ich gelernt, dass alles was ich mir damals eingeredet hatte oder das Versteckspiel das ich betrieb nicht anderes war als Selbstmitleid und genau dieses Selbstmitleid war es auch, was die Psoriasis immer weiter hat aufblühen lassen.

Ich war damals sechs Wochen in der Klinik und durfte nach den sechs Wochen erscheinungsfrei nach Hause fahren. Ich glaube ich war damals einer der glücklichsten Menschen der Welt obwohl mir bewusst war, dass die Psoriasis irgendwann wieder kommen würde. Mein Glück hielt damals ein ganzes Jahr an (das Glück der Erscheinungsfreiheit) bis die Psoriasis wieder kam. Sie kam wieder, aber sie kam nicht mehr so heftig wie noch ein gutes Jahr zuvor.

Dies lag wohl daran, dass ich meiner Psoriasis nicht mehr so viel Aufmerksamkeit geschenkt habe und auch daran, dass ich ja wusste ich bin nicht alleine, eben nur einer von Vielen und außerdem wusste ich nun, dass es eine Möglichkeit gab die Krankheit so einzudämmen um ein ganz normales Leben zu führen. Ich lies dieses äußerst schädliche Selbstmitleid weg, denn ich wusste ja nun dass mir das nichts bringt und so erwuchs aus Selbstmitleid langsam aber sicher Selbstbewusstsein.

Im Übrigen kenne ich seit damals so viele Menschen in meiner nächsten Umgebung die die selbe Krankheit haben ohne das ich es vorher bemerkt hatte. Die Tatsache, dass ich das bei anderen nicht geshen oder bemerkt habe lag nicht daran, dass diese Menschen sich versteckt hätten sondern vielmehr daran, dass man den Menschen nicht an seiner Krankheit festmacht. Ich habe damals die Finger gesehen die auf mich gezeigt haben, aber kein anderer Mensch hat diese Finger gesehen und die konnte auch niemand sehen, denn die gab es nur in meiner selbstmitleidigen Vorstellung.

Ich bin bis zum heutigen Tage froh die Erfahrung in der Klinik gemacht zu haben. Ich kann es nur jedem empfehlen einen solchen Klinikaufenthalt anzustreben denn ich bin überzeugt davon, dass es den meisten anderen Menschen ebenso ergeht wenn sie nicht zu lange warten mit dem ersten Aufenthalt in einer solchen Klinik.

Dem Vater ist ja wahrscheinlich kaum noch zu helfen wenn er es in 40 Jahren nicht gelernt hat sich mit der Krankheit zu arrangieren. Allerdings kann ich auch verstehen, dass er nun sicherlich auch noch Schuldgefühle hegt gegenüber seiner Tochter. Vielleicht würde ihm ja ein solcher Klinikaufenthalt auch mal gut tun und lernfähig ist der Mensch bis ins hohe Alter.

Ich wünsche Eurer Familie viel Kraft und Zusammenhalt

Gruß Raiber

Geschrieben

So' date=' und da ich auch schon wieder viel gelabert habe und auch mein Leben geniesen will geh ich jetzt feiern - habe heute erfahren, dass ich den ersten Teil einer Prüfung, den schriftlichen, bestanden habe ;-)[/quote']

Na dann mal meinen herzlichsten Glückwunsch dazu!

Neben den ganzen Gedanken über die Pso soll es nämlich (hat man mir jedenfalls so gesagt) auch noch ein LEBEN geben... :)

Feier' schön und lass' es Dir gutgehen... :)

Geschrieben

Hi Greeky,

ich glaube man sollte nicht ein Leben NEBEN der Pso führen sondern mit ihr!

Ich habe gestern fleißig gefeiert - habe angestoßen, geraucht - was ja Gift ist. Meine Pso habe ich einfach zum feiern "eingeladen" - und sie hat sich nicht beschwert!

Ich versuche sie als gleichberechtigten Partner zu sehen und bemühe mich auch "aufzupassen", also z.B. nicht jeden Tag zu duschen, ein wenig vorsichtiger beim Essen zu sein - ganz einfach sie nicht herauszufordern. Im großen und ganzen klappt das.

Was sie für mich tut?! Sie zeigt mir, wenn ich wieder zu viel Streß auf mich lade, mich überfordere etc. - dafür danke ich ihr, denn dann kann ich mal einen Gang runter schalten! Wenn ich eins in meinem Leben gelernt habe ist es die Tatsache jeden Tag zu genießen als wäre es der Letzte - und da brauch ich keinen Streß - und die Pso sagt mir, wann ich das vergessen habe...

Geschrieben

Hallo Delphina,

ich finde deinen Beitrag köstlich und er tat mal richtig gut.

Vor allem der Satz brachte mich zum Lachen:

Ich habe gestern fleißig gefeiert - habe angestoßen, geraucht - was ja Gift ist. Meine Pso habe ich einfach zum feiern "eingeladen" - und sie hat sich nicht beschwert!

herrlich!

vielen Dank für deinen Humor :)

aer

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